Lenzburg

Vermummte Gestalten zogen durch die verdunkelte Stadt von Lenzburg

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Lenzburger Schützen zwischen Tradition und modernem Management. In der Nacht vom Freitag auf den Samstag, zogen vermummte Gestalten durch die verdunkelte Stadt.

Die Schützengesellschaft Lenzburg lässt sich ihre bald 550-jährige Tradition nicht vermiesen.

Und so zogen in der Nacht vom Freitag auf den Samstag, als das Rathausglöcklein die zwölfte Stunde schlug, vermummte Gestalten mit schlurfendem Gang, klagendem Gesang und schepperndem Schellenklang durch die verdunkelte Stadt.

«Hudihudiha, Hudihudiha, Hudihudiha, Halleluja!» hallte es in den Gassen, verspätetes Nachtvolk genoss das grause Geschehen.

Die Joggeli-Prozession geht auf die 1464 gegründete St. Wolfgangsbruderschaft zurück und wird in deren Nachfolge von den Schützen als Abschluss des Absendens zelebriert. Über Jahrhunderte hat sich der Brauch erhalten, doch in der Neuzeit ist er bedroht.

So bedingte die Umstellung vom Leintuch zum Fixleintuch vor einigen Jahren eine Sammelaktion, um den mit «Hootschgufe» fixierten Umhang für die Zukunft sicherzustellen. Und jetzt droht der Nachwuchsmangel die noch marschtüchtige Mannschaft zu dezimieren.

Als Ehrengast der Schützengarde sah sich deshalb Stadtrat Martin Steinmann, der die Joggeli als Laternenmann sicher durch die dunklen Gassen geleitet, zu einem feurigen Appell veranlasst.

Wie es sich gehört als Standrede vom Stuhl, forderte er im Hinblick auf das nächstjährige 550-Jahr-Jubiläum der Schützengesellschaft zur Rettungsaktion des Brauchtums auf. 30 Joggeli sind ihm nicht genug. In besorgten Kreisen wird deshalb eine Wiedererweckung der Wolfgangsbruderschaft erwogen.

Dass die Schützengesellschaft trotz Traditionsbewusstsein durchaus mit der Zeit geht, bewies der historische Entscheid, erstmals eine Präsidentin zu küren. Madeleine-Cathérine Baumann managte ihre erste Versammlung mit Bravour.

Als Meisterschützin wurde sie zum dritten Mal in Folge als «Hosenmann» 300 Meter ausgerufen; das gleiche Palmarès erreichte auch Pistoleurin Denise Glarner, die zudem noch doppelte Gesellschaftsmeisterin ist.

Dass die «GSoA-Zwängerei» im Aargau deutlich abgeschmettert wurde, macht sie stolz. Schiessen müsse ein Breitensport für alle bleiben, denn dies zähle zum Gesellschafts-Gefüge, zum Kitt zwischen Bevölkerung und Armee.

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