Lenzburg
Vom «Heimatmuseum» zum Museum der Heimat

Vor 30 Jahren wurde die städtische Sammlung in der «alten Burghalde» eröffnet

Heiner Halder
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Mit der neuen Ausstellungsgestaltung sollen die Jungen vermehrt für das historische Erbe der Stadt begeistert werden. (zVg)

Mit der neuen Ausstellungsgestaltung sollen die Jungen vermehrt für das historische Erbe der Stadt begeistert werden. (zVg)

Paolo Dutto

Am Anfang stand das «Alte Landgericht». Obwohl kulturellen Bestrebungen schon immer wohlgesinnt, spielte Lenzburg keineswegs eine Pionierrolle, was die museale Aufbereitung und Präsentation von Zeugen der Vergangenheit betraf. Längst hatten ringsum Schwesterstädte und sogar Dörfer im Seetal ihre lokalen Sammlungen aufgebaut, als im Städtchen erste Massnahmen für ein Heimatmuseum getroffen wurden. Erst die Gründung der «Vereinigung für Natur und Heimat von Lenzburg und Umgebung» führte 1928 schliesslich zum Ziel.

1933 wurden Projekt und Lösung der Lokalfrage in einer Eingabe an den Stadtrat aufgegleist. Die Motivation sei «kein kleinlicher lokalpatriotischer Ehrgeiz, sondern die tiefe Überzeugung, dass heute in der Zeit der Zersplitterung geistiger Werte und der Entwurzelung heimatlicher Kräfte eine Sammelstätte angestammten Volks- und Heimatgutes stärker denn je Not tut», liess die Behörde verlauten. 1937 wurde die Stiftung Heimatmuseum Lenzburg ins Handelsregister eingetragen, die Stadt stellte den ersten Stock des historischen Riegelhauses an der Aavorstadt zur Verfügung. Bis 1966 wurde das ganze Gebäude bespielt, 1977 war der Zustand aus baulichen und räumlichen Gründen nicht mehr haltbar.

Bei Amtsanritt des Kulturpflegers Alfred Huber 1972 musste er als erstes das Heimatmuseum schliessen und vorerst in den alten Gemeindesaal und dann ins Depot Schlossgut (unterdessen abgebrochen) evakuieren. Das Alte Landgericht wurde als Wirtshaus in alter Pracht saniert. Der Konservator nutzte die Pause, um den Sammlungsbestand gezielt zu äufnen, insbesondere was Pfahlbau-Funde und römische Fundstücke aus dem Lindfeld betrifft. Als bedeutende Bereicherung wurde 1980 ein Teil der 1959 entdeckten jungsteinzeitlichen Grossgrabanlage Schlosshöhle vom Landesmuseum Zürich wieder «heimgeholt».

Ab 2008 Besitz der Ortsbürger

1982 genehmigte der Einwohnerrat für das Museumsprojekt einen Kredit von 2 724 650 Franken, was in der Volksabstimmung mit 1249 Ja gegen 411 Nein deutlich sanktioniert wurde. Die Ortsbürgergemeinde hatte die Projektierungskosten übernommen und das Gebäude alte Burghalde samt Scheune im Baurecht an die Einwohnergemeinde abgetreten. Das «Museum Burghalde» konnte 1985 eröffnet werden, gleichzeitig wurden alle im Eigentum der Stiftung Heimatmuseum stehenden Gegenstände auf die Einwohnergemeinde übertragen, welche nun als Trägerschaft auftrat. Im Jahr 2008 erfolgte im Zuge der Aufgabenteilung unter Ortsbürger- und Einwohnergemeinde die Übertragung der Betriebskosten an die Ortsbürgergemeinde. Reaktiviert wurde auch die Stiftung Museum Burghalde, deren Stiftungsrat heute für den Betrieb verantwortlich zeichnet.

Die Abstimmungskampagne für das neue Museum wurde unter dem Motto: «Eine Zukunft für unsere Vergangenheit» geführt. Den wachsenden Ansprüchen kamen teils von Firmen gesponserte, kleinere Umbauten, Neubauten und Lagerräume entgegen.

Einen grösseren Eingriff bedingte dann die Schenkung von Prof. Dr. U.P. Hämmerli, welcher nebst der wertvollen Sammlung russischer Ikonen auch grosszügig mit einer Million die notwendigen Baumassnahmen (unterirdischer Verbindungsgang zum Burghaldenhaus, Ausbau von dessen Gewölbekeller zum Ausstellungsraum) finanzierte.

Werkstatt für Urgeschichte

Die schweizweit umfassendste Ikonensammlung ist ein superbes Supplement zum lokalen und regionalen Sortiment. Dieses umfasst als Highlights primär die kantonal umfassendste Sammlung der Ur- und Frühzeit, welche durch die Aufnahme der Pfahlbauten am Hallwilersee ins Unesco-Welterbe noch an Bedeutung gewinnt. Die Abteilung Archäologie mit der Werkstatt für Urgeschichte, wo die Jugend selbst Hand anlegen darf, ist der gut besuchte Schwerpunkt geworden. Die Zusammenarbeit mit der Kantonsarchäologie ist im Aufbau begriffen.

Mit der Schenkung des Hero-Archivs zum Jubiläum der Conservenfabrik 2011 ist die Abteilung Wirtschaftsgeschichte wesentlich aufgewertet worden, was allerdings zu Personal- und Depot-Ausbau führte.

Vor fünf Jahren noch vorbildlich

Das Museum Burghalde wurde noch anno 2010 bei seinem 25-Jahr-Jubiläum vom damaligen Kulturchef Hans Ulrich Glarner als «das modernste und museologisch attraktivste Regionalmuseum, das auch mit 25 noch weitgehend zeitgemäss erscheint», belobigt. Die Heterogenität der Sammlung in der Burghalde bezeichnete Museumsleiterin Christine von Arx als Chance, sich gegen zunehmend spezialisierte grosse Museumsbetriebe zu profilieren.

Und das gilt heute noch mehr denn je. Allerdings hat das Lenzburger Museum gegenüber der Konkurrenz wie Schlössli Aarau (vor der Eröffnung mit Neubau), Museum Baden (Erneuerung geplant), neues Freiämter Strohmuseum Wohlen, sowie vor allem der nicht nur geografisch dominierenden laufend modernisierten Schlösser des Museums Aargau den Anschluss noch nicht gefunden. Wiederum unter dem Motto «Eine Zukunft für unsere Vergangenheit» hat die Ortsbürgergmeind kürzlich einen Projektierungskredit für Gebäudesanierung und Neugestaltung der Ausstellung gesprochen.

Das Museum Burghalde, professionell bewirtschaftet, will das Anliegen der Gründer von einst weiterführen. Wichtig ist, dass die Zeugen der Vergangenheit für die wachsende Bevölkerung bewahrt werden. Das «Heimatmuseum» wird als zeitgemässes regionales Museum der Heimat weiter leben.

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