Urteil
«Autokönig» geht nun auch nach Lausanne: Fall Santoro liegt beim Bundesgericht

Einer der grössten Fälle von Wirtschaftskriminalität, den der Kanton Aargau je gesehen hat, findet mit dem Obergerichtsurteil vom September kein Ende. Sowohl der Beschuldigte als auch die Oberstaatsanwaltschaft gelangen ans Bundesgericht.

Nadja Rohner
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Riccardo Santoro (l.) vor Obergericht

Riccardo Santoro (l.) vor Obergericht

Tele M1

Vor gut zehn Jahren, im Mai 2011, fuhren bei der SAR Premium Cars in Dintikon 17 Sattelschlepper vor und transportierten die dort stehenden Audis, Porsches und Bentleys ab. Die grosse Luxusauto-Leasingpleite machte national Schlagzeilen.

Im Januar 2019 dann wurde der einstige Inhaber der SAR, der «Autokönig» Riccardo Santoro, vom Bezirksgericht Lenzburg des gewerbsmässigen Betrugs, der Misswirtschaft, Veruntreuung, Urkundenfälschung und der ungetreuen Geschäftsbesorgung schuldig gesprochen. Ihm wurde nicht nur eine Gefängnisstrafe von sechs Jahren und eine Geldstrafe von knapp 26'000 Franken auferlegt, das Gericht sprach auch seiner damaligen Leasing-Partnerfirma Fidis Finance AG einen Schadenersatz von gut zwölf Millionen Franken zu.

Der Gang ans Obergericht – durch die Staatsanwaltschaft und durch den Beschuldigten – war absehbar. Und tatsächlich auch lohnenswert für Santoro: In einigen der zahlreichen Fälle gab es einen Freispruch; die Freiheitsstrafe wurde von 6 Jahren auf 5 Jahre und 3 Monate reduziert, die Geldstrafe von 32'000 Franken neu bedingt ausgesprochen. Enorm reduziert wurde die Schadenersatzsumme: von 12,2 Millionen auf noch 2,9 Millionen Franken.

Damit ist die Reise durch die Gerichte für den fünzigjährigen Santoro noch nicht zu Ende. Der Fall liegt nun in Lausanne beim Bundesgericht. Sowohl Santoro selber als auch die Aargauer Oberstaatsanwaltschaft haben das Urteil des Obergerichts beim Bundesgericht angefochten.

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