Eine etwas andere Stadtführung hatten sie geplant. Nicht die historischen Bauten sollten im Mittelpunkt stehen, sondern das Lenzburg mit seinen Bewohnern, wie es die vier Neu-Stadtführer in den letzten 70 Jahren erlebt haben. «Zeitreise Lenzburg 1949 bis 2019» nannten Rolf Bachmann, Ruedi Baumann, Ueli Steinmann und Max Werder ihren Gang durch die Gassen.

«70 Jahre erlebte Stadtgeschichte» sollten die Teilnehmer am Ostersamstag zu hören bekommen. Sie wurden nicht enttäuscht, die vier Redner erzählten an zwölf Stationen Erlebnisse aus ihrer Kindheit, berichteten von den Bewohnern der Altstadtgassen und wiesen auf die wechselnden Bestimmungen der Ladengeschäfte hin.

«Ein ganz böses Fräulein»

Den Anfang machte Ruedi Baumann, Architekt und Buchautor, auf dem Metzgplatz. Er erzählte von der wechselvollen Geschichte des Alten Gemeindesaales, erwähnte aber auch den Metzger Dietschi, der jeweils mit einem Pedal unter dem Ladentisch die Waage manipulierte. «Man hat bei ihm aber immer ein Wursträdli bekommen», warf eine Stadtrundgangsteilnehmerin ein.

Auf dem Seifi-Areal berichtete Rolf Bachmann, ehemaliger Stadtammann, nicht nur von der Fabrik, die bis in die 70er-Jahre hinein Seife kochte, sondern auch von den Wintern in seiner Kindheit, als man noch vom Schloss her bis in die Aavorstadt hinunter schlitteln konnte. «Oder zumindest bis zum Miststock von Bauer Brünggel», lachte Bachmann. Auf dem Ziegelacker erinnerte sich Bachmann ebenfalls an seine Kindergartentage. Leni Seiler und Fräulein Richter hiessen die beiden Kindergärtnerinnen aus den 50er-Jahren. «Fräulein Richter war eine ganz böse», warf eine Zuhörerin ein und erntete dafür von rundherum Zustimmung.

An die verschiedenen Geschäfte, die rund um den Schulhausplatz im Laufe der Zeit eröffnet und wieder geschlossen wurden, erinnerte Ueli Steinmann. Unter anderem erzählte er vom Schuhmacher, bei welchem man die reparierten Schuhe immer am «noxte Siischtig» abholen konnte. In der Eisengasse ist Max Werder, Inhaber des unterdessen geschlossenen Haushaltwarenladens «Tischlein deck dich» und der Wyler-Werffeli AG, aufgewachsen. Er erzählte anschaulich von seiner Kindheit in der Lenzburger Altstadt, als in den Gassen noch Fussball gespielt und sogar mit dem Pfeilbogen geschossen wurde.

Der persönlich geprägte Stadtrundgang kam bei den Teilnehmern gut an. «Es hat mir sehr gut gefallen, ich hoffe, der Rundgang lebt weiter», meinte Eri Gloor. Auch Regina Ammann war begeistert. «Das wäre eine tolle Veranstaltung für Klassenzusammenkünfte», sagte sie. «Man müsste das Programm aber noch straffen.» Tatsächlich dauerte der Rundgang nicht wie angekündigt eineinhalb, sondern zweieinhalb Stunden.

«Es war schön, zu sehen, dass die Leute gerne dabei waren», meinte Rolf Bachmann. «Wir wollen keine Konkurrenz zu den bestehenden Führungen sein, aber gerne bei Bedarf weitermachen. Dadurch können wir das, was in Lenzburg passierte, behalten, damit es nicht verloren geht.»

Historische Bilder von Lenzburg: