Beinwil am See
Von Listenplatz 7 auf Platz 3: Der Überflieger mit Car und Lastwagen

Christian Merz schafft vom siebten Listenplatz die Wahl in den Grossen Rat – und ist davon selbst am meisten überrascht.

Ann-Kathrin Amstutz
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Christian Merz mit Ehefrau Barbara.

Christian Merz mit Ehefrau Barbara.

Ann-Kathrin Amstutz

«Nach dem Erwachen musste ich schon einen Moment überlegen, ob ich das alles nur geträumt habe», sagt Christian Merz (55) am Morgen nach der Wahl in den Grossen Rat.

Er gesteht: «Dieses Resultat habe ich nicht erwartet.» Von der frühen Auszählung überrascht, erfuhr er durch die ersten Gratulanten von seiner Wahl. Er hat SVP-intern am drittmeisten Stimmen geholt – notabene ab dem siebten Listenplatz. Obwohl er nicht viel Werbung gemacht habe: «Ich bin kein Fan von diesen Plakaten, die überall hängen.» Das war offensichtlich gar nicht nötig, denn Christian Merz ist in der Region als Inhaber und Geschäftsführer der «Gebrüder Merz Reisen und Transport AG» bestens bekannt.

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Zur Verfügung gestellt

2006 hat Christian Merz zusammen mit seinem Bruder Ueli das 86-jährige Familienunternehmen übernommen. Sie beschäftigen 14 Angestellte und zwei Lehrlinge. Im Angebot sind Carreisen, Lasten- und Öltransporte. «Es gibt keinen schöneren Beruf», findet Merz. «Jeden Tag sind andere Leute im Car, und es gibt immer neue Gegenden zu entdecken.»

In der Hauptsaison im Sommer sitzt er selbst an vier bis fünf Tagen die Woche hinter dem Steuer. Politische Erfahrung hat Christian Merz als Präsident der SVP Beinwil am See und während zwölf Jahren als Gemeinderat gesammelt. Es sei eine lehrreiche Zeit gewesen: «In der Politik braucht alles viel Zeit, oft sind Kompromisse gefragt.» Sein Kerngebiet ist – natürlich – die Verkehrspolitik. «Hier besteht ein grosser Handlungsbedarf, die Infrastruktur muss dringend ausgebaut werden. Nicht nur die Strassen, auch der öffentliche Verkehr und die Velowege.»

Mit dem Töffli nach England

Christian Merz ist in Beinwil am See aufgewachsen. Nach dem Lehrabschluss fuhr er mit dem Töffli nach England. «Eigentlich, um Englisch zu lernen. An schönen Tagen machte ich aber lieber Ausflüge, als in der Schule zu büffeln.» Als nach vier Monaten das Geld ausging, kehrte er zurück in die Schweiz. Nach einigen Jahren im Welschen und in Reinach AG zügelte Merz wieder nach Beinwil am See. «Ich will nirgendwo sonst wohnen», hält er fest, «ich bin sehr gerne am Wasser.» Im Wasser hat er denn auch eine weitere Leidenschaft entdeckt: das Tauchen.

Christian Merz und seine Frau Barbara (53) haben zwei erwachsene Kinder – und sind vor drei Monaten erstmals Grosseltern geworden. Wo sieht er sich in zehn Jahren? «Hoffentlich habe ich dann viele Grosskinder», sagt Merz lächelnd. Und in Bezug auf die Firma? «Vielleicht ist sie in den Händen der nächsten Generation.» Da sei aber noch nichts entschieden. Die Voraussetzungen wären jedenfalls nicht schlecht: Sohn Joel ist Lastwagenchauffeur, und auch die Neffen haben Lastwagen- und Automechaniker gelernt.