Berufung
Vierfachmord Rupperswil: Thomas N. wird von Verhandlung dispensiert – die «wichtigen Gründe» sind unklar

Thomas N. ist von der Gerichtsverhandlung vom 13. Dezember vor dem Aargauer Obergericht dispensiert worden. Er hatte ein entsprechendes Gesuch dafür gestellt.

Philipp Zimmermann
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Thomas N. an der Verhandlung vor dem Bezirksgericht Lenzburg.

Thomas N. an der Verhandlung vor dem Bezirksgericht Lenzburg.

Sibylle Heusser/Keystone

Thomas N., der beschuldigte Vierfachmörder von Rupperswil, wird bei der Berufungsverhandlung vor dem Aargauer Obergericht nicht auftauchen. "Der Beschuldigte wurde auf sein Gesuch hin von der Teilnahme an der Gerichtsverhandlung vom 13. Dezember 2018 dispensiert", teilt Gerichtssprecherin Nicole Payllier mit.

Wie Thomas N. sein Gesuch begründet hat und warum das Gericht ihn daraufhin dispensiert hat, dazu könne sie nichts anfügen, sagt sie auf Nachfrage.

Gemäss Strafprozessordnung sind für eine Dispensation zwei Voraussetzungen nötig: Eine beschuldigte Person muss "wichtige Gründe" geltend machen. Und ihre Anwesenheit an der Verhandlung muss nicht erforderlich sein.

Lebenslängliche Verwahrung gefordert

Die Berufungsverhandlung beschränke sich damit auf die Befragung der Sachverständigen und die Parteivorträge der amtlichen Verteidigung sowie der Staatsanwaltschaft.

Die Staatsanwaltschaft fordert erneut eine lebenslängliche Verwahrung für Thomas N., zudem sei die vom Bezirksgericht Lenzburg angeordnete vollzugsbegleitende ambulante Massnahme aufzuheben. Weiter fordert die Staatsanwaltschaft ein lebenslanges Verbot für berufliche und ausserberufliche Tätigkeiten mit Minderjährigen.

Thomas N. fordert Aufhebung der Verwahrung

Das Bezirksgericht Lenzburg hatte den 34-jährigen Thomas N. im Prozess zum Vierfachmord Rupperswil am 16. März 2018 zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. Zudem verhängte das Gericht eine ordentliche Verwahrung. Thomas N. wehrte sich gegen die ordentliche Verwahrung. Er fordert in seiner Berufung, dass sie ersatzlos aufzuheben sei.

Die übrigen Punkte (insbesondere die Schuldsprüche, die verhängte lebenslängliche Freiheitsstrafe, die Zivilforderungen und die erstinstanzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen) haben weder Thomas N. noch die Staatsanwaltschaft angefochten. Sie sind damit rechtskräftig.

Vier Menschen ermordet

Thomas N. hatte am Montag, 21. Dezember 2015, eines der grauenvollsten Verbrechen der Schweizer Kriminalgeschichte verübt. Der 34-Jährige ermordete in einem Einfamilienhaus in Rupperswil Carla Schauer (†48), ihre beiden Söhne Davin (†13) und Dion (†19) sowie dessen Freundin Simona F. (†21).

Zuvor hatte sich der pädophil veranlagte Täter schwer am jüngeren Sohn vergangen. Nach den Tötungen zündete er die vier Leichname an und flüchtete mit einer Beute von rund 10'000 Franken Bargeld. Er hatte die Mutter erpresst, das Geld bei Banken in der Nähe abzuheben. Am 12. Mai 2016 wurde er von den Aargauer Ermittlern in Aarau festgenommen. Er hatte bereits weitere Familien ausgekundschaftet, um weitere ähnliche Verbrechen zu begehen.

Vierfachmord Rupperswil – von der Tat bis heute:

Vierfachmord Rupperswil – von der Tat bis heute 21. Dezember 2015: an diesem Tag kommt es zum Vierfachmord: Kurz vor Mittag geht bei der Feuerwehr Rupperswil-Auenstein ein Notruf über einen Brand in einem Einfamilienhaus in Rupperswil ein.
29 Bilder
Beim Einsatz finden Feuerwehrleute vier verkohlte Leichen im Haus.
Schnell ist klar: Es handelt sich um ein Verbrechen. Die Opfer waren gefesselt und wiesen Stich- und Schnittverletzungen auf.
Eine Forensikerin auf dem Weg zum Tatort im Rupperswiler Spitzbirrli-Quartier.
Die Ermittler sichern Spuren im und um das Haus.
Kapo-Medienchef Roland Pfister informiert die Medien über die vier gefundenen Leichen im Wohnhaus.
23. Dezember 2015: Zwei Tage nach der Bluttat sind die Opfer identifiziert: Es handelt sich um Carla Schauer (†48), ihre beiden Söhne Davin (†13) und Dion (†19) sowie dessen Freundin Simona (†21).
Mit Flugblättern sucht die Polizei bald in Rupperswil nach Personen, die Auskunft zur Bluttat mit den vier Personen machen können.
Auf dem Flugblatt ist auch das Bild von Carla Schauer (†48) zu sehen, wie sie am Tag wenige Stunden vor ihrem Tod an einem Geldautomaten in Rupperswil 1000 Euro abhebt.
Später taucht auch dieses Bild einer Überwachungskamera auf: Carla Schauer hebt knapp 20 Minuten nach dem Bancomat-Bezug weiteres Geld an einem Bankschalter in Wildegg ab. Es sind zirka 9000 Franken.
Trauerbekundungen beim Haus im Rupperswiler Spitzbirrli-Quartier, wo die vier getöteten Personen gefunden wurden.
Die Ermittlungsarbeiten zum Tötungsdelikt in Rupperswil reissen auch über die Feiertage nicht ab.
Für die Ermittler bedeutet der Fall Knochenarbeit: Ein Polizist leuchtet in einen Schacht.
8. Januar 2016: In Rupperswil findet ein Gedenk-Gottesdienst für die Opfer statt.
Rund 500 Personen wohnten dem Trauer-Gottesdienst bei. Wegen des grossen Andrangs mussten rund 200 Gäste den Gottesdienst vom Saal des Kirchgemeindehauses aus verfolgen.
Der Schock über die schreckliche Tat sitzt tief: Trauernde geben sich Halt
21. Januar 2016: Die Aargauer Staatsanwaltschaft gelangt an die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY – ungelöst". Im April wird der Mordfall von Rupperswil in München aufgezeichnet.
18. Februar 2016: Polizei und Staatsanwaltschaft informieren erstmals ausführlich über die Geschehnisse in Rupperswil an einer Pressekonferenz.
An dieser Pressekonferenz setzen die Behörden eine Belohnung von bis zu 100'000 Franken für Hinweise auf die Täterschaft aus.
Aus der Bevölkerung gehen hunderte Hinweise ein – keiner führt die Polizei auf die richtige Spur. Um den Vierfachmord von Rupperswil aufzuklären, haben die Aargauer Untersuchungsbehörden einen Aufwand betrieben wie noch nie zuvor.
13. Mai 2016: Fast fünf Monate nach dem Tötungsdelikt laden Polizei und Staatsanwaltschaft kurzfristig zu einer zweiten grossen Pressekonferenz ein.
Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht enthüllt: Der Täter ist gefasst! Es handelt sich um einen 33-Jährigen aus Rupperswil, der nicht vorbestraft ist.
Der mutmassliche Mörder von Rupperswil: Thomas N. war jahrelang Fussball-Trainer und betreute C-Junioren.
Seine Fussballkollegen beschreiben ihn als Einzelgänger und guten Trainer.
In diesem Haus in Rupperswil – nur wenige Meter vom Haus der Familie Schauer entfernt – wohnte Thomas N.
Vierfachmord Rupperswil (All in one)
Die Haustür des Gebäudes wurde von der Polizei – nach einer Hausdurchsuchung – amtlich versiegelt.
Wenige Tage nach der Ergreifung des Täters wird bekannt: Die Rechtsanwältin Renate Senn wird den Mörder von Rupperswil vor Gericht vertreten.
Ein Jahr nach der Tat wird es in Rupperswil keine Gedenkfeier geben. Ammann: Ruedi Hediger: «Die Wunden «sind am Verheilen.»

Vierfachmord Rupperswil – von der Tat bis heute 21. Dezember 2015: an diesem Tag kommt es zum Vierfachmord: Kurz vor Mittag geht bei der Feuerwehr Rupperswil-Auenstein ein Notruf über einen Brand in einem Einfamilienhaus in Rupperswil ein.

Keystone/PATRICK B. KRAEMER

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