32,7 Millionen Franken sind der Stadt letztes Jahr in die Steuerkasse geflossen. «Nach einem leichten Rückgang im Vorjahr sind die Einnahmen wieder um 1,7 Millionen gestiegen», freute sich Vizeammann Franziska Möhl gestern bei der Präsentation der Jahresrechnung.

Die Budgetabweichung von 2,7 Prozent ist laut der Finanzministerin in Anbetracht des volatilen Wirtschaftsumfeldes gut vertretbar. Die grössten Differenzen fänden sich dabei bei den wenig vorhersehbaren Budgetposten, sagte sie: Der augenfälligste Unterschied ist dabei in der Rubrik «Nachsteuern und Bussen» auszumachen.

Diese weicht mit 287 000 Franken um satte 474 Prozent gegenüber dem Voranschlag von 50 000 Franken ab.

Zugegebenermassen ist dieser Budgetposten mit vielen Unbekannten behaftet. Auf die Frage, ob sich auch in Lenzburg reuige Steuersünder gestellt haben, entgegnete die Finanzministerin: «Man könnte darauf schliessen.» Und bestätigte daraufhin eingegangene Selbstanzeigen – deren Anzahl und Umfang wollte sie jedoch nicht näher beziffern.

Ebenfalls positiv ins Gewicht fallen die Grundstückgewinnsteuern. Diese sind mit 768 000 Franken mehr als doppelt so hoch wie im Voranschlag ausgewiesen.

Der Ertrag aus den Aktiensteuern hat sich nach dem letztjährigen Taucher wieder um 25 Prozent auf
5,2 Millionen erholt. Dies jedoch ohne den Rekordwert aus dem Jahre 2011 von 6,1 Millionen Franken wieder zu erreichen.

Gewinn liegt über Budget

«Mit 6,6 Millionen Franken liegt der Gesamt-Gewinn um 2,2 Millionen über dem Budget», hielt Möhl fest. Im gleichen Atemzug wehrte sie jedoch sämtliche Hoffnungen auf einen weiteren Abbau der Nettoschuld ab. Im Gegenteil. Die im letzten Jahr getätigten Investitionen – beispielsweise in den Neubau des Schulhauses Mühlematt – von rund 9 Millionen lassen die Nettoverschuldung wieder leicht ansteigen auf 1,79 Millionen.

Dies macht pro Einwohner einen Betrag von 202 Franken aus. Vor Jahresfrist belief sich dieser Wert nach dem neuen HRM2-Modell auf 130 Franken. Zuvor, nach der ursprünglichen Rechnungslegung, wurde per Ende 2012 pro Kopf eine Schuld von 390 Franken ausgewiesen.

Die Steuerkraft der Stadt Lenzburg hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. «Wir hatten jährlich 200 Neuzuzüger.» Dies ist laut Möhl eine der wichtigsten Begründungen für die Einkommens-Entwicklung, die im gleiche Sinne weitergehen soll.

«Wir rechnen in der nächsten Zeit jährlich mit 100 neuen Steuerzahlern.» Diese ziehen unter anderem in die neuen Quartiere, die derzeit gebaut werden. In der Widmi sind die ersten Etappen fertig erstellt. Die noch leeren Wohnungen sind zur Vermietung ausgeschrieben.

Gute Ausgabendisziplin

Dass die Stadt mit dem bewilligten Budget diszipliniert umgeht und ebenso auch ihr Controlling gut im Griff hat, zeigt sich Jahr für Jahr an den präsentierten Zahlen. Auch 2013 liegen sämtliche Posten bis auf «Kultur, Sport und Freizeit» und «Verkehr» unter Budget.

Die Gründe für die Überschreitungen liegen in den ungeplanten Kosten für die Flachdachsanierung der Neuhof-Sporthalle und den Mehrkosten beim Spielplatz Ziegelacker auf der einen, bei den hohen Kosten für den Winterdienst im harten Winter 2012/13 auf der andern Seite.

Die Löhne der Angestellten sind mit knapp 10,5 Millionen der happigste Ausgabenbrocken des 65,9-Millionen-Abschlusses. Doch wurde der genehmigte Stellenplan knapp unterschritten.

Steuerfusssenkung muss warten

«Die jüngste Ertragsentwicklung stimmt zuversichtlich für die kommenden Herausforderungen», so Möhl. Sie meint damit unter anderem die Investitionen von gut 25 Millionen Franken in die beiden Schulhausprojekte Angelrain und Lenzhard. «Daher ist es wichtig, dass die Ertragsseite auf einem guten Fundament steht», erklärte Frau Vizeammann und machte gleichzeitig klar, dass die Lenzburger in naher Zukunft vergebens Richtung einer Senkung des Steuerfusses schielen.

«In anderen Gemeinden zeigt der Steuerfuss eher nach oben, ihn behalten zu können, bleibt weiterhin unsere Strategie.»

Lenzburg hat die Rechnung als eine der Pilotgemeinden erstmals nach dem neuen HRM2-Modell erstellt. Der Mehraufwand der neuen Rechnungslegung schlägt sich nun ebenfalls optisch nieder. Der Jahresabschluss kommt in einer rund 140 Seiten umfassenden «Brattig» daher.