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Die Rekordfahrt der Bluebird K3 auf dem Hallwilersee

Die Sturmwarnung beim «Delphin» wirft ihr Drehlicht durch die Abenddämmerung über die Wellen. Der Westwind bläst. Heute wäre kein Rekordwetter.

Aber exakt 75 Jahre zuvor, am 17. September 1938, präsentierte sich der Hallwilersee spiegelglatt. Der 1931 geadelte englische Motorsportler Sir Malcolm Campbell gab nach dem Nachmittagskaffee, den er standesgemäss im Schlosshotel Brestenberg bei Seengen genossen hatte, den Startbefehl: «Well, gentlemen, let’s go down.»

Echo über die Grenzen hinaus

Drunten am See, in einem eigens errichteten Hangar wartete Campbells Rekordboot Bluebird K3, mit dem er im Vorjahr im Tessin schon zwei Geschwindigkeitsweltrekorde aufgestellt hatte. Eine Verbesserung der Marke war das Ziel.

Tausende Zuschauer auf den Naturtribünen bildenden Uferhängen schauten den lauten Fahrten vom von Nord- zum Südende des Sees und zurück zu. Erst die zweite Auswertung der mit einer eigens installierten Anlage ermittelten Zeiten ergab die neue Rekordmarke von 210,66 Kilometer pro Stunde.

Diese samstägliche Rekordfahrt machte den Hallwilersee weit über die Landesgrenzen zum Gesprächsthema – und faszinierte Jahrzehnte später den heute 41-jährigen Heinz Bertschi, derart, dass er sich intensiv mit Campbells Fahrt und Biografie zu befassen begann.

Modell und zwei Präsentationen

Statt wie ursprünglich vorgesehen mit einem Gala-Event auf einem Hallwilerseeschiff wurde das 75-Jahr-Jubiläum vorgestern im kleinen Saal Seestern in der Meisterschwander «Seerose» gefeiert. Einige Dutzend Interessierte, darunter etliche Zeitzeugen, die die Rekordfahrt persönlich miterlebt hatten, waren erschienen, um sich gemeinsam an das Ereignis zu erinnern.

Heinz Bertschi und seine Partnerin Eveline Voegeli versetzten das Publikum mit einer Multimediashow ins «Seetal in den 30er-Jahren». Von der Rekordfahrt war nur ein kurzer Trailer eines Dokumentarfilms zu sehen, an dem Bertschi arbeitet. «Mir liegt viel daran, dass dieses für das Seetal einmalige Ereignis nicht vergessen geht», umschreibt er seine Motivation. Am Jubiläumsanlass war zudem ein Modell der Bluebird K3 ausgestellt.

Touristisches Potenzial

Der gebürtige Seetaler betreibt eine Internetseite zum Thema. Dort kann man neben Informationen zum Rekord zur Zeit auch den Film-Trailer sehen. Der Film soll in zwei Jahren, zum 77. Jahrestag, Premiere feiern. Auch existiert eine Website der neuen Besitzer des Bootes, welche die Bluebird K3 restauriert haben.

Vielleicht wird bis zum nächsten Jubliäum ein weiteres Projekt Realität: Die Montage einer Erinnerungstafel. Eventuell erkennen Tourismus- und Gemeindebehörden bis dahin das werbetechnische Potenzial dieses historischen Ereignisses. Und spätestens das 100-Jahr-Jubiläum muss nicht im Hinterzimmer gefeiert werden.

Die Bluebird K3 lässt ihren Rollce Royce Motor aufheulen.