Grossprojekte

Unterführung, Verwaltung, Sportplatz und mehr: Dafür will Lenzburg rund 70 Millionen investieren

Bahnhof und Bahnhof-Umgebung werden sich markant verändern.

Bahnhof und Bahnhof-Umgebung werden sich markant verändern.

Die Umgestaltung des Bahnhofplatzes verschlingen erhebliche Summen. Ebenso ins Geld gehen das neue Verwaltungszentrum der Stadt, der Ausbau des Werkhofareals und verschiedene Strassenbauprojekte. Wir zeigen Ihnen die grössten Brocken.

Vergangene Woche wurde es offiziell: Lenzburg bekommt beim Bahnhof eine zweite Personenunterführung im Westen mit Zugang zu den Perrons (die AZ berichtete). Das Bundesamt für Verkehr, die SBB, der Kanton und die Stadt Lenzburg haben im Rahmen der Projektierung erkannt, dass zur Entflechtung der Personenströme auf dem Bahnhofplatz eine zweite Personenunterführung notwendig ist.

Für diese Lösung hatte sich der Stadtrat Lenzburg zuvor mächtig ins Zeug gelegt. Finanziert wird der zweite unterirdische Zugang zu den Perrons zur Hälfte über das Projekt «Ausbau Publikumsanlagen Bahnhof Lenzburg» und zu je einem Viertel von Kanton und Stadt, was für Lenzburg rund zwei Millionen Franken ausmachen wird. Im Finanzplan der Stadt Lenzburg sind dafür ab 2023 unter der Bezeichnung «Bahnhof, Anteil SBB-Infrastruktur» diese zwei Millionen Franken eingestellt.

Nebst den bereits im Bau befindlichen Projekten will Lenzburg in den kommenden fünf Jahren rund 44,3 Millionen Franken investieren. Weitere 30 Millionen Franken fallen später an, wenn Projekte realisiert werden, welche während der aktuellen Planungsphase bis 2023 angestossen werden. Lenzburg hat am vergangenen Wochenende dem Budget 2019 mit einem unveränderten Steuerfuss von 105 Prozent zugestimmt.

Auch wenn die Sanierung und Modernisierung der Schulanlagen (rund 25 Millionen Franken) bald abgeschlossen ist, so ist der Finanzbedarf Lenzburgs weiterhin beträchtlich. Der bereits erwähnte Bahnhof und die Umgestaltung des Bahnhofplatzes verschlingen erhebliche Summen. Ebenso ins Geld gehen das neue Verwaltungszentrum der Stadt, der Ausbau des Werkhofareals und verschiedene Strassenbauprojekte. Das sind die grössten Brocken:

8,2 Millionen für Bahnhof und Unterführung

Fünf Jahre, nachdem im Frühling 2014 aus heiterem Himmel das Aus für das Projekt «Loop» mit einem neuen Bahnhofplatz und einem Bushof kam, kommt die Bahnhofumgebung wieder aufs Tapet. Im Budget 2019 sind 150 000 Franken für eine Testplanung eingestellt. Diese Testplanung wird laut dem für das Ressort Bau zuständigen Stadtrat Martin Stücheli in den nächsten Monaten gestartet, und zwar nach der Fertigstellung der laufenden «funktionalen Studie Verkehr» für den Bereich Bahnhof.

Die in Zusammenarbeit mit den SBB und dem Departement Bau Verkehr und Umwelt beim Kanton Aargau erarbeitete Studie wird demnächst fertiggestellt. «Sie zeigt auf, wie der Bahnhof Lenzburg seine Funktion als regionale Verkehrsdrehscheibe erfüllen kann, und stimmt die wichtigsten Anlageteile optimal aufeinander ab», erklärt Stücheli. «Das bestehende Aufnahmegebäude wird zurückgebaut und schafft Platz für die neuen Gleisanlagen mit wesentlich breiteren Perrons. Mit der Direkteinführung der Seetalbahn entfällt zudem das Queren der Bahnhofstrasse für die Zugspassagiere aus dem Seetal.

Das neue Aufnahmegebäude wie auch der Busterminal werden Richtung Westen geschoben. Dabei hat sich ganz klar ergeben, dass eine zweite, westlich gelegene Personenunterführung sinnvoll ist», erklärt Stücheli.

Für das Projekt Bahnhofplatz rechnet Lenzburg mit Kosten von rund 8,2 Millionen Franken (inklusive der erwähnten 2 Mio. für die zweite Unterführung). In den kommenden fünf Jahren fallen vor allem Planungs- und Projektierungsarbeiten in der Grössenordnung von 1,2 Millionen Franken an. Der grosse Brocken betrifft die effektiven Ausbauarbeiten, die voraussichtlich ab 2023 anfallen.

28 Millionen für Strassenprojekte

Die Bahnhofstrasse ist eine Holperpiste.

Die Bahnhofstrasse ist eine Holperpiste.

Der Finanzbedarf für die Sanierung und Modernisierung des städtischen Strassennetzes ist hoch. Allen voran hat die Bahnhofstrasse mittlerweile unerfreulichen Ruhm als «Holperpiste» erlangt. «Auf alle Fälle muss die Bahnhofstrasse saniert werden, bevor die Arbeiten beim Bahnhof starten», sagt Stadtrat und Bauressortvorsteher Martin Stücheli. Für die Sanierung und Umgestaltung der Bahnhofstrasse sieht der Finanzplan 2020 und 2021 je 900 000 Franken vor.

Zu den grösseren Ausgabeposten gehören die Ringstrasse West und Nord. Für 4,6 Millionen Franken werden sie in Etappen saniert. Der Einwohnerrat hat in seiner Sitzung vom kommenden Donnerstag über die zweite Tranche Ringstrasse West von 690 000 Franken zu befinden. Die vorgesehene Verlängerung der Ringstrasse Nord ist im Finanzplan mit einem geschätzten Aufwand von 3,7 Millionen Franken ausgewiesen. Dazu erklärt Martin Stücheli. «Mit diesem Strassenprojekt soll das restliche Gewerbeland in der Hammermatte erschlossen werden. Zudem soll damit auch die Sägestrasse substanziell entlastet werden.»

Freiämterplatz und Spange Süd

9 Millionen Franken alleine schon verschlingt die Modernisierung des Freiämterplatzes. Hier besteht grosser Optimierungs- und Ausbaubedarf. Gleichzeitig soll die Strasse von der aktuellen Baustelle beim Knoten Neuhof über den Freiämterplatz hinaus bis zur Gemeindegrenze nach Niederlenz saniert werden. Laut Martin Stücheli wird auch die Sicherheit bei der Einfahrt von der Othmarsingerstrasse in die Hendschikerstrasse verbessert. Diese Arbeiten werden nach Abschluss des Knotens Neuhof nach 2021 in Angriff genommen.

4,6 Millionen kostet die vorgesehene Spange Süd (Seonerstrasse). Da zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Verkehrsmanagements Region Lenzburg die Spange Süd voraussichtlich noch nicht realisiert sein wird, hat der Stadtrat Vorbehalte geltend gemacht. «Der Stadtrat hat darauf hingewiesen, dass die Verkehrsströme auch ohne Spange Süd gelenkt und dosiert werden müssen», so Stücheli. Für die Projektierung sind im Finanzplan 2023 600 000 Franken vorgesehen.

32 Millionen für neue Verwaltung und Werkhof

Die Verwaltungszentrale im Rathaus.

Die Verwaltungszentrale im Rathaus.

Seit Jahren schon ist immer wieder die Rede von einem neuen Verwaltungszentrum für die städtische Administration. Bisher wurden jedoch keine konkreten Pläne gezeigt. Offenbar ist der Stadtrat noch nicht so weit, eine Lösung präsentieren zu können, welche der aus allen Nähten platzenden Stadtverwaltung aus der Bredouille hilft. Stadtammann Daniel Mosimann hat in einem Interview kürzlich die Notwendigkeit des Projekts unterstrichen. Zusätzlich zum neuen Verwaltungszentrum prüft der Stadtrat ein separates Stadtbüro, das der Bevölkerung als zentrale Anlaufstelle dient.

Finanzministerin Franziska Möhl doppelt nun nach und verweist auf «laufende Abklärungen bezüglich des Standorts und Überlegungen, ob die Verwaltung der Stadt zukünftig zentral oder dezentral geführt werden soll». Was das Stadtbüro anbelangt, so wäre für Möhl ein örtliches Zusammengehen mit dem Tourismusbüro «durchaus denkbar». Im Finanzplan sind 2019 400 000 Franken für «Machbarkeit und Standort» eingestellt. Für die Realisation des Verwaltungszentrums sind ab 2021 und folgende Jahre total 15,5 Millionen Franken eingeplant.

Ausbau des Werkhof-Areals

Als im Sommer 2017 der Forstwerkhof bis auf die Grundmauern niederbrannte, bestellte der Stadtrat eine Arbeitsgruppe, welche sich mit der Zukunft des gesamten Werkhof-Areals befasste. Nebst einem neuen Forstwerkhof werden auch die beiden anderen Betriebe (SWL Energie AG und Bauamtswerkhof) überprüft und organisiert.

Die Arbeitsgruppe ist nun zum Schluss gelangt, dass der notwendige Raumbedarf für die drei Nutzer auf dem bestehenden Areal an der Werkhofstrasse geschaffen werden soll. Für Planungsarbeiten sieht der Finanzplan im Jahr 2019 300 000 Franken vor. Die Kosten von 15,5 Millionen Franken für die Bauarbeiten sind ab 2020 eingestellt.

Es wird also noch einige Zeit dauern, bis der Forstwerkhof in seinen Neubau an der Werkhofstrasse zurückkehren kann. Wie bekannt wurde, wird er in der Zwischenzeit in der AGF-Halle im Alten Zeughaus untergebracht. In der Vergangenheit hatte in den Räumen das Stapferhaus seine Ausstellungen durchgeführt.

2,2 Millionen für Sportplatz Wilmatten

Die Sportplatzsanierung erhält Priorität.

Die Sportplatzsanierung erhält Priorität.

Die Sportanlage Wilmatten soll früher saniert werden als bisher vorgesehen. Ab 2019 bis 2023 werden in verschiedenen Etappen 2,2 Millionen Franken investiert. «Zuallererst kommt der Trainingsplatz Süd an die Reihe. Er soll bereits 2019 mit einem Kunstrasen versehen werden», sagt Stücheli.

Die Vorlage dazu soll im Frühjahr 2019 dem Einwohnerrat vorgelegt werden können. Für Finanzministerin Möhl ist das zeitliche Vorverschieben «ein Zeichen, das man gegenüber den vielen sportbegeisterten Menschen in Lenzburg setzen will». Stadtammann Mosimann hat dazu kürzlich erklärt, dass die Stadt ihr Label als «familienfreundliche Stadt» und «aktiv in der Jugendarbeit» auch umsetzen wolle. «Dazu gehört, dass wir dem Fussballclub einen Platz zur Verfügung stellen, auf dem er auch in Zukunft eine gute (Jugend-)Arbeit machen kann.»

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