Seon

Viele Gegner von Tempo 30 sind untergetaucht

«Ich vermisse eine lebendige und offene Diskussion.»

Beat Häfeli vom Referendumskomitee Tempo 30:

«Ich vermisse eine lebendige und offene Diskussion.»

Am 11. März stimmt Seon über die flächendeckende Einführung von Tempo 30 ab. Ein Pro-Komitee wirbt mit Flyern, Inseraten und Plakaten für dieses Anliegen – viele Gegner jedoch agieren anonym und scheuen sich, öffentlich ihre Meinung zu äussern.

Noch selten nahmen so viele Seoner an einer Gemeindeversammlung teil wie am 18. November letzten Jahres. Die geplante Einführung von Tempo 30 auf allen Quartierstrassen lockte 469 Stimmbürger in die Halle 4 - darunter auffallend viele junge Bürger sowie Seoner, die selten an einer Gmeind teilnehmen.

Diese Mobilisierung nützte den Gegnern der Tempo-30-Vorlage: Das Projekt wurde mit 55 Prozent Nein-Stimmen bachab geschickt - zur grossen Überraschung von Gemeinderat und vielen Bürgern. Denn bei der Präsentation des Projektes im September war wenig Kritik zu hören gewesen.

Nach dieser Überraschung an der Gmeind sammelte ein überparteiliches Komitee in Rekordzeit 682 Unterschriften und überschritt damit die Hürde für eine Referendumsabstimmung um mehr als das Doppelte. «Das Projekt Tempo 30 wurde in langer Arbeit geplant und ist derart wichtig, dass die Bevölkerung an der Urne darüber abstimmen sollte», sagt Beat Häfeli, Initiant des Referendums und Mitglied der erweiterten Verkehrskommission, die das Projekt ausgearbeitet hat (siehe «Pro und Kontra» rechts). Damit entscheidet Seon am 11. März in einer Urnenabstimmung über das Verkehrsprojekt.

Gegner wollen anonym bleiben

Der Abstimmungskampf verläuft nicht ohne Nebengeräusche. Präsent ist vor allem Häfelis Referendumskomitee, das mit Flyern, Inseraten und Plakaten für flächendeckend Tempo 30 wirbt. Die Gegner jedoch scheinen seit dem Grossaufmarsch an der Gmeind wie vom Erdboden verschluckt und traten bislang nur mit anonymen Inseraten sowie im Internet in Erscheinung.

Unbekannte verschmierten ein Plakat des Pro-Komitees.

Aus Tempo 30 wurde Tempo 80:

Unbekannte verschmierten ein Plakat des Pro-Komitees.

Mehrere Kritiker der Tempo-30-Vorlage, mit denen die az Aargauer Zeitung diese Woche gesprochen hat, wollen ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. «Wer in so einem Kaff seine Meinung sagt, exponiert sich», sagt ein Seoner, der genau aus diesem Grund auch anonym bleiben möchte. «Vor allem die Gewerbetreibenden passen auf, was sie sagen.» Diese Angst bestätigt ein Geschäftsmann aus dem Dorf - ebenfalls hinter vorgehaltener Hand: «Meine Kunden könnten denken: Der ist gegen Tempo 30, zu dem gehe ich nicht mehr einkaufen!»

«Tempo 30 macht nicht überall Sinn»

Kein Problem sich zu exponieren hat Jakob Fischer, der sich bereits an der Gmeind gegen die generelle Einführung von Tempo 30 ausgesprochen hat. Der ehemalige Gemeinderat hatte das Ressort Verkehr und Umwelt unter sich und fordert anstelle einer «Giesskannen-Lösung» die quartierweise Prüfung und Einführung von Tempo 30. «Es gibt in Seon breite Strassen mit Trottoirs, wo Tempo 30 keinen Sinn macht.» Vom Abstimmungskampf der Gegner ist Fischer enttäuscht: «Ausser Sachbeschädigung von Pro-Plakaten und anonymen Flyern sehe ich nichts gescheites.» Wer gegen eine Sache sei, solle dazu stehen. «Alles andere hat einen üblen Beigeschmack und dient der Sache nicht.»

Ähnlich sieht dies Beat Häfeli. Als treibende Kraft des siebenköpfigen Pro-Komitees will er das Verhalten der Gegner nicht kommentieren, hält aber dennoch fest: «Ich vermisse eine lebendige und offene Diskussion.» Alles andere sei einer Demokratie unwürdig. Häfeli, der selbst Geschäftsmann ist und wenig negative Reaktionen von Kunden befürchtet, will keine Schlammschlacht. «Mir geht es einzig um die Sache.»

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