Staatsanwaltschaft Aargau
Vierfachmord Rupperswil: Das Gesetz lässt es nicht zu, aus dem Erbgut Phantombilder zu erstellen

Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft Aargau werten beim Vierfach-Mord in Rupperswil eine «unglaubliche Datenmenge» aus – das sagte Staatsanwaltschaft-Sprecherin Fiona Strebel in einem Interview. Als heisse Spur könnten sich geraubte 1000er-Noten herausstellen.

Benjamin Wieland
Merken
Drucken
Teilen
«Ein Marathonlauf»: Fiona Strebel, Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft.

«Ein Marathonlauf»: Fiona Strebel, Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft.

Am 21. Dezember 2015 wurden in Rupperswil die 48-jährige Carla Schauer, deren Söhne Davin (13) und Dion (19) sowie dessen Freundin Simona F. (21) ermordet. Rund vier Monate nach dem Gewaltverbrechen tappen die Ermittler weiterhin im Dunkeln – doch es gibt Lichtblicke.

So sagte die Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft in einem «Blick»-Interview, dass «vereinzelte Hinweise» zu den 1000er-Noten eingegangen seien, die Carla Schauer kurz vor ihrer Ermordung bei einer Bank abgehoben hat.

Weiter seien die Ermittler den Hinweisen zu einem hellen Kleinwagen, der am Tatmorgen in der Umgebung des Tatorts gesichtet wurde, nachgegangen. Es habe sich jedoch bisher «kein fallrelevanter Zusammenhang» ergeben.

«Kleiner, oberflächlicher Schnitt»

Auch die Aufnahmen von Dashcams aus Autos und die Untersuchung des Hundes der Familie Schauer hätten nicht weitergeholfen.

Nicht weiter gesucht wird laut Strebel nach den zwei Männern, die sich in Wohlen in einer Apotheke verarzten liessen. Auch hier bestehe kein fallrelevanter Zusammenhang.

Es sei nur eine Person verletzt gewesen und deren Wunde – ein «kleiner, oberflächlicher Schnitt an der linken Hand von zirka einem Zentimeter Durchmesser» – habe mit einem Pflaster versorgt werden können.

Carla Schauer während ihres Barbezugs am Schalter in der AKB-Filiale in Wildegg am Montagmorgen, 21. Dezember 2015. Geld hob sie zuvor um 9.50 Uhr bei einem Bankomaten der Hypothekarbank Lenzburg in Rupperswil ab. Dabei wurde sie von einer Kamera gefilmt.
23 Bilder
So wurde die schreckliche Tat entdeckt: In einem Doppel-Einfamilienhaus stiessen Feuerwehrleute bei einem Brand am 21. Dezember 2015 auf vier Leichname.
Bei den Opfern handelt es sich um Carla Schauer (†48), ihre beiden Söhne (†13 und †19) sowie die Freundin des älteren Sohnes (†21). Dieses Bild vor dem Haus der Opfer wurde zirka 9 Tage nach der Tat aufgenommen.
Carla Schauer am Bancomaten in Rupperswil am Tag ihrer Ermordung. Sie hob hier am Tatmorgen 1000 Euro in 100er-Noten ab.
Die Filiale der Hypothekarbank Lenzburg in Rupperswil im Gebäude rechts hinten, etwas vom Baum verdeckt.
Die Lenzhardstrasse in Rupperswil, wo die Familie Schauer wohnte.
Die Feuerwehr rückte am Tattag um 11.20 Uhr wegen des Brands zum Haus an der Lenzhardstrasse aus.
Einsatzkräfte fanden im Haus die vier verkohlten Opfer. Sie wiesen alle Stich- oder Schnittverletzungen auf.
Roland Pfister, Medienchef der Kantonspolizei Aargau, informiert Medienschaffende nach der Tat.
Der Tattag: Ein Grossaufgebot von Feuerwehr, Polizei und Rettungskräften ist vor Ort.
Das Grossaufgebot von Polizei und Feuerwehr lockt auch zahlreiche Anwohner an.
Vor Ort stehen Spezialisten der Polizei, Rechtsmediziner und Vertreter der Staatsanwaltschaft im Einsatz.
Ermittler bei der Arbeit: Sie sichern Spuren im und vor dem Haus.
Für die Ermittler ist Knochenarbeit angesagt: Ein Polizist leuchtet in einen Schacht.
Auch das Care-Team Aargau ist vor Ort.
Das Quartier, in dem das Verbrechen geschah.
In der linken Doppelhaushälfte kam es zu den vier Tötungsdelikten.
Schüler und Anwohner stellen, als das Ausmass des Verbrechens klar wird, vor dem Haus Kerzen auf.
Schüler und Anwohner stellen, als das Ausmass des Verbrechens klar wird, vor dem Haus Kerzen auf.
Zwischen den Kernen befinden sich persönliche Abschiedsbotschaften.
Blick auf das Dorfzentrum von Rupperswil.
Flugblatt statt Facebook: Die Polizei sucht direkt in Rupperswil nach Personen, die Auskunft zur Bluttat mit vier Toten geben können.
Neun Tage nach der Tat stehen nach wie vor viele Kerzen vor dem Haus der Opfer.

Carla Schauer während ihres Barbezugs am Schalter in der AKB-Filiale in Wildegg am Montagmorgen, 21. Dezember 2015. Geld hob sie zuvor um 9.50 Uhr bei einem Bankomaten der Hypothekarbank Lenzburg in Rupperswil ab. Dabei wurde sie von einer Kamera gefilmt.

Kapo AG

Keine Angabe zu Geschlecht und Hautfarbe

Aufgrund der am Tatort gefundenen DNA-Spuren könnte die Staatsanwaltschaft Angaben zum Geschlecht oder zur Hautfarbe der allfälligen Täterschaft tätigen. Zu diesen Spuren «wolle und könne» sie jedoch nicht mehr sagen.

Die Gesetzgebung lasse es auch nicht zu, aus dem Ergbut Phantombilder oder ähnliches zu erstellen.

Die 40 Personen zählende Sonderkommission wird laut Strebel von Profilern aus dem Ausland unterstützt. Aus den Aussagen der Staatsanwaltschaft-Sprecherin muss jedoch geschlossen werden, dass keine Aussicht auf baldige handfeste Fahndungs-Ergebnisse besteht.

Ermittler brauchen mehr Zeit

«Es ist für alle Ermittler ein Marathonlauf», wird Strebel im «Blick» zitiert. Eine «unglaubliche Datenmenge» müsse gesichert und ausgewertet werden. Das alles brauche «viel Zeit».