Fall Padrutt

Verkauf von Villa Malaga reicht wohl nicht aus, um Gläubiger zu bezahlen

Verliert täglich an Wert: die Villa Malaga, ein «Rohdiamant».Freudiger

Verliert täglich an Wert: die Villa Malaga, ein «Rohdiamant».Freudiger

In der Villa Malaga in Lenzburg war die Anwaltskanzlei von Roland Padrutt untergebracht. Wenn die Liegenschaft versteigert wird, stehen die Gläubiger Schlange. Doch das Geld aus dem Verkauf reicht wohl gar nicht, um alle Schulden zu tilgen.

In der Strafsache Padrutt will die Staatsanwaltschaft Aargau zwei beschlagnahmte Liegenschaften verwerten lassen, darunter die Villa Malaga in Lenzburg. Der Erlös aus dem Verkauf der ehemaligen Padrutt’schen Anwaltskanzlei soll «zur Deckung der Zivilforderungen» und «zur Sicherstellung der Verfahrenskosten» verwendet werden, steht in der Anklageschrift. Die Gesamtdeliktsumme beträgt 1,7 Mio. Franken.

Dass die Villa Malaga deshalb seit August 2011 im Grundbuch mit einer Sperre belegt ist, war dem Konkursamt Aargau bis letzte Woche nicht bewusst, wie es auf Anfrage der «Nordwestschweiz» einräumt. Nicht nur straf-, sondern auch konkursrechtlich ist nämlich ein Verwertungsbegehren hängig. Dies von Pfandgläubigern, die ihre Forderungen ins Grundbuch eintragen liessen. Dabei soll es sich um Bauhandwerker handeln, welche die Liegenschaft renovierten.

Leer und verlottert

Die Grundstücksperre bedeutet, dass dem Konkursamt die Hände gebunden sind. Würde es die Villa Malaga versteigern, könnte diese nicht einfach so den Eigentümer wechseln. Das Bezirksgericht Lenzburg muss nun entscheiden, ob eine Verwertung erst nach dem Strafprozess oder doch schon vorher möglich ist.

Roland Padrutt kaufte die Liegenschaft über seine inzwischen liquidierte Villa Malaga GmbH Ende 2010. Ein Jahr später verlegte er seine Büroräumlichkeiten hierhin. Seit Frühjahr 2012, als die mutmasslichen Vermögensdelikte publik wurden und Padrutt seine Berufsbewilligung niederlegte, steht das Anwesen leer und verlottert.

Wert schon heute tiefer

Mit jedem Tag verliert die Liegenschaft an Wert. Der zuständige Konkursbeamte Daniel Bosshard geht davon aus, dass dieser schon heute tiefer liegt als die Summe aller grundpfandgesicherten Forderungen. Was bedeutet, dass aus einem Verkauf kaum mehr ein Überschuss resultieren dürfte, von dem die Zivilkläger aus dem Strafverfahren etwas hätten. Einige von ihnen sollen sich laut Anklage unfreiwillig an der Villa Malaga beteiligt haben, indem Padrutt ihr Geld – insgesamt 425'000 Franken – für Anzahlungen, Renovations-, Unterhalts- und Reinigungskosten missbrauchte.

Hoffen können die Zivilkläger, die erst nach den Pfandgläubigern an die Reihe kommen, auf das Szenario, dass jemand einen Liebhaberpreis für die Villa Malaga hinblättert. Dem Vernehmen nach soll es einige Interessenten geben; in Lenzburger Kreisen wird sie jedenfalls als «Rohdiamant» bezeichnet.

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