Verfahren
Hypi-Verwaltungsrat René Brülhart hat Kummer wegen seiner Tätigkeit für den Papst – er muss in Rom vor Gericht

In seiner Funktion als Finanzaufseher des Vatikans wird René Brülhart «Amtsmissbrauch» vorgeworfen. Brülhart, der auch Verwaltungsrat der Hypothekarbank Lenzburg ist, muss übernächste Woche in Rom vor Gericht erscheinen.

Urs Helbling
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René Brülhart, fotografiert am 1. April 2016 in Lenzburg, als er neuer Verwaltungsrat der Hypi wurde.

René Brülhart, fotografiert am 1. April 2016 in Lenzburg, als er neuer Verwaltungsrat der Hypi wurde.

Chris Iseli

Da braut sich etwas zusammen, auch wenn einer der neun Angeklagten jegliche Schuld von sich weist. Ab 27. Juli wird in Rom unter anderem gegen René Brülhart (48) verhandelt. Der Zürcher Finanzexperte Brülhart war bis im November 2017 Präsident des Verwaltungsrates der vatikanischen Finanzaufsichtsbehörde (AIF).

Brülhart ist noch immer Verwaltungsrat der Hypothekarbank Lenzburg (Hypi). Diese musste ihm schon vor zwei Jahren, als er erstmals in ein schiefes Licht geriet, den Rücken stärken. «Hypi steht zu Brülhart», titelte damals die Anlegerzeitung «Finanz und Wirtschaft».

Der Prozess dürfte sich über lange Zeit hinziehen

Der Fall ist komplex und mehrschichtig.

Fest steht: Am 3. Juli berichtete das portal «kath.ch» unter den Titel «Finanzskandal: Vatikan wirft René Brülhart Amtsmissbrauch vor.» Die Newsseite «kath.ch» wird von der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz getragen.

Fest steht weiter: Am Dienstag war der Hypi-Verwaltungsrat Thema im «Tages-Anzeiger». Auf einer ganzen Seite, unter dem Titel «Geheime Mission im Schatten des Vatikans». Es hiess: «René Brülhart muss vor Gericht, weil er als oberster Finanzaufseher des Papstes sein Amt missbraucht haben soll.

Kaum bekannt ist, dass der Schweizer parallel dazu private Operationen für schillernde Auftraggeber ausführte.» René Brülhart und der ehemalige Bundesanwalt Michael Lauber stehen sich nahe. Brülhart lernte Lauber kennen, als er in Liechtenstein Präsident der Chef der Geldwäschereibehörde war (2004 bis 2012).

Wie der Medienmitteilung des Vatikans vom 3. Juli zu entnehmen ist, soll der in Fribourg aufgewachsene Jurist Brülhart seine Funktion als Verwaltungsratspräsident der vatikanischen Finanzaufsicht missbraucht haben. Das ist umso bemerkenswerter, als der lange Zeit den Ruf eines Saubermanns hatte.

Brülhart: «Immer im Interesse des Heiligen Stuhls»

Die Gerichtsverhandlung wird am 27. Juli beginnen. Es ist damit zu rechnen, dass der Prozess viel Zeit in Anspruch nehmen wird und Brülhart lange mit der Hypothek des Verfahrens wird leben müssen. «Schon bisher nahmen wesentlich einfacher gelagerte Fälle Jahre in Anspruch», schreibt «kath.ch».

Brülhart hat sofort mit einer Medienmitteilung auf die Anklage reagiert. Er kritisiert einen Verfahrensfehler, da er Anfang Juli noch gar nicht formell informiert werden sei. Und er betont: «Ich habe meine Funktionen und Aufgaben immer mit Korrektheit, Loyalität und im ausschliesslichen Interesse des Heiligen Stuhls und seiner Organe ausgeführt.»

Mehr noch: «Ich sehe dieser Angelegenheit mit Gelassenheit entgegen. in der Überzeugung, dass die Anschuldigungen gegen mich vollumfänglich aus der Welt geschafft wird.» Wie auch immer: Bei der Hypi wird man unter Leitung von Präsident Gerhard Hanhart mit Interesse verfolgen, was in Rom passiert.