Lenzburg

Urs Bucher darf das Turnzentrum nicht bauen – wegen eines Berechnungsfehlers?

Architekt Urs Bucher darf das kantonale Turnzentrum Lenzburg nicht bauen.

Architekt Urs Bucher darf das kantonale Turnzentrum Lenzburg nicht bauen.

Der Lenzburger Architekt nimmt Stellung zum Entscheid der Jury, wer das kantonale Turnzentrum bauen darf.

Ein 12,5-Millionen-Projekt: Im Herbst soll der Spatenstich für das kantonale Turnzentrum in Lenzburg erfolgen. Jetzt gibt es überraschende Misstöne. In den Augen des Lenzburger Architekten Urs Bucher (48) hat der Falsche den Auftrag erhalten. Bucher ist Geschäftsführer von Architekten Bucher& Kehl AG.

In der Einleitung einer Medienmitteilung schreibt Bucher: «Architekten Bucher & Kehl AG gewinnt GP-Submission ‹Turnzentrum Aargau›. Trotzdem wurde der Auftrag fast 80'000 Franken teurer an einen Mitbewerber vergeben. Das Entscheidungsgremium hatte mutmasslich einen Rechnungsfehler gemacht und in der Folge einen falschen Sieger gekürt.»

Die Medienmitteilung von Urs Bucher ist sehr ausführlich und speziell. Die AZ druckt sie ausnahmsweise im Wortlaut:

«‹Ihre Unternehmung wurde ausgewählt aufgrund von Erfahrung und Kompetenz an der Generalplaner-Submission teilzunehmen›, heisst es im Einladungs-Schreiben der Tschudin+Urech AG zur Generalplaner-Submission. Entsprechend scheute Urs Bucher, Geschäftsführer von Bucher & Kehl AG keine Mühe und keinen Aufwand, um ein möglichst gutes Angebot abzugeben. ‹Ich war selbst viele Jahre lang Kunstturner und weiss genau was das Turnzentrum für die Aargauer Turnszene bedeutet. Ich weiss auch dass in Vereinen nur ehrenamtliche Arbeit geleistet wird. Auf der aufgeschalteten Webseite des Turnzentrums sammelt das Turnzentrum ja Geld. ‹Ob gross oder klein – jeder Beitrag ist wertvoll›, steht da.›

Ein grosszügiges  Sponsoring-Angebot

Bucher wollte einen grossen Beitrag leisten. Denn das Turnzentrum liegt ihm am Herzen, war er doch selbst 10 Jahre lang Präsident vom Turnverein Lenzburg. Bereits im Frühling 2018 nahm er deshalb Kontakt mit dem Aargauischen Turnverband auf und deponierte seine Absicht, ein grosszügiges Sponsoring mittels konkurrenzlos günstigen Architekturleistungen zu leisten.

Lange Zeit ging trotz mehrmaligem Nachfragen gar nichts. Die Verantwortlichen seitens ATV hatten entweder keine Zeit für ein Treffen oder waren im Entscheidungsprozess noch nicht so weit, die entsprechenden Schritte zu generieren.

Auftragsvergabe fast 80'000 Franken teurer

Im Herbst 2019 wurde die Bucher&Kehl AG eingeladen an der Generalplaner-Submission teilzunehmen, zu welchem nur Architekturbüros mit entsprechender Erfahrung zugelassen waren. Nebst einem finanziellen Angebot hatte jeder Teilnehmer Referenzobjekte anzugeben. Bucher & Kehl nahm in Kooperation mit Architekt Martin Richner, Gränichen, und mit einem ausgewiesenen Fachplaner-Team am Wettbewerb teil.

Als Referenzen gab man unter anderem zwei ältere Turnhallen an, die bis heute durch Funktionalität und Langlebigkeit überzeugen und in welchen regelmässig Wettkämpfe des Aargauischen Turnverbandes stattfinden. Finanziell konnte Bucher seine Partner überzeugen, zu Gunsten vom Turnsport mit tiefen Eigenkosten zu rechnen.

Kurz vor Weihnachten wird Urs Bucher mittels Schreiben von der Tschudin+Urech AG informiert, dass der Auftrag rund 80'000 Franken teurer an ein anderes Büro vergeben wurde. ‹Ich habe die Welt nicht mehr verstanden.› Erst am 9. Januar 2020 wurde Bucher auf mehrmaliges Nachfragen zu einem Klärungsgespräch vom aargauischen Turnverband und Walter Tschudin eingeladen, bei welchem die Bewertungskriterien offengelegt wurden. Die Resultate daraus schockieren ihn noch heute.

‹Unsere Referenzen, obwohl komplexe Projekte im Baumanagement, wurden überaus tief bewertet, die beiden Turnhallen erhielten gar ungenügende Noten, da angeblich zu alt. Als ob sich das Bauen die letzten Jahre grundlegend verändert hätte.› – Weiter hiess es auch: Die Honorarangaben von Bucher & Kehl seien unrealistisch tief. ‹Dabei habe ich mehrmals betont, dass wir damit ein Architektursponsoring beabsichtigen.›

Am Gespräch kam auch aus: Walter Tschudin, Verantwortlicher Bau der Turnzentrum GmbH, hat mit fehlerhaften Berechnungen einen falschen Sieger gekürt. ‹So etwas darf nicht passieren»› sagt Bucher. ‹Zumal es Walter Tschudin selbst war, der die Bewertungskriterien definiert hatte.› Am 10. Januar schliesslich legte Walter Tschudin der Turnzentrum Aargau GmbH eine korrigierte Berechnung vor, die Bucher&Kehl als Sieger ausweist. ‹Hätte ich nicht mittels Anwalt Klarheit über diesen Fall verlangt, wäre ich bis heute nicht informiert worden›, sagt Bucher.

Das Turnzentrum bauen darf er dennoch nicht. Die Turnzentrum GmbH hat ihn mittels Anwalt informiert, dass er trotz Wettbewerbsgewinn keinen Anspruch auf den Auftrag habe, bei privaten Submissionen seien sie nicht verpflichtet, den Auftrag an den Sieger zu vergeben. Auf eine Entschuldigung von Walter Tschudin wartet Bucher bis heute.

Architekt Bucher ist ‹extrem enttäuscht›

‹Ich bin extrem enttäuscht vom Aargauischen Turnverband und der Turnzentrum GmbH›, so Urs Bucher ‹Und ich frage mich wer jetzt für die Mehrkosten aufkommen muss›, sagt er. ‹Hoffentlich sind es nicht die jungen Turner, die dort trainieren, deren Eltern, oder die Vereine.›

Als ehemaliger Präsident des Turnvereins Lenzburg bereitet ihm das Vorgehen des Aargauischen Turnverbandes Sorgen. ‹Ich hätte nie gedacht dass solche Dinge in der Turnszene und auf dem Platz Lenzburg passieren können›, fasst er abschliessend zusammen.»

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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