Lenzburg

Während 30 Jahren hat Jürg Haller die Ortsbürger repräsentiert

Stadtammann Hans Huber verabschiedet Jürg Haller nach 30-jähriger Kommissions-Präsidentschaft.

Stadtammann Hans Huber verabschiedet Jürg Haller nach 30-jähriger Kommissions-Präsidentschaft.

An der Ortsbürger-Gemeindeversammlung der Gemeinde Lenzburg wurde Kommissionspräsident Jürg Haller gewürdigt. Haller hatte die Ortsbürger während 30 Jahren repräsentiert.

Die Lenzburger Ortsbürger verabschiedeten ihre Geschäfte rasch, diskussionslos und einstimmig, so dass genügend Zeit für Denkanstösse und Danksagungen blieb. Dem Ruf des Rathausglöckleins waren 110 von 539 Stimmberechtigten gefolgt.

«Ortsbürger sind besondere Leute: Sie hüten, behüten und bewahren die Traditionen, wirken nachhaltig, sind hablich, aber auch hauslich, doch grosszügig, wenn es sich gebietet, kennen ihren Stellenwert und sind stolz darauf, doch schaffen sie zum Wohl von allen.» Mit diesen Worten setzte Stadtammann Hans Huber zur Laudatio auf Jürg Haller an, welcher sage und schreibe während 34 Jahren, davon 30 Jahre als Präsident, bei der Ortsbürgerkommission mitwirkte.

Kein «Sesselkleber»

Wer sein Amt als Berufung versteht und mit Anstand verwaltet, so lange das feu sacré nicht erkaltet, dürfe nicht als «Sesselkleber» bezeichnet werden. Der 1982 gewählte Kommissionspräsident formte das damalige Männer-Team zu einem demokratisch mitwirkenden kreativen Debattier-Club, eine verschworene Gemeinschaft, führte die Mitglieder an der langen Leine, Eigeninititive war gefragt und der Freiraum für gewisse Privilegien geschaffen.

Jürg Haller hat als Repräsentant der Ortsbürger seinen eigenen Stil gepflegt: Traditionsbewusst, mit Comment, den schönen Künsten zugetan, ihr Licht nicht unter den Scheffel gestellt, die Ortsbürger als besondere Citoyens hervorgehoben und exzellent «verkauft». So auch wieder und zum letzten Mal öffentlich in seinen philosophisch angereicherten Dankesworten.

Dank und viel Applaus durfte auch Jakob Salm entgegennehmen, welcher nebst der Überbauung Viehmärt auch die Erweiterung des ortsbürgerlichen Kieswerkes nach zehnjährigen Bemühungen bei Bund, Kanton und Gemeinde durchgezogen hat. Kieswerkkommissionspräsident Claudius Obrist überreichte ihm den Entwurf für eine Ehrentafel, welche in naher Zukunft beim ersten grösseren Findling im neuen Abbaugebiet Lenzhard enthüllt werden soll.

Geld von Kieswerk und Viehmärt

Kieswerk und Viehmärt liefern den Ortsbürgern den finanziellen Hintergrund für ihre kulturelle Tätigkeit und den Unterhalt ihrer Liegenschaften.

Deshalb konnte die Versammlung für ersteres einen neuen Radlader für 410 000 Franken und via Budget 2012 für das Museum die 50-Prozent-Stelle für einen neuen Betreuer der Experimentellen Archäologie (Urgeschichtgswerkstatt für Schulklassen) und eine Aufstockung des Pensums für die Museumsleiterin um 10 Prozent ohne weiteres genehmigen.

Das Kieswerk rechnet mit einem Gewinn von 151 000 Franken, die Revierrechnung Lenzia mit einer Einlage von 10 000 Franken in die Forstreserve

Diskussion über eigene Verwaltung

«Das Burghaldenhaus wird vergoldet, doch das Cholerahaus bräuchte mehr als eine Küchensanierung», kritisierte Kurt Wernli das Budget für den Liegenschaftsunterhalt. Der Votant regte an, sich eine eigene unabhängige Ortsbürgergutsverwaltung zu schaffen. Zur Diskussion solcher Themen sei ausserhalb der Gemeindeversammlung ein freier Diskussionsabend der Bürger mit den Kommissionen zu organisieren.

Der Antrag wurde applaudiert, ebenfalls das Kontrareferat von alt Stadtschreiber Christoph Moser, welcher darauf hinwies, dass solche Diskussionen, und erst noch mit Entscheidungsfindungen, durchaus an der Gmeind Platz haben. Wernlis Vorstoss wurde denn auch mit 63 zu 31 Stimmen abgelehnt.

Dass die Vororientierung sowie die freie Meinungsäusserung gewährleistet sind, bewiesen die Orientierungsversammlung zu den Museumstraktanden sowie die Gmeind selber, wo Hans Brüngger zur Besichtigung der SBB-Industriegleisanlagen aufrief: Dort findet sich im Sommer eine selten schöne Blütenpracht.

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