Wahlkampf
Der Computer gibt einen Wahl-Kick: In Lenzburg hilft Smartvote bei der Entscheidungsfindung

In Lenzburg konnte die Bevölkerung in einem Pilotprojekt erstmals Fragen für die Online-Wahlhilfe «Smartvote» beisteuern. Die AZ hat den Fragebogen nun getestet.

Valérie Jost, Florian Wicki und Larissa Gassmann
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Wollen alle gewählt werden: Sven Ammann (FDP), Sabine Sutter-Suter (Die Mitte) und Corin Ballhaus (SVP).

Wollen alle gewählt werden: Sven Ammann (FDP), Sabine Sutter-Suter (Die Mitte) und Corin Ballhaus (SVP).

Chris Iseli

Lenzburg steht am 26. September ein spannender Wahlsonntag bevor: Für die fünf Stadtratssitze stehen sieben Kandidierende zur Auswahl, darunter zwei Bisherige. Wer die sieben nicht persönlich kennt oder wem die Slogans nicht reichen, hat nun eine weitere Option: die Online-Wahlhilfe von Smartvote, ein politischer Fragebogen.

Im Rahmen des Pilotprojekts «BePart» konnte die Bevölkerung eigene Fragevorschläge einreichen. Danach bestimmte eine Gruppe von per Los ausgewählten Lenzburgern in zwei Workshops, welche es in den Frage-
bogen schaffen.

Das Ergebnis sind 53 Fragen (Kurzversion: 30 Fragen). Die Themen reichen von der Lenzburger Kanti über die Altstadt-Belebung bis zur Sanierung der Bahnhofstrasse.

Am Ende erhält man in Form einer prozentualen Übereinstimmung mit den Kandidierenden eine Wahlempfehlung sowie einen persönlichen Smartspider, den man – wie die Antworten – mit dem der Kandidierenden vergleichen kann. Die AZ hat es anhand vier politischer Positionen ausprobiert.

Der 19-jährige Klimaaktivist

Der Klimajugend ist der Umweltschutz wichtig.

Der Klimajugend ist der Umweltschutz wichtig.

Screenshot

Ich wünsche mir, dass sich die Stadt im Bereich Umwelt, Verkehr und Energie um neue Lösungen bemüht und den Einsatz von Elektrofahrzeugen und Velos fördert. Projekte wie das Quartier «Im Lenz», das für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen ausgezeichnet wurde, finde ich super.

So etwas sollte es öfter geben. Gleichzeitig würde ich es begrüssen, wenn sich die Stadt als Standort einer neuen Kanti auf dem Zeughaus-Areal bewirbt. Dass man mehr auf uns Jungen hört, Räume für uns schafft und Projekte wie den Jugendtreff TommTreff oder kostenlose Sportangebote ermöglicht und unterstützt.

Der 25-jährige Linke

Liegen dem Linkswähler am Herzen: Sozialstaat und Transparenz.

Liegen dem Linkswähler am Herzen: Sozialstaat und Transparenz.

Screenshot

Durch das Smartvote-Tool habe ich erfahren, welche*r der Kandidat*innen sich für mehr Jugendräume, für Kulturschaffende oder für eine Lenzburger Kantonsschule einsetzen will. Gleichzeitig finde ich super, dass sie sich zu ihren Wahlkampfbudgets und zu ihren Interessensverbindungen äussern können, damit man auch sieht, wie viel Geld und welche Vereinigungen hinter einer Kandidatur stehen.

Und auch die Filterfunktion war mir eine grosse Hilfe, um meinen persönlichen Wahlzettel zusammen zu stellen: Damit kann man die Liste der politisch kompatiblen Kandidat*innen auch noch nach Alter und Geschlecht eingrenzen.

Die 35-jährige Bürgerliche

SDie Bürgerliche setzt sich für Familien und Gewerbe ein.

SDie Bürgerliche setzt sich für Familien und Gewerbe ein.

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Als Mutter ist mir vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig, etwa durch die Einführung des Tagessschulmodells mit integriertem Betreuungsangebot in Lenzburg. Auch den viel diskutierten Mittelschulstandort, die Digitalisierung in der Schule und die Jugendarbeit finde ich unterstützenswert.

Statt für die Integration von Ausländern oder für Kulturschaffende darf die Stadt hier auch Geld einsetzen. Zudem sollte gerade in Pandemiezeiten das Gewerbe gestärkt werden, etwa durch tiefere Steuern oder Anreize für Start-ups. Dabei ist Umweltschutz schön und gut, solange die Wirtschaftlichkeit nicht zu sehr leidet.

Die 68-jährige SVPlerin

Setzt auf restriktive Migrationspolitik: die Rentnerin.

Setzt auf restriktive Migrationspolitik: die Rentnerin.

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Mir ist es wichtig, dass Lenzburg trotz steigender Bevölkerungszahl sicher bleibt. So bin ich der Meinung, dass etwa bei Autoposern härter durchgegriffen werden sollte. Wiederum bin ich dagegen, dass auf dem Zeughaus-Areal eine Mittelschule entstehen soll. Auch sollte Lenzburg Geflüchtete etwa nicht direkt aus Moria oder anderen Lagern aufnehmen.

Weiter erachte ich es nicht als nötig, dass die Stadt sich in unser Leben einmischt. So soll sie sich etwa nicht stärker für die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau einsetzen. Auch eine Fusion mit Staufen und Niederlenz würde ich nicht unbedingt anstreben.

Hinweis

Wer Smartvote gerne selbst ausprobieren möchte, kann dies hier tun.