Hendschiken
Vom Barren an die Bar: 10’000 feiern friedlich am Kreisturnfest

Trotz 10’000 Turnern und Besuchern ist das Kreisturnfest in Hendschiken ohne Zwischenfälle verlaufen. Im az-Interview spricht OK-Präsident Christoph Gehrig über vorbildliche Turner und lange Partynächte.

Pascal Meier
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Kreisturnfest 2014 in Hendschiken
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Kreisturnfest 2014 in Hendschiken
Kreisturnfest 2014 in Hendschiken
Kreisturnfest 2014 in Hendschiken
Impressionen von Kreisturnfest 2014 in Hendschiken
Kreisturnfest 2014 in Hendschiken
Kreisturnfest 2014 in Hendschiken
Kreisturnfest 2014 in Hendschiken

Kreisturnfest 2014 in Hendschiken

Sascha Frozza

Herr Gehrig, an den vergangenen zwei Wochenenden hat das Kreisturnfest rund 10 000 Turner und Besucher angelockt – 10-mal mehr als das Dorf Einwohner zählt. Wie hat Hendschiken das verdaut?

Christoph Gehrig: Erstaunlich gut. Wir hatten insgesamt 4200 Turner auf dem Platz sowie etwa 6000 Besucher. Trotzdem lief alles rund. Mir ist bis jetzt keine einzige Reklamation aus der Bevölkerung bekannt. Unser Ziel, die Auswirkungen auf das Dorf möglichst gering zu halten, wurde damit erreicht. Dazu waren an den Wochenenden jeweils ab 5 Uhr rund 20 Personen unterwegs und haben in der Umgebung aufgeräumt. Das Kreisturnfest verlief zudem ohne grössere Zwischenfälle: Es gab weder Schlägereien noch Vandalismus. Und wir hatten nur einzelne Unfälle, die zum Glück glimpflich endeten.

Das erstaunt angesichts der Dimension des Anlasses. Sind Turner vorbildliche Festbesucher?

90 Prozent sind vorbildlich. Natürlich gibt es Vereine, die im Festzelt auch mal den Bogen überspannen. Mit diesen muss man einfach reden.

Turner haben den Ruf, an einem Turnfest genauso gern an der Bar zu stehen wie am Barren. Was von beidem ist wichtiger?

Die Party gehört zu einem Turnfest und gilt als 4. Wettkampfteil. Das ist kein Widerspruch: Turnerinnen und Turner stehen pünktlich auf dem Platz, bringen dort die volle Leistung und feiern dann gemeinsam. Das war in Hendschiken nicht anders. Bis morgens um sechs Uhr wurde gefeiert Es gibt dabei zwei Gruppen: Die einen Vereine wollen eine Topplatzierung beim Sport, die anderen beim Festen. Diese Mischung macht ein Kreisturnfest aus. Wir Hendschiker waren früher auch mehr zum Plausch an Turnfesten dabei. Heute haben wir eher sportliche Ambitionen.

Wie konnte die Hendschiker Turnerfamilie mit 75 aktiven Mitgliedern ein solch grosses Fest überhaupt stemmen?

Mit enormem Zusammenhalt. Wir alle waren in den vergangenen Wochen im Dauereinsatz und haben viele Ferientage geopfert. Zudem konnten wir auf rund 300 Helfer zählen, die an beiden Wochenenden im Einsatz waren. Als ich am Sonntagabend nach der Schlussfeier nach Hause kam und erstmals seit Tagen ein paar ruhige Minuten hatte, war ich überwältigt von diesem immensen Einsatz. Die Motivation aller Helfer war unbeschreiblich und verdient ein grosses Dankeschön.

Unter anderem wegen des grossen Aufwands wollen immer weniger Vereine im Aargau ein Turnfest organisieren. Haben Sie den Aufwand unterschätzt?

Nein, auch wenn das Hendschiker Turnfest viel grösser wurde als ursprünglich geplant. Eigentlich war es eine Bieridee: Vor vier Jahren diskutierten wir am Turnfest in Staffelbach, selber ein Turnfest durchzuführen. Die Rede war dazumal von einem familiären Anlass. Dann wurde das Turnfest immer grösser. Schlussendlich kamen sämtliche Vereine der Kreise Lenzburg und Freiamt nach Hendschiken sowie rund 35 Gastvereine aus der ganzen Schweiz. Das ist eine enorme Teilnehmerzahl. Der Aufwand hat sich aber gelohnt. Der Erfolg und die positiven Rückmeldungen sind der schönste Lohn überhaupt.