In Zukunft wird Drache Fauchi der einzige permanente Schlossbewohner sein. Christine Ziegler und René Marty, die Anfang 2019 die Geschäftsführung von Schloss Lenzburg übernehmen, behalten ihren Wohnsitz in der Stadt, einen Katzensprung vom Schloss entfernt. Denn es ist nicht der vermeintliche Trumpf, nämlich die grosszügige Sechszimmer-Wohnung im Schloss und der wohl prachtvollste Weitblick von ganz Lenzburg aus deren Fenstern, der das Paar bewogen hat, sich um die Nachfolge von Peter und Renate Jud zu bewerben. Juds gehen nach über 22 Jahren auf der «Lenzburg» Ende Januar 2019 in Pension.

Christine Ziegler und René Marty sind die neue Herrschaft auf Schloss Lenzburg

Christine Ziegler und René Marty sind die neue Herrschaft auf Schloss Lenzburg

  

Es ist der Job selber beziehungsweise die Ausschreibung, mit welcher die Stiftung Schloss Lenzburg im März eine neue Schlossherrschaft suchte, die Zieglers und Martys Interesse weckte. Die 48-jährige Marketingspezialistin und der 44-jährige Elektromonteur und Lichtdesigner waren sich einig. «Eine solche Job-Möglichkeit gibt es nur einmal im Leben.» Deshalb haben sie nicht lange gezögert und zugegriffen, obwohl sie nicht ganz dem Stellenprofil entsprachen, wie Ziegler bemerkt.

Mehrere Dutzend Bewerber

Die gebündelten Kompetenzen des Paares vermochten den Stiftungsrat Schloss Lenzburg trotzdem zu überzeugen. Er hat die zwei neuen Geschäftsführer «unter mehreren Dutzend Bewerbern ausgewählt», wie Stiftungsaktuar Christoph Hofstetter festhält. Aus der ganzen Welt seien Bewerbungsdossiers eingetrudelt. «Darunter viele von Personen, die im Tourismusbereich arbeiten und in irgendeiner Form Wurzeln zur Schweiz beziehungsweise der Region haben und nun an eine Rückkehr denken», sagt Hofstetter.

Bei Christine Ziegler ist es genau umgekehrt. Sie kommt ursprünglich aus Deutschland. «Ich stamme aus einem mittelalterlichen Burgennest in Stuttgart», sagt sie lachend. Damit hat sie eine Parallele zu ihrem neuen Arbeitsplatz. Vor zwölf Jahren ist sie aus beruflichen Gründen nach Lenzburg gezogen und hat als Country-Managerin die Damenwäschemarke Damart Swiss AG geführt. Seit gut zwei Jahren leitet Ziegler das Zeitschriftenmarketing der AZ Fachverlage AG. «Lenzburg ist mir in den vergangenen Jahren ans Herz gewachsen, weshalb ich mich nun einbürgern lasse. Das ist ein bewusster Entscheid. Das Verfahren läuft», sagt Ziegler.

Aufgewachsen im Knonaueramt

Deshalb darf man wohl behaupten, dass René Marty kaum eine andere Wahl blieb, als es um die Suche nach einem gemeinsamen Wohnsitz ging. Marty lacht und bestätigt, der «Liebe wegen» in die Stadt Lenzburg gezogen zu sein. Aufgewachsen ist er im Knonaueramt, wo seine Eltern ein Dorfrestaurant betrieben. Heute leitet er ein Beleuchtungscenter in Zürich. Auf dem Schloss wird sich Marty vor allem um technische Belange kümmern.

Das Gästemanagement will das Paar jedoch gemeinsam betreiben. Dass sie von nun an nicht nur privat, sondern auch beruflich zusammenspannen, hätten sie sich gut überlegt, betonen Ziegler und Marty. «Das wird eine Umstellung.» Die Feststellung entlockt Renate und Peter Jud ein Schmunzeln. Das Schloss sei so weitläufig, dass man oft zum Telefon greifen müsse, wenn man sich sprechen wolle.

2036 steigt das 1000. Jubiläum

Im Gegensatz zu Juds 180-Prozent-Anstellung haben Ziegler und Marty ein volles Arbeitspensum. Zu den bisherigen Aufgaben kommen neue dazu: Das Bernerhaus muss nach dem Auszug der Stiftung Stapferhaus dem Stiftungszweck entsprechend «gefüllt» werden, wie Stiftungsaktuar Hofstetter erklärt. Zudem komme mit dem Bistro-Betreiber Hotel Krone ein zusätzlicher Player aufs Schloss, der betreut werden muss.

Sie wollen «länger bleiben», versichern Ziegler und Marty und machen den Zeithorizont gleich selber klar: «1036 ist Lenzburg erstmals urkundlich erwähnt. Die 1000-Jahr-Feier zu erleben, wäre schon ein Ziel.» Was mit der frei werdenden Wohnung auf der «Lenzburg» passiert, ist offen. Laut Hofstetter ist die künftige Nutzung der Räume in Prüfung.