Lenzburg
Waffenfabrik Hämmerli: die «Waffenschmiede der Weltmeister»

Zum 150-Jahr-Jubiläum der ehemaligen Waffenfabrik Hämmerli erschien ein Buch. Die Firmengeschichte stammt aus der Feder von Ferdinand Hediger, langjähriger Verkaufsleiter und späterer Direktor.

Heiner Halder
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Verleger Peter Grieder und Autor Niklaus Schweinfurth mit ihrem Werk über die Waffenfabrik Hämmerli. HH.

Verleger Peter Grieder und Autor Niklaus Schweinfurth mit ihrem Werk über die Waffenfabrik Hämmerli. HH.

Heuer wäre die Waffenfabrik Hämmerli 150 Jahre alt geworden. Nach jahrzehntelanger erfolgreicher Tätigkeit im Dienste des Schiesssports und der Schweizer Armee wurde im Jahr 2003 der gesamte Betrieb von Lenzburg nach Neuhausen verlegt. Eine Ära ging zu Ende, nicht aber die legendäre Marke.

Mit der umfangreichen Publikation «Hämmerli Pistolen und Revolver» setzen der Waffenspezialist Niklaus Schweinfurth aus Hüttikon und der Verleger Peter Grieder aus Rapperswil der «Waffenschmiede der Weltmeister» nun ein literarisches Denkmal.

«Gweri» erlebte goldene Zeiten

Die Firmengeschichte stammt aus der Feder von Ferdinand Hediger, langjähriger Verkaufsleiter und späterer Direktor. Die Buchvernissage fand nicht von ungefähr in Lenzburg statt, wo Hämmerli – im Volksmund die «Gweri» – meist goldene, aber auch schwierige Zeiten erlebt hat.

Die Waffenfabrik wurde 1863 von Schlossermeister Johannes Ulrich Hämmerli gegründet, Spross einer Familie von Ebenisten (Kunsttischlern), deren Möbel heute noch gesuchte Antiquitäten sind.

In seiner Schlosserei an der Lenzburger Aavorstadt wurden im Auftrag der schweizerischen Militärverwaltung damals versuchsweise Läufe für den Feldstutzer Modell 51 hergestellt.

Buchstäblich erfolgreich, denn bis Ende des 20. Jahrhunderts folgten immer wieder Aufträge für Waffenbestandteile aus Bern, ein wesentlicher Anteil am Aus- und Einkommen der Firma.

Als der Patron 1877 Lenzburger Stadtammann wurde, übernahm sein Sohn Jeannot, gelernter Büchsenmacher, den Betrieb. Zusammen mit Johann Hausch aus dem Königreich Preussen baute er 1883 die Waffenfabrik im Wil am Aabach.

Verschiedene Diversifikationen

In der wechselvollen Geschichte kam es mehrfach zu Diversifikationen mit Herstellern von Nutzfahrzeugen, Nähmaschinen und Geschirrspülmaschinen.

1971 wurde die Aktienmehrheit an die SIG Neuhausen und von dort später an weitere Investoren verkauft. Kerngeschäft war weiterhin die Waffenfabrikation, welche den Weltruf von Hämmerli begründete.

Waffenfreunde vermag dieser Name nach wie vor zu begeistern, denn er steht als Synonym für höchste Präzision, Innovation und Zuverlässigkeit: Spitzenerzeugnisse im Sektor der Sportpistolen. Ein Sport, der allerdings «eher elitär» war und ist, wie Verleger Peter Grieder einräumt.

Rekorde mit Hämmerli-Pistolen

International wurden unzählige Rekordresultate mit Hämmerli-Waffen erzielt. Der Herausgeber von «Waffenliteratur in jeder Form» (Fachbücher, Zeitschriften, Spezialhefte und Bücher) will darauf hinwirken, Erinnerungen an gloriose Zeiten der Schweizer Pistolenschützen wach zu halten.

Niklaus Schweinfurth ist nicht nur der Autor, welcher aus reichlich vorhandenen Sammlungsbeständen und relativ kargem Archivmaterial systematisch und akribisch sämtliche zahlreichen Pistolen- und Revolvermodelle von Hämmerli beschreibt.

Vielmehr dokumentiert er sie auch eigenhändig mit technischen Zeichnungen – weil Waffen schwer zu fotografieren sind. Das Ergebnis sind Darstellungen «von verblüffender Klarheit und Detailtreue bis ins Kleinste», so der Verleger.

Schweinfurths Ziel ist es, dem Sammler bei der Identifikation und Zuordnung der einzelnen Modelle und deren Varianten zu helfen.