Voliere auf Schloss Wildegg
Voliere: «Der Kanton hat kein Fingerspitzengefühl bewiesen»

Silke Amrein, Präsidentin des Natur- und Vogelschutzvereins Holderbank (NVV), wehrte sich von Beginn an gegen die Schliessung der Voliere auf Schloss Wildegg.

Merken
Drucken
Teilen
Die Naturfreundin Silke Amrein

Die Naturfreundin Silke Amrein

AZ

Anfang März hat der Kanton als neuer Besitzer von Schloss Wildegg beschlossen, die Voliere auf dem Schloss-Areal zu schliessen. Dieser Entscheid löste grosse Empörung aus. Weite Teile der lokalen Bevölkerung setzten sich für den Erhalt der Voliere ein. Am Dienstag entschieden die Behörden, dass die Voliere bis Ende Jahr bleibt und dann von einer privaten Trägerschaft weitergeführt werden soll.

Weshalb sind Sie gegen die Schliessung der Schloss-Voliere?

Silke Amrein: Ich bin keine grosse Freundin von Voliere-Haltung. Doch die Anliegen der Bevölkerung sollten respektiert werden. Bei diesem Entscheid hat der Kanton kein Fingerspitzengefühl bewiesen. Im Übrigen ging es mir um Herrn Heuberger (den Pfleger der Vögel) und darum, dass die Vögel nicht einfach getötet werden.

Was halten Sie von der Antwort des Kantons?

Die Antwort ist ein schlauer Schachzug. Ich glaube nämlich nicht, dass der Kanton wirklich auf eine private Trägerschaft hofft. Doch es ist ein Fakt, dass weite Teile der Bevölkerung diese Voliere wollen.

Wie soll es jetzt weitergehen?

Ich denke, es ist unmöglich, dass die Voliere von Privaten betrieben wird. Es brauchte eine neue Voliere und weitere Massnahmen. All dies würde viel Geld kosten. Vielleicht engagieren sich einige Personen, doch langfristig wird die Rechnung nicht aufgehen.

Können Sie sich selber auch ein Engagement vorstellen?

Nein, ganz sicher nicht. Das sehe ich nicht als meine Aufgabe. Auch der NVV wäre nicht der richtige Akteur. Unsere Aufgabe besteht darin, die Natur mit den freilebenden Tieren zu schützen.

Wer sollte dann die Voliere betreiben?

Schwierig zu sagen. Eventuell käme der schweizerische Kanarien- und Ziervogelzüchter-Verband infrage.

Was wäre die optimale Lösung für die Zukunft der Voliere?

Am besten wäre es, wenn der Kanton und Private zusammenarbeiten würden. Doch das ist angesichts der bisherigen Aussagen der Behörden unwahrscheinlich.

Hat die Voliere überhaupt langfristig eine Zukunft?

Nur wenn die Finanzierung gesichert ist. Viele haben eine emotionale Bindung zur Voliere, doch ob man sich dann auch an den Kosten beteiligen wird, ist schwierig abzuschätzen. (mwb)