Hallwil

Viel Politik um fünf Schüler: Vertragsauflösung mit Boniswil zeigt Grenzen der Schulpflege auf

Das Schulareal in Boniswil wird bald nicht mehr von Schülern aus Hallwil besucht. (Symbolbild)

Das Schulareal in Boniswil wird bald nicht mehr von Schülern aus Hallwil besucht. (Symbolbild)

Hallwil steigt im Sommer 2021 vorzeitig aus einem Schulvertrag mit Boniswil aus. Davon betroffen sind fünf Schüler. Die Vertragsauflösung der Zusammenarbeit zeigt die Grenzen der Macht von Schulpflegen auf. Das Klima zwischen Gemeinderat und Schulpflege ist vergiftet.

Hallwil hat als Motto «eifach andersch». Das Dorf ist klein (904 Einwohner), der Spardruck noch höher als der Steuerfuss (117%). Es gibt Leute, die fänden es richtig, eine Fusion mit einer anderen Gemeinde zu prüfen. Doch im Moment läuft es eher in die gegenteilige Richtung: So steigt Hallwil im Sommer 2021 vorzeitig aus einem Schulvertrag mit Boniswil aus (AZ vom 9.Juli). Es geht um fünf Schüler und um Schulgeld von jährlich etwa 30'000 Franken.

Schulpflege Hallwil wollte es nicht so

Die Reaktionen sind harsch. Es ist ein exemplarischer Fall dafür, wie ohnmächtig die Schulpflegen gegenüber den Gemeinderäten sind, wenn nicht beide am gleichen Strick ziehen. In Hallwil, aber auch in Boniswil.

Besonders heikel ist die Lage in Hallwil, wo man sich nach der ernsten Schulkrise vor drei Jahren auf dem Weg zur Besserung wähnte. Das Klima zwischen Gemeinderat und Schulpflege ist jetzt wieder vergiftet. «Die Auflösung des Vertrages war ein Akt der Gemeinderäte, welcher entgegen den Empfehlungen der Schulpflegen umgesetzt wurde», schreibt Torsten Wind, Präsident der Schulpflege Hallwil.

Er meint mit den Gemeinderäten auch diejenigen von Boniswil, die dem Druck ihrer Amtskollegen aus Hallwill nachgaben. Dazu schrieb Karin Reinhard-Sager, die Präsidentin der Schulpflege Boniswil, in einem Leserbrief (AZ vom 13.Juli): «Die eigenmächtige Einmischung ins strategische wie operative Sachgeschäft der Schule Boniswil durch kompetenzüberschreitende Gemeinderäte vor allem aus Hallwil ist inakzeptabel.» Die gut durchdachte, für alle gewinnbringende Planung der zuständigen Schulbehörde werde willentlich aufs Spiel gesetzt.

Wenn die 5.- und 6.-Klässler aus Hallwil wegfallen, sinken die Chancen auf Jahrgangsklassen in Boniswil. Die Schule muss früher als geplant umorganisiert werden (Hallwil wäre im Sommer 2022 sowieso ausgestiegen). Und in Hallwil mit seinen noch weniger Schülern sind Einzelklassen noch schwieriger zu realisieren – im optimalsten Fall ist das in den Kernfächern möglich. Beide Schulführungen sind sich einig: Gemeinsam wäre den Schülern mehr gedient. «Hier wird Schulpolitik nach finanziellen und nicht nach pädagogischen Kriterien gemacht», meint der Boniswiler Schulleiter Daniel Wieser.

«Gemeinderat Boniswil bedauert Auflösung»

Der Boniswiler Ammann Gérald Strub versucht, den Ball flach zu halten: «Der Gemeinderat bedauert die vorzeitige Auflösung des Zusammenarbeitsvertrages, ist aber davon überzeugt, dass die Schule Boniswil auch diese Herausforderung bestens meistern wird.» Und: «2018 befand sich die Schule Hallwil in einer Notsituation. Wir haben damals kurzfristig Hand für eine Lösung geboten.

Die Zusammenarbeit mit Hallwil fanden wir immer gut. Sie hat neben der Lösung der Notsituation in Hallwil auch unserer Schule mehr Flexibilität und eine grössere Auslastung der Infrastruktur gebracht. Sie war aber auch mit einem grossen zusätzlichen Aufwand seitens der Schulpflege, der Schulleitung und der Lehrerschaft verbunden.»

Neuer Lehrplan und neue Ressourcierung helfen nicht

Der Kanton war über die Auflösung des Vertrages informiert, hatte dazu aber nichts zu sagen. «Solange die gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich Bildungsauftrag und minimaler Schulgrösse erfüllt sind, liegt es in der Verantwortung der Gemeinde zu entscheiden, eine eigene Schule zu führen oder ob es sinnvoller ist, Kooperationen mit umliegenden Gemeinden zu suchen», sagt Sascha Katja Giger, Sprecherin des Departementes Bildung, Kultur und Sport (BKS). Sie betont, weder der neue Aargauer Lehrplan noch die Neue Ressourcierung würden Kleinstschulen bevorteilen. Diesen Eindruck hat die zuständige Hallwiler Gemeinderätin in der AZ vom Donnerstag erweckt.

Die Schule Hallwil wird von der kantonalen Schulaufsicht weiterhin besonders unterstützt. Nach den vielen personellen Wechseln befinde sie sich jetzt in einer Konsolidierungsphase, so BKS-Sprecherin Giger. «Der Unterrichts- und Schulbetrieb funktioniert ordnungsgemäss und reibungslos.»

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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