Nick Kochs Geschäftsbesuch aus China ist vor einer Woche mitten ins Lenzburger Jugendfest geplatzt. Das friedliche Beisammensein der gesamten Bevölkerung habe den Mann mächtig beeindruckt. «Wird in der Schweiz überhaupt gearbeitet?», habe ihn der Herr gefragt. Koch schmunzelt noch jetzt, wenn er die Anekdote erzählt. Eben ist der Geschäftspartner aus China wieder abgereist: Zurückgelassen hat er einen Joint-Venture-Vertrag, welcher Kochs kleiner, auf hochkomplexe Computersteuerungen spezialisierten Firma in Seon den riesigen Markt im Reich der Mitte weiter erschliessen soll.

Präzise: Zwei Roboter stellen Kontakt-Stecker für Hightech-Maschinen her.

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Damit hat der 47-Jährige innert weniger Tage zwei weitere Meilensteine in seine bemerkenswerte Unternehmerkarriere gesetzt: das Joint Venture mit China und den Spatenstich zum neuen Firmensitz in der Industrie Birren in Seon (siehe Box).

Neuer Sitz in Seon

Nach 15 Jahren als Mieterin im Zentrum Seetal im Seon zieht die Robotec Solutions AG im März 2018 in die Industrie Birren in einen neuen Firmensitz. Sie wird dort Nachbarin der Mammut Sports Group AG. Im Beisein von Behörden und den am Bau beteiligten Partnern erfolgte am Mittwoch der Spatenstich zum 4,5 Millionen Franken teuren Neubau. «Ein klassischer Industriebau mit Büro und Werkstatt mit einer Nutzfläche von 2000 Quadratmetern auf zwei Stockwerken», sagt Robotec-CEO Nick Koch. Die Konstruktion des Neubaus besteht aus einem Stahlskelett mit einer ökologischen Holzverkleidung. (str)

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Lehre als Lastwagenmechaniker

Der Unternehmerbazillus ist Nick Koch wohl bereits in die Wiege gelegt worden. Ebenso handwerkliches Geschick. Als Bub hat er sich jedoch noch nicht mit Computern beschäftigt. Damals hat er an Töffli und Autos herumgetüftelt. Der elterliche Bauernhof mit Schafen und Rindern im Luzernischen bot Nick Koch das perfekte Umfeld. «Als ich 16 Jahre alt war, hat mir mein Vater einen alten Militärjeep geschenkt. Den habe ich restauriert», erzählt er. Zum Autofahren war er zwar noch zu jung. Den drei Kilometer langen Weg vom Bauernhof der Familie Koch ins Dorf hat Nick als Schulbub zuerst auf dem Velo und später auf einem Töffli zurückgelegt. Auch dieses hatte er zuvor selber zusammengeflickt. Unzählige Töffs und alte Autos sind unter seinen geschickten Händen wieder auf Vordermann gebracht worden. Heute noch könne er vom «Schrübele» nicht ganz lassen, erzählt er. Fünf Oldtimer stehen daheim. «Die meisten als Schrotthaufen aus den USA importiert und selber saniert», sagt Koch nicht ohne Stolz.

Ein Lastwagenmechaniker ist aus dem jungen Nick Koch geworden. Später hat er die Abneigung gegen die Schulbank überwunden und am Technikum in Horw Maschinenbau studiert und anschliessend den Exekutive MBA erworben. «Am Technikum wurde ich mit dem Roboter-Virus infiziert», gesteht er. Kochs Berufsleben gehörte von diesem Moment an den Robotern.

Sein Job bei der ABB brachte den jungen Nick Koch vor siebzehn Jahren in eine Robotertechnikfirma in den USA. «Dort habe ich den Wert eines Familienunternehmens kennen- und schätzen gelernt», sagt Koch. Er erinnert sich: «Zu Thanksgiving gab es für jeden Mitarbeiter einen ‹Turkey› (Truthahn) und einen persönlichen Händedruck des Patrons.» Das gefiel dem jungen Schweizer. Umgekehrt hatte er beim US-Patron grossen Eindruck hinterlassen. Nach Ablauf der Mission in den USA gab ihm dieser die Empfehlung mit auf den Heimweg. «Kauf dir drüben eine Firma und mach dich selbstständig.»

Diesem Rat ist Nick Koch gefolgt. In Schaffhausen fand er 2002 ein damals wenig erfolgreiches Zwei-Mann-Unternehmen. Dessen grösster Aktivposten war ein Partnerschaftsvertrag mit dem japanischen Fanuc-Konzern. Dieser gehört noch heute weltweit zu den führenden Herstellern von Robotern. Geld hatte der damals 32-jährige Koch zu wenig. Dafür sprangen der ehemalige US-Patron und sein Firmgötti, der frühere Motor-Columbus-Manager Franz-Anton Glaser, in die Bresche. In der Zwischenzeit haben sich die beiden Geldgeber wieder zurückgezogen.

600 Robotersysteme verkauft

Kurze Zeit nach dem Kauf später zügelte Koch die Firma an den heutigen Sitz im Seetal Zentrum in Seon. Von hier aus ist das Unternehmen kontinuierlich gewachsen. Mit zwanzig Mitarbeitenden macht der Betrieb im Bereich der robotergestützten Automationstechnik sechs Millionen Franken Umsatz pro Jahr. Das Angebot reicht von der Machbarkeitsstudie bis zur Inbetriebnahme schlüsselfertiger Anlagen inklusive Schulung und Wartungsarbeiten. 600 Robotersysteme wurden bisher verkauft. Obwohl das «Geschäften» vom Hochpreisland Schweiz aus immer schwieriger wird, baut Nick Koch eine neue Firmenzentrale. Und er setzt auf Wachstumsmärkte wie Deutschland und China. «Jetzt geben wir nochmals richtig Gas», sagt er und schmunzelt.

Beim Erzählen strotzt Nick Koch nur so von Unternehmergeist. Die Gefahr, dass ihn die Robotec zu stark vereinnahme, bestehe jedoch nicht, versichert er. Dafür sorgten seine Frau und seine beiden Kinder. «Meine Frau hat grossen Wert darauf gelegt, dass wir in ausreichender Distanz zur Firma wohnen.» Der Weg ist jedoch kurz genug, um ihn an schönen Sommertagen mit dem Velo zurückzulegen.

Eine Tellerwäscherkarriere wie aus dem Bilderbuch also? Nick Koch winkt ab. «Der Tellerwäscher ist mit goldener Krawatte gekleidet an der Börse.» Das sei nicht sein Ding. Was ist dann sein Antrieb? Koch gibt sich bescheiden. «Ich will meinen Mitarbeitenden interessante Arbeit geben.»