Verteidigerin Renate Senn zeichnete von ihrem Mandanten das Bild eines zutiefst zerrissenen Menschen, der praktisch Opfer seiner selbst wurde. Diese Zerrissenheit habe an jenem 21. Dezember 2015 "ein tragisches Ende genommen".

Der heute 34-Jährige habe eine erfolgreiche Zukunft vor sich gehabt, bis er etwa zwanzig Jahre alt war, sagte Senn. Seine vor der Aussenwelt verheimlichte Pädophilie habe ihn aber immer schwerer belastet und zunehmend aus dem Gleichgewicht gebracht, er sei süchtig geworden nach einschlägigen Bildern und Filmen im Internet.

Irgendwann sei der Wunsch aufgekommen, seinen Trieb in der Realität auszuleben, auch wenn er dies bekämpft habe: "Es kann nicht sein, es darf nicht sein."

Nach langen Gedankenspielen, nach Zögern und Hadern habe er dem Drang nachgegeben - eher widerstrebend, so Senn. Er habe beim Haus der späteren Opfer geklingelt, sei eingelassen worden und habe den Tatplan nun verwirklichen müssen.

"Spontan gehandelt"

Der Schweizer habe "spontan vor Ort gehandelt", sagte die Verteidigerin. Zwar habe er "grob einen Plan" entworfen, auch Vorbereitungen getroffen, Details habe er nicht geplant. Es habe eine gewisse Eigendynamik ergeben.

Getötet habe er, um seine Taten zu vertuschen, nicht aus Lust am Töten. Gehandelt habe er aus drei Gründen: zur sexuellen Befriedigung, aus Scham und aus finanziellen Gründen.

Sein pädophiler Drang wollte ausgelebt werden. Und weil er nicht den Mut hatte, seiner Mutter sein Scheitern an mehreren Unis und seine Lügen über ein angeblich erfolgreiches Leben zu gestehen, musste er Geld beschaffen.

«Es gibt kein Therapiebedürfnis»: Deshalb will die Staatsanwältin Thomas N. lebenslänglich verwahren

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Gegensteuer zu lebenslänglicher Verwahrung

Senn betonte mehrmals, Anlassdelikt sei ein Sexualdelikt aufgrund der ausgeprägten Pädophilie ihres Mandanten gewesen. Und ohne die festgestellten narzisstischen und zwanghaften Züge wäre er nie in die damalige Situation gekommen, zu töten. Damit gab sie Gegensteuer zur staatsanwaltlichen Forderung nach lebenslanger Verwahrung, die eine dauerhafte Untherapierbarkeit voraussetzt.

Laut den Gutachtern kann nämlich eine Pädophilie mit einer Therapie zwar nicht geheilt werden, der Betroffene kann aber lernen, deliktfrei damit umzugehen. Auch die Persönlichkeitsstörungen sind behandelbar. Die Staatsanwältin hatte argumentiert, es sei keine Störung Ursache der Tat - damit könne eine solche auch nicht behandelt werden.

Kriminalkommissär zum Rupperswil-Prozess: «Ein kluges Vorgehen der Staatsanwaltschaft»

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Der langjährige Kriminalkommissär Markus Melzl beobachtet und analysiert den Prozess im Fall des Vierfachmordes von Rupperswil. Am Mittag des zweiten Prozesstags äussert er sich zum Plädoyer der Staatsanwältin Barbara Loppacher, zur Frage, wie die Polizei dem Täter auf die Schliche kommen konnte, und zum Lebenspartner der getöteten Carla Schauer.

Faires Urteil

Die Öffentlichkeit fordere eine drakonische Bestrafung ihres Mandanten - dieser gehöre "für immer weggesperrt". Dies dürfe aber nicht die Entscheidung des Gerichts beeinflussen, dieses müsse fair ausfallen. In der Schweiz seien Freiheitsstrafen in der Regel endlich. Eine Verwahrung dagegen sei keine Bestrafung, sondern solle die Öffentlichkeit schützen, so lange ein Täter gefährlich sei.

Schliesslich machte Senn verschiedene Gründe für eine Strafmilderung geltend: Zugunsten ihres Mandanten müsse gewertet werden, dass dieser nach seiner Verhaftung sofort gestanden und sich kooperativ gezeigt habe. Er sei sich bewusst, mit seiner Tat viel Leid verursacht zu haben und empfinde Reue. Senn las einen Brief des Beschuldigen an die Opferfamilien vor, in dem er schrieb, wie leid ihm alles tue.

Zudem übte sie Behörden- und Medienschelte: Die tendenziöse Art der Information durch die Strafbehörden nach der Verhaftung habe eine "mediale Treibjagd" und Vorverurteilung ihres Mandanten ausgelöst.

«Mit den Familienfotos wollte ich den Gegensatz aufzeigen zwischen früher und heute»

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Zweiter Prozesstag im Fall des Vierfachmords von Rupperswil. Gegenüber Tele M1 erläutert Opferanwalt Markus Leimbacher sein Plädoyer vom Vormittag, bei dem er unter anderem Fotos der glücklichen Familie Schauer gezeigt hat. Die hinterbliebene Familie beschreibt er als zutiefst erschüttert.