Hallwilersee
Villen stören Landschaftsschützer: «Bauerei massiv reduzieren»

Der Co-Präsident des Landschaftsschutzverbandes ärgert sich über die Bautätigkeit am Hallwilersee. Er ist sich sicher: Die Häuser werden nicht wirklich zum Wohnen gebraucht. Sie dienen dazu, Geld anzulegen.

Urs Helbling
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Einen Teil der neuen Häuser über der Schutzzone nimmt der Co-Präsident des Landschaftsschutzverbandes als störend wahr. (Archiv)

Einen Teil der neuen Häuser über der Schutzzone nimmt der Co-Präsident des Landschaftsschutzverbandes als störend wahr. (Archiv)

Chris Iseli

Benno Stocker ist 60 Jahre alt, arbeitet als Religionspädagoge auf dem Rohrdorferberg und wohnt in Beinwil am See. Das Seetal ist ihm ein grosses Anliegen. Seit 2007 ist er Mitglied des Vorstandes des Landschaftsschutzverbandes Hallwilersee (LSVH), seit 2012 dessen Co-Präsident. Der LSVH ist so etwas wie der Hüter des schönen Seetals. Historisch gesehen kamen aus seinen Kreisen die entscheidenden Impulse für die Schaffung des Hallwilersee-Schutzdekrets im Jahr 1986. Jenem Regelwerk, dass die totale Überbauung des Seetales verhinderte und den fast durchweg ungehinderten Zugang zum Wasser garantierte. Jenem Erlass, der verunmöglichte, dass der Hallwilersee zu Tode geliebt wird.

Die Landschaftsschützer sind gegenwärtig wieder in grosser Sorge. Benno Stocker hat nach eingehender Diskussion im Verbandsvorstand im «Seetaler» einen Leserbrief publiziert. Es geht um die aktuelle Bauerei. Stossrichtung: «Uns stört, dass in Häusern Geld angelegt wird, ohne dass die Wohnungen wirklich gebraucht werden.» Und: «Vom See her sieht man wegen der Villen und der Treppenhäuser praktisch nur noch Beton.» Das immer über dem Uferbereich, der dank der diversen Paragrafen weitgehend unverbaut geblieben ist.

«Es braucht eine Bevölkerung, die sich gegen die massive Verschandelung der Landschaft wehrt», sagt Benno Stocker.

«Es braucht eine Bevölkerung, die sich gegen die massive Verschandelung der Landschaft wehrt», sagt Benno Stocker.

«Eine Schande»

Co-Präsident Benno Stocker schreibt: «Seit einigen Jahren droht dem Hallwilersee neues Ungemach. Eine Bautätigkeit, die sich jedes Jahr beschleunigt, hat Einzug gehalten. Nicht direkt am Ufer, aber vom See aus unheimlich sichtbar. Terrassenhäuser, riesige Villen und immer höhere Bauten decken das Gelände von oben her zu. Wenn es so weitergeht, haben wir am Schluss einen grünen Keuschheitsgürtel direkt am See und darüber wuchern mächtige Bauten. Wollen wir das?»

Grund für die ganze Bauerei sei nicht ein Bedürfnis des Wohnens, sondern ein Bedürfnis des Geldanlegens. «Es ist schon eine Schande, dass mit all dem Kapital, das bei den Banken keinen Zins mehr abwirft, einfach Baukörper in eine solch schöne Landschaft gesetzt werden.» Teilweise auf Vorrat, wie die Leerstandszahlen zeigten.

Für eine «gewisse Bescheidenheit»

Für Stocker ist klar: «Alle Architekten sollten im Mindesten dazu verpflichtet werden, das Landschaftsbild in ihre Bauplanung einzubeziehen. Eine gewisse Bescheidenheit wäre zum Beispiel möglich. Etwas weniger Selbstverwirklichung, dafür mehr Ästhetik für alle. Ein integrales Vorgehen, das alle Interessen der Bevölkerung und der Bauwilligen einbezieht, würde der Landschaft sehr dienen.»

Welche Überbauungen stören Benno Stocker? Er nennt etwa gewisse Treppenhäuser in Birrwil und die grossen Häuser beispielsweise in Tennwil oder beim «Delphin» in Meisterschwanden.

Benno Stocker schreibt in seinem Leserbrief weiter: «Optimal wäre natürlich, wenn nur noch so viel gebaut würde, wie tatsächlich gebraucht wird. Das würde die Bauerei massiv reduzieren. Die Dörfer um den See haben es selber in der Hand. Es braucht eine Bevölkerung, die sich gegen die massive Verschandelung der Landschaft wehrt.»

Wie will Benno Stocker intervenieren? Kurzfristig vor allem bei Verfahren im Zusammenhang mit Bau- und Nutzungsordnungen. So wehrt sich der Landschaftsschutzverband etwa gegen den Gestaltungsplan «Tschuepli» in Beinwil am See (die AZ berichtete). Grundsätzlich gehe es darum, die Bauzonen bei BNO-Revisionen so zu reduzieren, wie dies das eidgenössische Gesetz verlange.

Schutzverband-Co-Präsident Stocker schreibt, was der Hallwilersee ist: «Ein See, in dem jeder und jede noch baden kann, ohne Eintritt zu bezahlen. Er ist umgeben von einer abwechslungsreichen Landschaft und für Fussgänger ungestört zugänglich.» Also ein kleines Paradies, das Stocker erhalten will.