Revier-Vergabe

Waidmanns Leid im Seetal: Fahrwanger Jäger tun sich schwer mit ihren Nachbarn

«Hubertus Fahrwangen» hat zweimal nicht genügend Wild erlegt. (Archiv)

«Hubertus Fahrwangen» hat zweimal nicht genügend Wild erlegt. (Archiv)

210 Jagdreviere gibt es im Aargau, alle acht Jahre werden sie vom Kanton neu zur Pacht ausgeschrieben. Gewöhnlich erhält die bisherige Jagdgesellschaft den Zuschlag zu ihrem Revier. Doch in seltenen Fällen kommt es zu Änderungen und bösem Blut. So wie in Meisterschwanden und Fahrwangen. Dort hatte der Kanton beschlossen, die beiden bestehenden Jagdreviere zusammenzulegen. «Die Grenze verlief vorher quer durch die Wälder, naturräumlich sind die Waldeinheiten zerschnitten worden, das machte keinen Sinn», sagt Thomas Stucki, Leiter Sektion Jagd und Fischerei. «Nun können die Wälder in einem Stück bejagt werden.»

Fahrwanger gingen leer aus

Die Zusammenlegung der Reviere kam nicht überraschend und trotzdem stellt sie die Betroffenen vor grössere Probleme: Wo früher die Jagdgesellschaften Seerose Meisterschwanden und die Hubertus Fahrwangen jede für sich jagen konnten, gibt es heute nur noch ein Revier. Beide Gesellschaften haben sich für die Pacht des Reviers 123, wie es offiziell heisst, beworben. Und der Kanton hat entschieden: Seerose Meisterschwanden erhielt den Zuschlag, Fahrwangen ging leer aus.

Dieser Entscheid sorgt in Fahrwangen für grossen Unmut. Urs Ingold, Mitglied der Jagdgesellschaft Hubertus Fahrwangen, macht seinem Ärger in einem Leserbrief mit dem Titel «Filz-Willkür und Arroganz bei der Vergabe von Jagdrevieren» Luft. Die Zusammenlegung der Reviere kritisiert der Jäger nicht, das mache absolut Sinn. Und für die Fahrwanger würde auch ein Zusammenschluss der beiden Jagdgesellschaften Sinn machen, der gemäss dem Leserbrief schon seit mehreren Jahren angestrebt werde. Dieser sei jedoch an den Meisterschwander Nachbarn gescheitert, die sich nie um ein Gespräch bemüht hätten. Die Fahrwanger Jäger hatten genaue Vorstellungen, wie dieser Zusammenschluss aussehen würde. «Alle Pächter von Meisterschwanden werden vorbehaltlos innert Jahresfrist in die neu zusammengelegte JG Fahrwangen/Meisterschwanden aufgenommen», schreibt Ingold. Dieser Vorschlag stiess bei den benachbarten Jägern auf wenig Begeisterung. Wie aus Ingolds Zeilen hervorgeht, scheinen persönliche Differenzen eine Rolle gespielt zu haben. «Sie wollten aus fadenscheinigen Gründen maximal zwei von vier Pächtern übernehmen», steht im Leserbrief. Und noch deutlichere Worte findet der Leserbriefschreiber für die Jäger aus der Nachbargemeinde: «Die JG Meisterschwanden hat sich nie bemüht, in ihrem Revier Wildschutzmassnahmen wie zum Beispiel optische Geräte an den Hauptstrassen zu montieren. Auch wurden nie jagdliche Arbeiten in Feld und Wald ausgeführt.»

Filz und Willkür?

Dass der Kanton die Pacht für das Revier an die Meisterschwander vergeben hatte, war für die Fahrwanger «niederschmetternd». Über die genauen Gründe für den Entscheid will Thomas Stucki vom Kanton keine Auskunft geben. «Bewerben sich zwei oder mehr Jagdgesellschaften für ein Jagdrevier, wird diejenige bevorzugt, welche die Erfüllung der jagdlichen Aufgaben, namentlich aufgrund der bisherigen Jagdausübung, ihrer Verbundenheit mit dem Revier sowie ihrer Altersstruktur, besser gewährleistet», heisst es im Jagdgesetz des Kantons Aargau.

Ingold nennt in seinem Leserbrief zwei Gründe, die der Kanton angeführt haben soll: Die verlangte Abschusszahl sei zweimal nicht erreicht worden, zudem sei das Durchschnittsalter der Fahrwanger 0,4 Jahre höher als dasjenige der Meisterschwander. «Die Entscheidung ist für uns nicht nachvollziehbar», schreibt er. Die Noch-Pächter haben jedoch darauf verzichtet, eine Beschwerde einzureichen. Die Einsprachefrist ist abgelaufen. Stattdessen werfen die enttäuschten Jäger den Vertretern des Kantons vor, parteiisch entschieden zu haben. «Ein Pächter der JG Meisterschwanden ist bei der Jagdabteilung in Aarau angestellt», schreibt Ingold. Damit hat er recht, Hans Döbeli arbeitet bei der Aargauer Jagdverwaltung. Dies lässt bei den Fahrwanger Jägern «Zweifel an einer neutralen und sachbezogenen Entwicklung aufkommen», so Urs Ingold.

Die Meisterschwander haben den Zuschlag erhalten. Einem Zusammenschluss steht auch nachträglich rechtlich nichts im Weg. «Es gibt keine Obergrenze für die Anzahl Mitglieder in Jagdgesellschaften», sagt Stucki. Die Differenzen zwischen den beiden Jagdgesellschaften scheinen schon seit Jahren zu bestehen. Die Meisterschwander Jäger haben die Flinte aber noch nicht ins Korn geworfen, wollten sich zurzeit jedoch dazu nicht äussern.

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