Wer in der Firmengeschichte des Anbieters moderner Büromaschinen und -einrichtungen stöbert, stellt bald einmal fest: Die geschäftliche Entwicklung von Bürokonzept Schaller ist eng mit der persönlichen Lovestory der Inhaber Rolf und Caroline Schaller verknüpft. Wohl noch mehr, als es im ersten Moment den Anschein machen mag.

Rolf und Caroline Schaller haben kürzlich ihr Firmenjubiläum gefeiert. Was als Ein-Mann-Betrieb vor einem Vierteljahrhundert seinen Anfang nahm, ist bis heute zum 25-köpfigen KMU Bürokonzept Schaller angewachsen. Mit einem jährlichen Umsatz in zweistelliger Millionenhöhe. Bis es jedoch so weit gekommen ist, hat es einige Zeit gedauert.

Zum ersten Mal hat sich der Weg des blutjungen Aargauers und der charmanten Solothurnerin vor über drei Jahrzehnten gekreuzt. In den Ferien im ehemaligen Jugoslawien. «Rolf war 17 Jahre alt und mit Kollegen da, Caroline mit ihrer Familie», erinnern sie sich. Rolf entsinnt sich noch gut: «Zuerst ist mir ein pinkfarbener Badeanzug ins Auge gestochen», plaudert er aus dem Nähkästchen über die erste Begegnung. Beide schmunzeln. Nach diesem ersten Zusammentreffen trennten sich ihre Wege wieder. Und es zog noch ein gutes Jahrzehnt ins Land, bis Caroline endgültig in Rolfs Leben trat.

Schwierige Zeiten zu Beginn

«Wir gehören zu den führenden Anbietern moderner Bürokonzeptionen», heisst es auf der Website. Dazu gehören alle Dienstleistungen rund ums Büro: Möbel, Maschinen (Hard- und Software) und das dazugehörende Material. Partner sind Hersteller wie Konica, Minolta, Canon Hewlett-Packard und andere. Der Hauptsitz des Unternehmens ist in Lenzburg. Mit weiteren Standorten in Baar und Schaffhausen.

So sehr sich das Ehepaar Schaller heute über den erarbeiteten Erfolg freut, so wenig wollen sie das erste Jahrzehnt vergessen. Dieses war geprägt von vielen Entbehrungen. Schaller hat die Zeit noch sehr präsent: «Der Anfang war kein Zuckerschlecken. Der Einsatz war hoch und der Verzicht gross.» Was so viel hiess wie lange Arbeitstage und kurze Nächte. «Es kam sogar vor, dass der Securitas den Kopf ins Büro streckte und zum Feierabend blies, wenn er weit nach Mitternacht seine Runden drehte.» Der harte Alltag ist heute zur gerne erzählten Anekdote geworden.

Schallers Selbstständigkeit war ursprünglich gar nicht geplant, sie entsprang einer Not. «Mein damaliger Arbeitgeber war in Konkurs gegangen und ich wollte keinesfalls stempeln gehen», erklärt er. Und der gelernte Feinmechaniker machte auf eigene Rechnung das weiter, was er vier Jahre zuvor mit grossem Erfolg als Angestellter angefangen hatte. «Ich verkaufte Kopierpapier und Büromaschinen.» Das war die Geburtsstunde von Bürokonzept. Das war 1992. Schaller ging seinen Weg unbeirrt, liess sich von nichts abschrecken. Auch nicht vom offiziellen Lenzburg, das ihm ‹eine Totgeburt› prophezeite. Zu viele Anbieter tummelten sich im gleichen Marktsegment, hiess es, als Schaller auf der Stadtverwaltung «die Klinken putzte».

Büromöbel Mathys gekauft

Allen Unkenrufen zum Trotz: Der grosse Einsatz machte sich bezahlt. Die kleine Firma wuchs zunehmend. Hingegen blieben die Finanzen noch einige Zeit knapp. Das hatte seinen guten Grund. Stur blieb Schaller bei seinem Credo, Anschaffungen direkt zu bezahlen und sich nicht zu verschulden. Weil die Firma dadurch wenig liquid war, wurde dann und wann in den privaten Sparstrumpf gegriffen, beispielsweise wenn Ende Jahr der 13. Monatslohn für die Angestellten fällig war. Es war Caroline, inzwischen definitiv an Rolfs Seite und in die Firma eingetreten, die diesen Machenschaften mit einer kleinen List ein Ende bereitete.

«Ich habe jeden Monat etwas Geld abgezweigt und auf ein separates Konto überwiesen, ohne Rolf etwas zu sagen», sagt sie und lacht. Mit einem kaufmännischen Abschluss in der Tasche, hatte sie in den USA einen Bachelor in International Business gemacht und einige Jahre dort gearbeitet, bevor sie wieder in die Schweiz zurückkehrte. Heute verantwortet sie strategische Entscheide in der Firma mit und ist für das «weibliche Element im Haus» zuständig. Caroline Schaller hat zwei Kinder grossgezogen. Der Sohn zeigt Interesse, nach dem Militärdienst in der Firma zu «schnuppern».

2009 machte Bürokonzept Schaller einen grossen Wachstumsschritt. Das KMU übernahm den Büromöbelhändler Otto Mathys und verlegte den Firmensitz wenig später in dessen Neubau an der Ringstrasse Nord.

Papierloses Büro – ein Mythos?

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich viel getan in der Büroautomation. «Aus den analogen Kopiergeräten sind digitale Multifunktionscenter geworden», weiss Rolf Schaller. Eine grosse Veränderung habe im «Bereich Color» stattgefunden. «Vor 10 Jahren noch unerschwinglich, wird heute mehr als die Hälfte in Farbe gedruckt. Mit Software-Lösungen können im Bereich Archivierung und Dokumentenmanagement viele Aufgaben im Betrieb digitalisiert und Zeit gespart werden.»

Laut Erhebungen pro Mitarbeiter im Schnitt 25 Minuten pro Tag. Und was hat es mit dem papierlosen Büro auf sich? «Fachspezialisten gehen davon aus, dass es mindestens noch zwei Generationen dauert bis zum papierlosen Büro», sagt Schaller und schmunzelt. Doch könne es durchaus auch vorkommen, dass sich ein Trend wieder ändert. So würden heute in modernen Büros bereits Offline-Zonen geschaffen, bei denen der Mitarbeitende weder per Handy, noch WLAN usw. erreichbar ist, nennt Schaller ein Beispiel.

Welches ist das Erfolgsrezept des Ehepaars? «Dienen», sagen die beiden. Und das heisst für Rolf Schaller, täglich den direkten Kontakt mit den Kunden zu pflegen. «Hinzu kommen die Mitarbeitenden. Sie haben viel zum Erfolg beigetragen.» Mit ihnen und mit den Kunden haben Schallers den Meilenstein in der Firmengeschichte gebührend gefeiert.