Verordnung
Bisher nicht gerne gesehen, neuerdings sogar verboten: Tauben, Schwäne und Co. dürfen nicht mehr gefüttert werden

Bisher hat die Stadt Aarau darauf aufmerksam gemacht, dass man Tauben und Schwäne nicht füttern soll. Auch wenn das jetzt nun sogar verboten ist, wird nicht intensiver kontrolliert.

Eva Wanner
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In Aarau wird schon länger darauf aufmerksam gemacht, dass man Wildtiere nicht füttern soll.

In Aarau wird schon länger darauf aufmerksam gemacht, dass man Wildtiere nicht füttern soll.

Nadja Rohner

Ein Spaziergang am Wasser, mit vielen Gedanken im Kopf und einer Tüte alten Brots in der Hand. Klingt idyllisch, ist es auch. Allerdings sollte einem vor allem ein Gedanke durch den Kopf schwirren: Das Brot, das schadet den Vögeln, denen man was Gutes tun will.

Und seit einigen Tagen noch etwas: Wer das Brot dem Entlein oder dem Schwan hinwirft, tut etwas Verbotenes. Seit Anfang Jahr ist kantonsweit die neue Verordnung zum kantonalen Jagdgesetz in Kraft. Und darin heisst es eben, dass das Füttern von Wildtieren verboten ist. Ausnahme sind Singvögel im Winter (dort gilt es allerdings gewisse Grundsätze zu befolgen, Auskunft bietet etwa www.vogelwarte.ch).

Gemäss jagdstatistik.ch , einem Portal des Bundesamts für Umwelt, werden in der Schweiz Wildtiere als frei lebende Wirbeltiere definiert. «Dazu gehören die Säugetiere, die Vögel, Reptilien und Amphibien sowie die Fische. Zusammen zählen sie etwas mehr als 550 Arten», heisst es.

Die «falsche Tierliebe»

Unter die neue Jagdgesetz-Verordnung fallen also auch Schwan, Ente – und Taube. Von letzteren hat es in Aarau so einige; rund 2000, wie es bei der Stadt auf Anfrage heisst. 2016 waren es gar noch 5000; damals wurde das Taubenmanagement eingeführt. Der Taubenverantwortliche Giuseppe Graziano kümmert sich um die beiden städtischen Taubenverschläge und tauscht in den Nestern die echten Eier gegen solche aus Gips aus.

Betreute Schläge seien eine gute Sache, weil die Tiere hygienische Brutplätze vorfinden und der Bestand reduziert werden kann, heisst es aus Aarau weiter. «Gleichzeitig werden die Besuchenden aufgeklärt, warum die Stadttauben nicht gefüttert werden sollen.» Denn das habe wiederum Einfluss auf den Bestand – und das Futter sei oft das Falsche. Den Menschen, welche die Tiere füttern, müsse bewusst werden, dass es sich bei ihrem Handeln um «falsche Tierliebe» handle.

In Lenzburg wird kein Strassentauben-Monitoring durchgeführt. Die Anzahl wird gemäss Auskunft der Stadt auf rund 30 bis 50 Tiere geschätzt, die sich mehrheitlich in einem Areal konzentrieren. Dort seien sie allerdings ungeschützt und werden «auch von Greifvögeln aufgegriffen».

Keine zusätzlichen Massnahmen

Opfer von falscher Tierliebe werden auch Wasservögel immer wieder. «Altes Brot, Pizzareste und andere Essensreste, die den Schwänen und Enten meistens verfüttert werden, sind für die Tiere ungesund und nicht artgerecht», heisst es bei der Stadt Aarau. Die Wasservögel wüssten selber, wo sie in geeigneten Habitaten ausreichend natürliches Futter finden und seien auf zusätzliches von Menschen nicht angewiesen.

Auf das neue Verbot machen auch die Hallwilersee-Ranger auf ihrer Website aufmerksam. «Füttern von Wildtieren offiziell verboten», ist die Mitteilung dick und rot übertitelt. Gefolgt von: «Dein Futter macht uns krank!» Brot verschimmle im Wasser und quelle im Magen der Tiere auf, «was sie sehr krank machen kann». Das zusätzliche Nahrungsangebot locke übermässig viele Wasservögel an, was zu einer Überpopulation führe, Konkurrenz und Aggressivität erhöhe und die Ausbreitung von Krankheiten und Parasiten fördere. Der Appell ist klar: nicht füttern.

150 Franken gemäss Ordnungsbussenverordnung

Nun gut, schon bisher war es also nicht gern gesehen. Aber werden nun, da es verboten ist, auch mehr Kontrollen durchgeführt? Nein, heisst es aus Aarau. Konkret: «Die Revision des Jagd- und Wildtierschutzgesetzes wird den Auftrag der Abteilung Sicherheit nicht verändern. Spezielle Aktionen sind nicht geplant und die Thematik wird ausschliesslich im Rahmen der ordentlichen Diensttätigkeit bewirtschaftet, sofern nötig.» Das grosse Bussenverteilen ist an der Aare also nicht zu erwarten.

Ein Blick in die schweizweit geltende Ordnungsbussenverordnung lohnt sich dennoch und enthüllt: Für das Füttern von wild lebenden Tieren würden 150 Franken fällig.