Ersatzwahl

«Von und in und zu Seengen»: Diese Gemeindeschreiberin wird Gemeinderätin

«So etwas ist nicht der Entscheid eines Einzelnen», sagt Susanne Rölli-Lindenmann zu ihrer Kandidatur.

«So etwas ist nicht der Entscheid eines Einzelnen», sagt Susanne Rölli-Lindenmann zu ihrer Kandidatur.

Bruneggs Gemeindeschreiberin Susanne Rölli-Lindenmann (49) will in Seengen Gemeinderätin werden. Sie tritt als einzige Kandidatin zu den Ersatzwahlen an.

Ihr Bruder hatte es schon immer gesagt. Und er sollte recht behalten: Susanne Rölli-Lindenmann (49) wird Gemeinderätin von Seengen, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit. Die FDP-Frau ist die einzige Kandidatin für den frei werdenden Sitz von Regula Hechler. Die Ersatzwahl findet am 27. September statt.

Susanne Rölli ist eine Seengerin durch und durch. «Von und in und zu Seengen», sagt sie, und das Gleiche gilt für sie in Bezug auf die Gemeindeverwaltung: Nach ihrer Lehre und mehreren Jahren auf der Kanzlei Seengen war sie Gemeindeschreiberin in Burg (2001 bis 2007) und in Leutwil (2008 bis 2019), seit 2019 ist sie Kanzlerin von Brunegg. Von und in und zu Gemeindekanzlei. «Wenn man einmal drin ist, kommt man nicht mehr raus», sagt sie und lacht laut und herzlich. Es gibt also doch etwas, was sie nicht verinnerlicht hat: das Image des trockenen, überkorrekten Gemeindeschreibers.

Schon die Eltern sassen im Seenger Gemeinderat

Das Politisieren ist Familiensache: Mit knapp 20 sass sie erstmals für rund fünf Jahre im Vorstand der FDP-Ortspartei, geprägt von der Diskussionskultur am elterlichen Esstisch. Vater Peter Lindenmann war bereits Seenger Gemeinderat, ebenso wie Mutter Elisabeth Lindenmann-Häusermann, beide für die FDP. Von 2007 bis 2014 war Susanne Rölli schliesslich Präsidentin der Seenger FDP.

«Mich fasziniert, dass Politik einem die Möglichkeit gibt, etwas zu bewegen», sagt sie zu ihrer Kandidatur. «Und ich sehe als Einwohnerin von Seengen die Möglichkeit, das Dorf aktiv mitzugestalten.» Letzteres will sie durchaus als den Seitenhieb verstanden haben, wonach er sich anhört. «Es ist immer einfacher, über die Behörden zu schimpfen, als selbst die Rolle des Entscheidenden zu übernehmen.»

Kritik. Etwas, was Susanne Rölli in all den Jahren als Gemeindeschreiberin oft zu hören bekommen hat. Aber bisher war sie Übermittlerin, nicht Direktbetroffene. «Ich war bislang nur die Schreiberin, deshalb habe ich Kritik am Gemeinderat nicht persönlich genommen.» Wie das künftig werden wird, jetzt, da sie als Gemeinderätin auch unpopuläre Entscheide fällen oder mittragen müsste, weiss sie nicht. «Aber ich hoffe, dass ich Kritik auch in Seengen hinnehmen könnte.»

Sollte sie denn Gemeinderätin werden – Susanne Rölli besteht auf den Konjunktiv – hat sie eine Herzensangelegenheit: Seengens Aussenwahrnehmung. «Ich will, dass Seengen als fairer und offener Partner angeschaut wird, dass wir im Seetal auf Augenhöhe miteinander reden.» Gehässigkeiten hätten da nichts verloren, Neid schon gar nicht. Und sowieso, Geld allein mache nicht glücklich und ein Dorf nicht lebenswerter als andere.

Der Bruder muss nun für seine Vorhersage büssen

Der Karriereschritt Gemeinderätin, er liegt auf der Hand. Als Gemeindeschreiberin kennt sie sämtliche Abläufe aus dem Effeff, ist bestens vernetzt. Warum hat es mit der Kandidatur so lange gedauert? «Wenn man sich aufstellen lässt, muss man bereit sein, muss man die Zeit dafür haben.» Solange die beiden Buben noch klein waren, habe sie sich diese Zeit nicht nehmen wollen, dafür sei sie zu sehr ­Familienmensch. Heute seien alle mit ihrer Kandidatur einverstanden, ihr Mann und die Kinder, ihr Arbeitgeber, ihre Eltern, ihr Bruder. «So etwas ist nicht der Entscheid eines Einzelnen, es müssen alle Ja sagen und das Amt mittragen.»

Ausgerechnet der Bruder, der es schon immer gesagt hat, muss nun übrigens für die Gemeinderatskandidatur büssen: Wird Susanne Rölli Gemeinderätin, muss Bruder Adrian Lindenmann aus der Seenger Finanzkommission austreten. So will es das Unvereinbarkeitsgesetz. Das sei für ihn in Ordnung, sagt Susanne Rölli und grinst dann breit: «Er kann ja gar nichts dagegen haben; ich tue ja nur, was er schon vor Jahren gesagt hat.»

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