Chronologie
Vierfachmord Rupperswil: das Protokoll des Grauens von der Tat bis zum Prozess

Zwei Jahre und drei Monate nach dem Vierfachmord von Rupperswil muss sich Thomas N. vor Gericht verantworten. Verschaffen Sie sich mit unserer Chronologie einen Überblick über die bisherigen Geschehnisse seit der grauenvollen Tat.

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Am 21. Dezember 2015 wird Rupperswil zum Schauplatz eines der grausamsten Mordfälle in der Schweizer Kriminalitätsgeschichte.
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Als die Feuerwehr zu einem Brand in einem Haus an der Lenzhardstrasse ausrückt, können die Einsatzkräfte nicht ahnen, was auf sie zukommt.
In einem Haus entdecken die Feuerwehrleute vier verkohlte Leichen.
Um dieses Haus handelte es sich: Hier wohnen die 48-jährige Carla Schauer, ihre zwei Söhne und der Lebenspartner der Frau. Dieser hatte das Haus am frühen Morgen verlassen.
Alarmiert wurde die Feuerwehr um 11.20 Uhr, zehn Minuten später sind sie vor Ort. Nachbarn und die Eltern von Carla Schauer, die Weihnachtsgeschenke vorbeibringen wollten, hatten die Notrufnummer gewählt.
Wenig später nehmen Ermittler und Spurensicherung ihre Arbeit auf.
Zwei Tage nach der Tat teilt die Staatsanwaltschaft mit: Bei den Opfern handelt es sich um Carla Schauer (†48), ihre beiden Söhne Davin (†13) und Dion (†19) ...
... sowie um die Freundin des älteres Sohnes, Simona F. (†21), welche bei ihrem Freund übernachtet hatte.
Rupperswil steht unter Schock. Vom Täter fehlt jede Spur.
Die Menschen im Dorf nehmen Anteil am Schicksal der Opfer.
Viele Kerzen beim Haus der Opfer für diese angezündet.
8. Januar 2016: In Rupperswil findet ein Gedenk-Gottesdienst für die Opfer statt.
Rund 500 Personen wohnen dem Trauer-Gottesdienst bei. Wegen des grossen Andrangs müssen rund 200 Gäste den Gottesdienst vom Saal des Kirchgemeindehauses aus verfolgen.
18. Februar 2016: Staatsanwaltschaft und Polizei informieren erstmals ausführlich über die Geschehnisse in Rupperswil an einer Pressekonferenz. Im Bild Staatsanwältin Barbara Loppacher und Kripo-Chef Markus Gisin.
An dieser Pressekonferenz setzen die Behörden eine Belohnung von bis zu 100'000 Franken für Hinweise auf die Täterschaft aus.
Mit Flugblättern (in 7 Sprachen) sucht die Polizei nach Zeugen und Hinweisen.
Auf dem Flugblatt ist auch dieses Bild von Carla Schauer (†48) zu sehen, aufgenommen von einer Überwachungskamera: Sie hebt am Tattag um 9.51 Uhr Geld an einem Bankschalter in Wildegg ab. Es sind zirka 9000 Franken.
Später veröffentlicht die Polizei auch dieses Bild: Carla Schauer hebt um 10.10 Uhr an einem Geldautomaten in Rupperswil 1000 Euro ab.
April 2016: Die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY – ungelöst" macht Filmaufnahmen zum Mordfall von Rupperswil. Der Beitrag soll bald ausgestrahlt werden – doch dazu kommt es nicht mehr.
13. Mai 2016: Fast fünf Monate nach dem Tötungsdelikt laden Polizei und Staatsanwaltschaft kurzfristig zu einer zweiten grossen Pressekonferenz ein.
Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht enthüllt: "Die Zeit der Unsicherheit ist vorbei. Der Täter ist gefasst." Es handelt sich um einen 33-jährigen Schweizer aus Rupperswil, der nicht vorbestraft ist.
Das ist er: Thomas N., neben dem Haus der Familie Schauer in Rupperswil. (Fotomontage)
Der Starbucks in Aarau: Hier nahm die Polizei Thomas N. fest.
Thomas N. war jahrelang Fussball-Trainer, betreute C-Junioren und war Junioren-Koordinator. Junioren, ihre Familien und Vereinsmitglieder sind geschockt.
Bei Thomas N. zu Hause findet die Polizei diesen Rucksack samt Utensilien. Sie liessen befürchten, dass er eine nächste Tat bereits geplant hatte.
In diesem Haus in Rupperswil – nur wenige Meter vom Haus der Familie Schauer entfernt – wohnte Thomas N. zusammen mit seiner Mutter.
Wenige Tage nach der Ergreifung des Täters wird bekannt: Die Rechtsanwältin Renate Senn wird Thomas N. als Pflichtverteidigerin vor Gericht vertreten.
7. September 2017: Staatsanwältin Barbara Loppacher von der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau erhebt Anklage.
Thomas N. sitzt vor dem Prozess im Gefängnis Pöschwies in Regensdorf ZH.
Der Prozess vor dem Bezirksgericht Lenzburg findet aus Platzgründen im Polizeigebäude in Schafisheim statt.
Vierfachmord Rupperswil – von der Tat bis heute (Stand 8.3.2018)

Am 21. Dezember 2015 wird Rupperswil zum Schauplatz eines der grausamsten Mordfälle in der Schweizer Kriminalitätsgeschichte.

SEVERIN BIGLER

21. Dezember 2015: Die Feuerwehr wird um 11.20 Uhr wegen eines Hausbrands im Spitzbirrli-Quartier in Rupperswil alarmiert. Zehn Minuten später sind die Einsatzkräfte vor Ort. Im Haus machen sie eine schauerliche Entdeckung: Sie finden vier verkohlte Leichname.

Im Haus wohnen Carla Schauer und ihre Söhne Davin und Dion sowie Georg Metger, der Lebenspartner von Carla Schauer. Er fuhr am frühen Morgen zur Arbeit, ehe der Täter zuschlug.

Alarmiert wurde die Feuerwehr von Nachbarn und den Eltern von Carla Schauer, die gerade Weihnachtsgeschenke vorbeibringen wollten.

23. Dezember 2015: Nun macht die Staatsanwaltschaft publik: Bei den Opfern handelt es sich um Carla Schauer (†48), ihre beiden Söhne Davin (†13) und Dion (†19) sowie um die Freundin des älteres Sohnes, Simona F. (†21).

8. Januar 2016: In Rupperswil findet ein Gedenk-Gottesdienst für die Opfer statt. 500 Personen nehmen daran teil.

18. Februar 2016: Staatsanwaltschaft und Polizei informieren erstmals ausführlich über die Geschehnisse in Rupperswil an einer Pressekonferenz.

13. Mai 2016: Die überraschende Wende nach fast 5 Monaten Ermittlungszeit. In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz informiert Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht:

"Die Zeit der Unsicherheit ist vorbei. Der Täter ist gefasst."

Es handelt sich um Thomas N., einen 33-jährigen Schweizer, der nur zirka 500 Meter vom Tatort entfernt in einem Einfamilienhaus mit seiner Mutter gelebt hat. Er wurde am Tag zuvor in der «Starbucks»-Filiale in Aarau festgenommen. Damit endet die Zeit des Grauens.

Die Details zum Tathergang, welche der Öffentlichkeit präsentiert werden, sind schwer verdaulich:

«Indem er den jüngeren Sohn bedrohte, zwang er Frau Schauer, den älteren Sohn und dessen Freundin zu fesseln und zu knebeln»

«Die Tötung aller Anwesenden war von Anfang an geplant – ebenso, das Haus in Brand zu stecken»

Tat war geplant

Der nicht vorbestrafte Thomas N. hatte sich am frühen Morgen des 21. Dezember 2015 Zutritt zum Haus der Familie verschafft und die vier anwesenden Personen in seine Gewalt gebracht.

Er bedrohte den 13-jährigen Sohn und zwang Carla Schauer, ihren 19-jährigen Sohn und dessen 21-jährige Freundin zu fesseln und zu knebeln. Auch der jüngere Sohn wurde danach gefesselt.

13-Jährigen missbraucht

Dann verlangte Thomas N. von der Frau, dass sie Geld beschafft. An Bankomaten in Rupperswil und Wildegg hob sie rund 1000 Euro und rund 10'000 Franken ab. Nach der Rückkehr ins Haus wurde auch die Frau gefesselt.

Danach verging sich der Mann gemäss Staatsanwaltschaft am jüngeren Sohn. Zuletzt tötete der Täter seine Geiseln, indem er ihnen die Kehle durchschnitt. Er zündete die Opfer mit Brandbeschleuniger an und verschwand unerkannt aus dem Haus. Die Tötungen und die Brandlegung waren von Anfang an geplant.

Die Tatwaffe, ein Küchenmesser, konnte nie gefunden werden. Der Beschuldigte gab an, er habe das Messer unmittelbar nach der Tat in Geschenkpapier eingewickelt und in der Stadt Aarau in einem öffentlichen Abfalleimer entsorgt.

Bei der ersten Einvernahme gestand er den Vierfachmord. Der Mann wurde nach seiner Verhaftung im Gefängnis zunächst während Monaten rund um die Uhr überwacht, um einen Suizid zu verhindern.

Die Tat bewegte auch Ermittler und Staatsanwaltschaft:

«Ich bin schon ein paar Jahre Polizist, aber dieses Ausmass ist für uns alle aussergewöhnlich»

«Jede Mutter kann nachvollziehen, warum Carla Schauer wieder zurückgegangen ist»

Genau in diesem Raum, in dem die beiden Medienkonferenzen stattfanden, wird Thomas N., 22 Monate später, ab Dienstag, 13. März, der Prozess gemacht. Grund dafür sind Platzprobleme und vor allem die Sicherheitsfragen.

Die 35 zugelassenen privaten Prozesszuschauer und die 65 akkreditierten Medienvertreter, die sich alle im Voraus anmelden mussten, haben sich bei jedem Eintritt ins Gebäude einem Sicherheitscheck durch die Polizei zu unterziehen. Das Areal des Polizeigebäudes bleibt - ausser der Weg zum Haupteingang - gesperrt.

Der erste Verhandlungstag beginnt gemäss Bezirksgericht mit der Befragung von zwei Gutachtern. Die Staatsanwaltschaft gab zwei psychiatrische Begutachtungen des Mannes in Auftrag.

Der Angeklagte muss wegen mehrfachen Mordes mit einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe und einer Verwahrung rechnen. Was die Staatsanwaltschaft fordert, hat sie noch nicht kommuniziert.

Der Schweizer ist auch wegen mehrfacher räuberischer Erpressung, mehrfacher Geiselnahme, mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind, mehrfacher sexueller Nötigung, Brandstiftung sowie mehrfacher strafbarer Vorbereitungshandlungen angeklagt.

Mehrfache Pornografie

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den Angeklagten zudem der mehrfachen Pornografie. Die Untersuchungsbehörden fanden auf den beschlagnahmten elektronischen Geräten des Mannes umfangreiches kinderpornografisches Material.

Dieses hatte er aus dem Internet heruntergeladen. Es gibt laut Staatsanwaltschaft keine Hinweise darauf, dass sich der Beschuldigte vor der Tat in Rupperswil jemals in sexueller Absicht einem Kind genähert hat.

(pz/sda)