Lenzburg
Viel Toleranz, aber «Trauungen unter Wasser und in der Luft sind tabu»

An der Hochzeitsmesse stellten sich die Aargauer Landeskirchen auch den ausgefallenen Wünschen heiratswilliger Paare

Ruth Steiner
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Der Auftritt der Landeskirchen an der Hochzeitsmesse im Müllerhaus.

Der Auftritt der Landeskirchen an der Hochzeitsmesse im Müllerhaus.

Das Brautpaar möchte am liebsten, dass der vierbeinige Liebling die Trauringe in die Kirche trägt. Oder: Die Verliebten schweben auf Wolke sieben und wünschen deshalb, dass sie der Pfarrer in einem Heissluftballon hoch über dem Boden traut.

Mit solchen und ähnlichen Ansinnen sind die Aargauer Landeskirchen am vergangenen Wochenende an der Hochzeitsmesse in Lenzburg konfron- tiert worden, erzählt Frank Worbs, zuständig für die Kommunikation der Reformierten Landeskirche Aargau. Offenbar haben sich die rund 20 Seelsorgerinnen und Seelsorger der Reformierten und Römisch-Katholischen Landeskirche dabei weder etwas verrückten noch skurril anmutenden Wünschen verschlossen.

Das ist verständlich: Wenn sich nicht einmal mehr 20 Prozent aller Paare kirchlich trauen lassen, wie das 2013 im Kanton Aargau der Fall war, dann müssen sich die Kirchen-Verantwortlichen etwas einfallen lassen. Dabei stellt sich jedoch die Frage, wie viel Kreativität oder Schabernack eine kirchliche Trauung tatsächlich verträgt.

Wie weit ist man bei der Kirche bereit, den extravaganten Wünschen der «Kunden» Rechnung zu tragen, nur um wieder mehr heiratswillige Paare in die Gotteshäuser zu locken? Frank Worbs gibt sich sehr aufgeschlossen. «Grundsätzlich ist die Kirche offen gegenüber persönlichen Wünschen.» Und doch hat auch diese ihre Grenzen. «Trauungen unter Wasser und in der Luft sind tabu.»

Das Brautpaar im Heissluftballon wird also ohne Pfarrer in die Luft steigen müssen. «Doch darf ein Pfarrer grundsätzlich selber entscheiden, was seelsorgerisch vertretbar ist», sagt Worbs. Man ist in dieser Beziehung offensichtlich grosszügig.

Der Kommunikationschef der Reformierten Kirche schwärmt von der Atmosphäre im Müllerhaus. Es sei viel stimmungsvoller und persönlicher als irgendeine Messehalle. Das komme dem Thema Kirche entgegen. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger hätten 450 herzförmige Kerzen verschenkt und rund 150 kürzere und längere Gespräche mit Paaren geführt. Dabei sei es weniger um Grundsatzfragen zur kirchlichen Trauung, denn um praktische Aspekte gegangen. Diese drehten sich auch um ganz alltägliche Anliegen, wie das Vorgehen bei einer Heirat zwischen zwei unterschiedlichen Religionen.

Die Aargauer Landeskirchen haben erstmals an einer Hochzeitsmesse teilgenommen. «Dabei waren wir keine Exoten, sondern wurden als Teil des Geschehnisses wahrgenommen», freut sich Frank Worms. Dass der Pfarrer in Amtstracht an der Modeschau auf dem Laufsteg fehlte, lag einzig daran, dass die Anfrage bei der Kirche zu kurzfristig eingegangen war.

Der gemeinsame Auftritt der Kirchen in Lenzburg entspricht laut Seelsorger Kurt Adler von der Römisch- Katholischen Landeskirche dem Zeitgeist. «Vorbei sind die Zeiten, wo Reformierte und Katholiken nur untereinander geheiratet haben.»