Seon
Vorwürfe eines Schreiners: Hat die Gemeinde nicht alle Rechnungen bezahlt?

Beim Hallenbad kommt es zum Streit zwischen der Gemeinde und dem Schreiner Otto Walti.

Anja Suter
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Mit den Unterlagen zum Auftrag Hallenbad füllt Otto Walti mittlerweile drei Ordner.

Mit den Unterlagen zum Auftrag Hallenbad füllt Otto Walti mittlerweile drei Ordner.

Anja Suter

Otto Walti (58) ist seit 40 Jahren Schreiner in Seon. Er hat das Geschäft von seinem Vater übernommen. Otto Walti ist wütend. Dies, weil die Gemeinde Seon nicht alle Rechnungen begleicht, die er gestellt hat. Die Gemeinde, mit der er all die Jahre immer wieder gut zusammengearbeitet hat. Die Wut und das Gefühl, jemandem ausgeliefert zu sein, ist so gross, dass Otto Walti macht, was ein lokaler Handwerker in der Regel nicht tut. Er spricht öffentlich über den Konflikt mit seinem Auftraggeber.

Der Schreiner hat einen eigenen Betrieb mit neun Angestellten und hat im vergangenen Jahr diverse Arbeiten am Hallenbad Seon vorgenommen, während dieses komplett saniert wurde. «Ich habe im Februar 2019 eine Offerte erstellt und daraufhin den Auftrag erhalten», sagt er. Der Schreinermeister hat alles dokumentiert. Drei Ordner voll mit den Informationen zu den Arbeiten, die er ausgeführt hat. «Das Gespräch mit dem Planer ging nur 30 Minuten, nach dieser Grundlage habe ich dann die Offerte erstellt», sagt Walti.

«Es ist normal, dass es Unvorhergesehenes gibt»

Während der Sanierung des Hallenbades, die sich über neun Monate hinzog, führten Otto Walti und sein Team auch Aufträge aus, die er nicht offeriert hatte. «Es ist normal, dass es Unvorhergesehnes gibt. Je älter das Gebäude ist, desto mehr Sachen entdeckt man, die man zuvor nicht vermutet hätte», sagt Walti.

Zu den zusätzlich eingeforderten Arbeiten gehörten unter anderem Arbeiten in der Arztpraxis im Obergeschoss, die gesamte Einrichtung des Badmeisterraums und zusätzliche Türen, die vom Schreiner und seinem Team hergestellt worden sind. «Für alle Arbeiten haben wir mündliche oder schriftlich unterzeichnete Aufträge von der Bauleitung oder Personen aus der Baukommission erhalten», so Walti. Diese habe er in seinen Rechnungen auch aufgeführt.

Auf seinen Rechnungen blieb der Seener jedoch teilweise sitzen. Es sind über 184'000 Franken ausstehend. Im Total stellte Otto Walti an die Einwohnergemeinde Rechnungen in der Höhe von 391'809.60 Franken. Bezahlt wurden jedoch nur 207643 Franken. «Es hiess vonseiten der Gemeinden, sie bezahlen nur, was bestellt worden sei», sagt Walti.

Es wurden diverse Gründe angeführt, wieso nicht alle Rechnungsbeträge beglichen wurden: «So hiess es unter anderem, ich hätte zu hohe Ansätze berechnet oder Positionen seien doppelt aufgeführt. Wenn man aufs Datum geachtet hätte, hätte man gesehen, dass mein Mitarbeiter an zwei verschiedenen Tagen ausrücken musste», so der Schreiner. Einigen konnten sich die beiden Parteien auch nach einem offiziellen Gespräch bis heute nicht.

Man bemühe sich um eine einvernehmliche Lösung

Gemeindeammann Hanspeter Dössegger weist die Kritik von Schreiner Walti zurück: «Die Gemeinde Seon hat der Schreinerei Otto Walti AG sämtliche vertraglich vereinbarten Leistungen, die diese im Zusammenhang mit der Sanierung des Hallenbades ausgeführt hat, bezahlt. Die Schreinerei Otto Walti AG macht aber ohne vertragliche Grundlage weitergehende Forderungen geltend, die von der Seite der Gemeinde bestritten sind.»

Die Einwohner­gemeinde Seon unterstehe als Gemeinwesen dem öffentlichen Beschaffungsrecht und könne Rechnungen nur begleichen, die ordnungsgemäss vergeben worden seien oder für die hinreichende vertragliche Grundlagen bestehen würden. «Dies ist bei den Forderungen der Schreinerei Otto Walti AG nicht der Fall; diese Arbeiten wurden weder ausgeschrieben, noch bestehen dafür durch den Gemeinderat genehmigte Nachträge, noch liegen genehmigte Regierapporte vor.»

Der Gemeinderat sei jedoch bemüht, mit der Schreinerei als ortsansässigem Gewerbebetrieb eine einvernehmliche Lösung zu finden, und habe unter anderem auch die Einsetzung eines Schiedsgutachters vorgeschlagen, der einen für beide Seiten verbindlichen Vorschlag hätte ausarbeiten sollen. «Dies wurde durch den Unternehmer aber abgelehnt», sagt Dössegger. Auch in den durchgeführten Besprechungen habe sich die Schreinerei Otto Walti nicht kompromissbereit gezeigt.

Ist die Gemeinde bei den Zahlungen allenfalls knausrig, weil die Kosten aus dem Ruder gelaufen sind? Gemeindeammann Hanspeter Dössegger dementiert vehement: «Nein, die abschliessende Abrechnung der gesamten Hallenbadsanierung liegt zwar noch nicht vor. Mit Ausnahme der Angelegenheit Walti ist man aber auf einem guten Kurs. Das Gesamtergebnis ist trotz allem sehr erfreulich.»

Die Stimmbürger von Seon bewilligten im Juni 2016 einen Planungskredit von 160000 Franken und im November 2017 einen Bruttokredit von 7,68 Millionen Franken. Das total sanierte Hallenbad ist seit Januar 2020 in Betrieb.