Wer in Zeitungen längst vergangener Tage blättert, stösst immer wieder auf Schlagzeilen, die einen stutzen lassen. Nicht ihrer reisserischen Art, sondern des Komischen wegen. «Aktion ‹Milch an der Autobahn› eingestellt», steht da im Aargauer Tagblatt vom 9. September 1968. Milch an der Autobahn? Eingestellt? Was um Himmels willen war da vor 50 Jahren in Lenzburg bloss los? Eines vorneweg: Die Milch-Geschichte zog sich über mehrere Wochen hin. Und sie war bitterernst.

Die Geschichte geht so: Ab Ende Juli 1968 verkaufte die Aargauer Sektion des Schweizerischen Abstinentenverkehrsverbands (SAV) in Zusammenarbeit mit der Aargauischen Milchzentrale auf den beiden Rastplätzen bei Lenzburg und Hunzenschwil den Autobahnbenützern Milchgetränke. Insgesamt rund 2500 Liter innert sechs Wochen. Am 6. September 1968 dann kam es zum Eklat: Der Hunzenschwiler Verkaufsstand war verschwunden. Stattdessen hing an einem Baum ein Pappschild mit der Aufschrift: «Aktion Milch an der Autobahn eingestellt.»

Die beiden einst im gemeinsamen Milchverkauf innigst verbundenen Parteien gaben sich daraufhin Saures. In aller Deutlichkeit schoben sie sich den schwarzen Peter hin und her. Der Leiter der Autobahn-Milchaktion, Max Rohr, gab an, dass der Verkauf eingestellt werden musste, weil dem gratis arbeitenden Personal nicht zugemutet werden konnte, bei Wind und Wetter in den Zelten zu stehen. Diese Zelte wurden von der aargauischen Milchzentrale zur Verfügung gestellt.

Kostbarer Propagandawagen

Der Leiter habe vorgeschlagen, stattdessen den Propagandawagen der Milchzentrale einzusetzen. Doch diesen wollte die Milchzentrale nicht einfach so rausrücken. «Mit vielerlei Ausflüchten wurde der Einsatz dieses bestens dafür geeigneten Wagens hinausgeschoben», sagte Roth. Als das Gefährt schliesslich doch auf dem Rastplatz in Hunzenschwil stand, seien Forderungen gestellt worden, die der SAV nicht erfüllen konnte. Rohr wirft dem Propagandisten der Milchzentrale vor, die Aktion von Anfang an gebremst zu haben.

Das Aargauer Tagblatt druckt den Schlagabtausch ab, «will sich nicht in den Streit einmischen». Der zuständige Redaktor kann es sich jedoch nicht verkneifen zu schreiben, dass jede Möglichkeit genutzt werden solle, um den «Milchsee» zu verkleinern.