Gekommen waren die rund 40 Frauen vor allem wegen der Referentin. Katharina Zaugg ist studierte Ethnologin, betreibt eine Putzfirma, schreibt Bücher, gibt Kurse und putzt auch selbst. Sie hat einen ungewöhnlichen Zugang zur oft verschmähten Hausarbeit. «Ich habe mich frei gewischt», erklärte sie. Putzen als Teil der Emanzipation? «Viele Paare haben ein Putzproblem», meinte Zaugg. «Oft denken Männer: ‹Wenn ich die Badewanne putze, dann hat sie mich an der Backe› und ‹wenn ich’s nur halb mache, erledigt sie den Rest›.» Aus dem Publikum kam Zustimmung: «Meiner nimmt höchstens mal den Staubsauger in die Hand.» Doch Katharina Zaugg nahm die Männer in Schutz: «Viele können es einfach nicht. Putzen muss man lernen.» Sie ermunterte die Zuhörerinnen zum gemeinsamen Putzen, möglichst mit Kindern zusammen.

Auswringen - mit richtiger Körperhaltung

Vor dem Referat hatte Angela Dettling die Besucherinnen im Schloss durch die Ausstellung «Stilles Örtchen, heisses Bad» geführt und dabei von den Hygienemassnahmen im Mittelalter erzählt. Bei der Moderation des Gesprächs zeigte sie sich beeindruckt von Zauggs Aussage, putzen sei Gymnastik. Am Auswringen eines Lappens demonstrierte die Expertin die richtige Körperhaltung. Nicht mit viel Kraft und zusammengebissenen Zähnen, sondern durch Anspannen und Entspannen. Die Zuhörerinnen versuchten es und fühlten den Unterschied. Putzen als Tanz, man kann dazu singen oder jodeln, auch Musik hilft.

Doch sogar wer gerne putzt, ist oft frustriert, dass das Ergebnis nicht lange anhält. «Putzen ist ein Rückschritt», erklärte Zaugg. Man stelle den Raum wieder auf den Nullpunkt zurück. Ein Trost bleibt: «Danach ist die Wohnung frei und lädt zur Kreativität ein.»