Gärtnerei Vogel
Vierte Generation unter Margendruck: «Früher verdienten wir am Nüsslisalat mehr»

Bei der Gärtnerei Vogel übernimmt die vierte Generation das Ruder und schaut trotz zunehmendem Margendruck zuversichtlich in die Zukunft.

Ruth Steiner
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Der junge Chris Vogel in den späten 70-er Jahren an der Arbeit.

Der junge Chris Vogel in den späten 70-er Jahren an der Arbeit.

ZVG
Gärtnerei Vogel Schafisheim

Gärtnerei Vogel Schafisheim

Sandra Ardizzone

Wie viel redet er seinem Sohn in der täglichen Arbeit drein? Und wie steht es im Gärtnereibetrieb der Familie Vogel mit dem so viel zitierten Generationenkonflikt in den KMU? Chris Vogel lacht schallend ob diesen Fragen und blickt zu Junior Martin, der mit am Tisch sitzt. «Mit dir kann man gar nicht streiten», sagt er schliesslich. «Und mit mir auch nicht. Also haben wir es sein lassen.»

Stattdessen haben Vater und Sohn einander gewähren lassen. Chris hat Martins Ideen wenig entgegengesetzt. Genauso habe es auch sein Vater gehandhabt und ihm, dem Jungspund der 3. Generation, vor vierzig Jahren viel Freiraum gelassen, sich höchstens etwa die Bemerkung erlaubt: «Meinsch das isch guet, was do wieder ateigisch?»

Vielleicht hat Vater Chris genau dasselbe gedacht, als Martin jüngst den Bau eines neuen Gewächshauses in Angriff nahm. Dieser ist jedoch überzeugt, das Richtige zu tun. Die Nachfrage nach Überwinterungsmöglichkeiten für Pflanzen wächst, sagt er und will deshalb diesen Dienstleistungszweig weiter ausbauen. Bereits jetzt überwintern über 1000 Pflanzen aus dem ganzen Kanton in der Schofiser Gärtnerei.

Über ein Jahrzehnt schon arbeiten Chris und Martin Seite an Seite in der kleinen Familien-Gärtnerei im Bettenthal zwischen Schafisheim und Seon. Martin hat es nie gross in die Fremde gezogen. Zwar habe er nach der Lehre «auswärts da und dort ausgeholfen, aber immer habe ich gemerkt, dass ich mich hier im elterlichen Betrieb am besten entfalten kann.»

Mit Handwagen auf den Markt

Beim Gespräch sitzt Vater Chris Vogel oben am Tisch. Dort, wo normalerweise der Patron sitzt. Den Chefposten im Betrieb jedoch hat er nun an den 32-jährigen Sohn Martin abgetreten, der den Familienbetrieb nun in vierter Generation weiterführt. 70 Jahre alt wird Gärtnermeister Chris Vogel heuer. Jetzt will er endlich kürzertreten. Sich vermehrt seinen Oldtimern widmen. Und natürlich seinen drei Grosskindern.

Als Chris das kleine Familienunternehmen mit seiner Frau Rita vor 35 Jahren übernahm, lebte es vor allem vom Gemüseanbau. Den Grundstein dazu gelegt hatte Chris Grossvater Ernst Vogel. In den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts begann der Kleinbauer Gemüse zu pflanzen. Mit Hund und Wagen marschierte er nach Aarau und Lenzburg an die Wochenmärkte und verkaufte seine Produkte.

Viel hat sich geändert in den vergangenen Jahren. Die Gemüsefelder haben modernen Treibhäusern Platz gemacht, in denen hauptsächlich Frühlings- und Sommerpflanzen und Setzlinge gezogen werden. Urgrossvaters Markttradition wurde bis heute aufrechterhalten. Die Produktepalette umfasst ein saisonales Angebot an Salaten, Gemüse, Obst und Früchten, so wie es heute vom Kunden erwartet wird. Was nicht selber angebaut wird, wird zugekauft. Chris lacht. «Das wir einst auch noch Orangen verkaufen, hätte ich vor dreissig Jahren nicht im Traum gedacht.»

Herbe Enttäuschung

In den vergangenen Jahrzehnten haben Vogels mit ihrem Betrieb viele Hochs erlebt, manchmal aber auch «unten durch gehen müssen», erinnert sich Chris Vogel. Dass er für das 70-Jahre-Jubiläum des Betriebs 1996 den damals populären Komiker Kliby mit seiner Caroline verpflichten konnte, gehört zu den schönen Erinnerungen. Weniger gern spricht er über die Millionen-Investition in ein neues modernes Gewächshaus, die er auch zu dieser Zeit getätigt hat. Grossverteiler Coop mit einem Logistikcenter nur unweit der Gärtnerei lockte mit einem lukrativen Abnahmeangebot für Gemüse und Setzlinge. Das hat Chris Vogel zum Ausbau in dieser Grössenordnung ermuntert. Dann kam alles anders. Coop wollte nichts mehr vom Kleinbetrieb in der Nähe wissen. Im ersten Moment sei der Schock gross gewesen, man habe anschliessend «einige Zeit an den Schulden gebissen», blickt Chris Vogel zurück. Und folgert: «Wenn ich diese Entwicklung geahnt hätte, hätte wir wohl nicht so gross angerichtet.»

Ganz sicher keine Alternative für den Klein-Unternehmer war, den Kopf in den Sand zu stecken und aufzugeben. Vogel schaute vorwärts, setzte in den Folgejahren vermehrt auf den Direktverkauf.

Schwierige Marktbedingungen

Auch der zunehmende Margendruck in der Branche («Vor dreissig Jahren verdienten wir am Nüsslisalat noch mehr als heute.») bei gleichzeitig steigenden Qualitätsanforderungen konnte Chris Vogel nicht bremsen. Ebenso wenig wie Sohn Martin. Mit seiner Frau Sarah und den bis zu 12 Mitarbeitenden blickt der 32-Jährige zuversichtlich in die Zukunft. «Die Leute wollen es schön haben bei sich zu Hause und richten sich auf dem Balkon ein Gärtchen ein, eine kleine Oase in der schnelllebigen Zeit.» Nicht alle kaufen im Grosshandel ein, zunehmend würden die Leute dafür den Fachhandel berücksichtigen.

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