Bezirk Lenzburg
Verurteilter Aargauer «Sex-Arzt» ist nicht mehr Schularzt

Bis vor kurzem war der Lenzburger Arzt, der mit einer bulimiekranken Praxisassistentin Sex hatte, auch Schularzt. Diesen Job ist er nun los. Die Schulpflegepräsidentin bestätigt, dass die «Sex-Therapie» das Ende seiner Tätigkeit herbeigeführt hat.

Beat Kraushaar und Fränzi Zulauf
Merken
Drucken
Teilen
Arzt untersucht ein Kind (Symbolbild)

Arzt untersucht ein Kind (Symbolbild)

Keystone

Der Hausarzt aus Lenzburg, der seine 22-jährige, bulimiekranke Praxisassistentin während Monaten unter anderem mit einer persönlich durchgeführten «Sextherapie» behandelte - und dafür erst noch von der Krankenkasse 17 000 Franken kassierte - wurde 2003 wegen mehrfacher Ausnützung der Notlage und versuchter Nötigung zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 12 Monaten verurteilt. Auch weitere Vergehen - Vermögensdelikte und die Verletzung des Arztgeheimnisses - wurden und werden dem Hausarzt vorgeworfen. Ein Strafverfahren ist hängig.

Eine spezielle Brisanz erhält die ganze Geschichte auch durch die Tatsache, dass der Mann bis vor kurzem als Schularzt tätig war. Das bestätigt die Lenzburger Schulpflegepräsidentin Myrtha Dössegger.

Sie verschweigt nicht, dass die Beendigung des Auftragsverhältnisses auch im Zusammenhang mit der aktuellen Situation rund um den Mediziner zu tun hat. «Für uns hat das Vertrauen und das Wohl unserer Schülerinnen und Schüler und deren Eltern oberste Priorität», sagt Dössegger.

Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass die Behörden zumindest ansatzweise schon viel früher über die Verurteilung des Arztes informiert waren. Warum die Auflösung des Schularzt-Mandats erst auf Ende Schuljahr 2011/12 erfolgte, bleibt unklar.

Auch bei Patientenstelle bekannt

Ebenso unklar bleibt, warum der Arzt nach seiner Verurteilung 2003 weiterhin praktizieren durfte. «Unter Regierungsrätin Susanne Hochuli ist es zu einer erheblichen Verschärfung der Praxis bei aufsichtsrechtlichen Massnahmen gekommen. Heute würde man deshalb sicher anders vorgehen, als dies damals beim Vorfall 2003 geschehen ist», sagt Balz Bruder, Kommunikationschef im Departement Gesundheit und Soziales.

Blitzschnell hat die SVP reagiert: Kaum hatte der «Blick» diese Woche den Fall «Sex-Arzt» publik gemacht, hatte sie schon eine entsprechende Interpellation parat: Unter anderem will die SVP von der Regierung wissen, welche Massnahmen der Kantonsarzt in diesem speziellen Fall ergriffen habe und wie der Regierungsrat die Leistungen der kantonalen Aufsicht über die Ärzte beurteile.

Der Arzt ist auch bei der Patientenstelle Aargau/Solothurn bekannt. «Wegen Anfragen von Patienten stehen wir mit dem Kantonsarzt in Kontakt», erklärt Yvonne Blöchliger von der Patientenstelle.