21. Dezember 2015: Die Feuerwehr wird um 11.20 Uhr wegen eines Hausbrands im Spitzbirrli-Quartier in Rupperswil alarmiert. Zehn Minuten später sind die Einsatzkräfte vor Ort. Im Haus machen sie eine schauerliche Entdeckung: Sie finden vier verkohlte Leichname. 

Im Haus wohnen Carla Schauer und ihre Söhne Davin und Dion sowie Georg Metger, der Lebenspartner von Carla Schauer. Er fuhr am frühen Morgen zur Arbeit, ehe der Täter zuschlug.

Alarmiert wurde die Feuerwehr von Nachbarn und den Eltern von Carla Schauer, die gerade Weihnachtsgeschenke vorbeibringen wollten.

23. Dezember 2015: Nun macht die Staatsanwaltschaft publik: Bei den Opfern handelt es sich um Carla Schauer (†48), ihre beiden Söhne Davin (†13) und Dion (†19) sowie um die Freundin des älteres Sohnes, Simona F. (†21).

8. Januar 2016: In Rupperswil findet ein Gedenk-Gottesdienst für die Opfer statt. 500 Personen nehmen daran teil. 

Gedenkfeier für die Opfer von Rupperswil

Über 500 Personen aus dem näheren Umfeld der Opfer, Mitschüler der Söhne und Bewohner von Rupperswil sind anwesend.

18. Februar 2016: Staatsanwaltschaft und Polizei informieren erstmals ausführlich über die Geschehnisse in Rupperswil an einer Pressekonferenz.

Vierfachmord Rupperswil: 100'000 Franken Belohnung ausgesetzt – Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht erklärt die Strategie

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Vierfachmord Rupperswil: DNA-Spuren gefunden – Kripo-Chef Markus Gisin erklärt die Ermittlungsstrategie

DNA-Spuren gefunden – Kripo-Chef Markus Gisin erklärt die Ermittlungsstrategie

13. Mai 2016: Die überraschende Wende nach fast 5 Monaten Ermittlungszeit. In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz informiert Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht:

"Die Zeit der Unsicherheit ist vorbei. Der Täter ist gefasst."

«Die Zeit der Unsicherheit ist vorbei. Der Täter ist gefasst.»

Philipp Umbricht, Leitender Oberstaatsanwalt des Kantons Aargau, verkündet den Ermittlungserfolg.

Es handelt sich um Thomas N., einen 33-jährigen Schweizer, der nur zirka 500 Meter vom Tatort entfernt in einem Einfamilienhaus mit seiner Mutter gelebt hat. Er wurde am Tag zuvor in der «Starbucks»-Filiale in Aarau festgenommen. Damit endet die Zeit des Grauens. 

Die Details zum Tathergang, welche der Öffentlichkeit präsentiert werden, sind schwer verdaulich:

«Indem er den jüngeren Sohn bedrohte, zwang er Frau Schauer, den älteren Sohn und dessen Freundin zu fesseln und zu knebeln»

«Indem er den jüngeren Sohn bedrohte, zwang er Frau Schauer, den älteren Sohn und dessen Freundin zu fesseln und zu knebeln»

Markus Gisin, Chef der Kriminalpolizei Aargau, schildert an der Medienkonferenz am 13. Mai 2016, wie der Täter im Vierfachmord von Rupperswil vorgegangen ist.

«Die Tötung aller Anwesenden war von Anfang an geplant – ebenso, das Haus in Brand zu stecken»

«Die Tötung aller Anwesenden war von Anfang an geplant – ebenso, das Haus in Brand zu stecken»

Barbara Loppacher, Leitende Staatsanwältin der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, zum Täter und seinem Motiv. 

Tat war geplant

Der nicht vorbestrafte Thomas N. hatte sich am frühen Morgen des 21. Dezember 2015 Zutritt zum Haus der Familie verschafft und die vier anwesenden Personen in seine Gewalt gebracht.

Er bedrohte den 13-jährigen Sohn und zwang Carla Schauer, ihren 19-jährigen Sohn und dessen 21-jährige Freundin zu fesseln und zu knebeln. Auch der jüngere Sohn wurde danach gefesselt.

13-Jährigen missbraucht

Dann verlangte Thomas N. von der Frau, dass sie Geld beschafft. An Bankomaten in Rupperswil und Wildegg hob sie rund 1000 Euro und rund 10'000 Franken ab. Nach der Rückkehr ins Haus wurde auch die Frau gefesselt.

Danach verging sich der Mann gemäss Staatsanwaltschaft am jüngeren Sohn. Zuletzt tötete der Täter seine Geiseln, indem er ihnen die Kehle durchschnitt. Er zündete die Opfer mit Brandbeschleuniger an und verschwand unerkannt aus dem Haus. Die Tötungen und die Brandlegung waren von Anfang an geplant.

Die Tatwaffe, ein Küchenmesser, konnte nie gefunden werden. Der Beschuldigte gab an, er habe das Messer unmittelbar nach der Tat in Geschenkpapier eingewickelt und in der Stadt Aarau in einem öffentlichen Abfalleimer entsorgt.

Bei der ersten Einvernahme gestand er den Vierfachmord. Der Mann wurde nach seiner Verhaftung im Gefängnis zunächst während Monaten rund um die Uhr überwacht, um einen Suizid zu verhindern.

Die Tat bewegte auch Ermittler und Staatsanwaltschaft:

«Ich bin schon ein paar Jahre Polizist, aber dieses Ausmass ist für uns alle aussergewöhnlich»

«Ich bin schon ein paar Jahre Polizist, aber dieses Ausmass ist für uns alle aussergewöhnlich»

Der Aargauer Kripo-Chef Markus Gisin im Interview im Anschluss an die Medienkonferenz. 

«Jede Mutter kann nachvollziehen, warum Carla Schauer wieder zurückgegangen ist»

«Jede Mutter kann nachvollziehen, warum Carla Schauer wieder zurückgegangen ist»

Barbara Loppacher, Leitende Staatsanwältin der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, im Interview.

Genau in diesem Raum, in dem die beiden Medienkonferenzen stattfanden, wird Thomas N., 22 Monate später, ab Dienstag, 13. März, der Prozess gemacht. Grund dafür sind Platzprobleme und vor allem die Sicherheitsfragen.

Polizeigebäude Schafisheim: Hier wird Thomas N. der Prozess gemacht

Polizeigebäude Schafisheim: Hier wird Thomas N. der Prozess gemacht

Am 13. März beginnt die Gerichtsverhandlung zum Vierfachmord in Rupperswil. Aus Platzgründen wird der Prozess aber nicht im Bezirksgericht Lenzburg, sondern im Gebäude der Mobilen Polizei in Schafisheim durchgeführt. 

Die 35 zugelassenen privaten Prozesszuschauer und die 65 akkreditierten Medienvertreter, die sich alle im Voraus anmelden mussten, haben sich bei jedem Eintritt ins Gebäude einem Sicherheitscheck durch die Polizei zu unterziehen. Das Areal des Polizeigebäudes bleibt - ausser der Weg zum Haupteingang - gesperrt.

Der erste Verhandlungstag beginnt gemäss Bezirksgericht mit der Befragung von zwei Gutachtern. Die Staatsanwaltschaft gab zwei psychiatrische Begutachtungen des Mannes in Auftrag.

Der Angeklagte muss wegen mehrfachen Mordes mit einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe und einer Verwahrung rechnen. Was die Staatsanwaltschaft fordert, hat sie noch nicht kommuniziert.

Der Schweizer ist auch wegen mehrfacher räuberischer Erpressung, mehrfacher Geiselnahme, mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind, mehrfacher sexueller Nötigung, Brandstiftung sowie mehrfacher strafbarer Vorbereitungshandlungen angeklagt.

Mehrfache Pornografie

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den Angeklagten zudem der mehrfachen Pornografie. Die Untersuchungsbehörden fanden auf den beschlagnahmten elektronischen Geräten des Mannes umfangreiches kinderpornografisches Material.

Dieses hatte er aus dem Internet heruntergeladen. Es gibt laut Staatsanwaltschaft keine Hinweise darauf, dass sich der Beschuldigte vor der Tat in Rupperswil jemals in sexueller Absicht einem Kind genähert hat.

(pz/sda)