Die Aargauer Kantonsarchäologin Elisabeth Bleuer machte gestern am Ufer des Hallwilersees auf die Krux der Ende Juni erhaltenen Auszeichnungen als Unesco-Welterbestätten aufmerksam: «Es ist eine grosse Herausforderung, Unsichtbares sichtbar zu machen.»

Zu den 111 von der Unesco ausgezeichneten archäologischen Fundstellen in sechs Ländern gehören zwei Siedlungen aus der Bronzezeit im Hallwilersee: Das Gebiet Aegelmoos vor Beinwil am See und die Halbinsel Risi in Seengen. Bleuer enthüllte deshalb zwei Informationstafeln, die die Passanten am Ufer auf die verborgenen historischen Schätze aufmerksam machen sollen. Eine Smartphone-Applikation liefert Audio-Informationen zu allen Schweizer Welterbe-Funden.

Während die Funde in Beinwil am See offiziell erst seit 1995 von der Kantonsarchäologie betreut werden und ins 18. bis 16. Jahrhundert vor Christus zurückgehen, hat der damalige Bezirkslehrer Reinhold Bosch bereits im Jahre 1923 Ausgrabungen auf der Risi vorgenommen. Hier entdeckte man – meist sehr gut erhaltene – Überreste verschiedene Siedlungsphasen aus der Spätbronzezeit (11. bis 9. Jahrhundert vor Christus). Viele Fundstücke sind im Burghaldemuseum in Lenzburg zu sehen.

Schilfdach wird saniert

Bosch hat es bestens verstanden, die Bevölkerung und insbesondere die Schuljugend für die frühen Bewohner des Seetals zu begeistern. Die im Seenger Burgturm untergebrachte Steinzeitwerkstätte geht auf ihn zurück und die 1986 beim Seenger Männerbad erstellte Nachbildung eines steinzeitlichen Pfahlbauhauses ist indirekt auch ihm zu verdanken.

Im Auftrag des Kantons saniert momentan Andreas Bergamini das Schilfdach des Hauses, das ein willkommenes sichtbares Zeichen für die mehrheitlich verborgenen Pfahlbauschätze bildet. Als «Forschungsreserve» sollen sie vorläufig unangetastet bleiben.