Hägglingen
«Unser Ziel ist eine gesunde Landi»

An ihrer Generalversammlung hat die Landi Maiengrün Andreas Vogel aus Hägglingen zum neuen Verwaltungsratspräsidenten gewählt. Er tritt die Nachfolge von Kurt Eggimann an, der nach 23 Jahren von diesem Amt zurücktrat.

Hanny Dorer
Drucken
Teilen
Andreas Vogel mit einigen seiner Aufzuchtrinder vor dem Stall in Hägglingen.

Andreas Vogel mit einigen seiner Aufzuchtrinder vor dem Stall in Hägglingen.

Es regnet auch in Hägglingen in Strömen. Deshalb findet das Gespräch mit Andreas Vogel, dem neuen Verwaltungsratspräsidenten der Landi Maiengrün, in der behaglichen Stube seines Wohnhauses statt, das auf einer Anhöhe oberhalb von Hägglingen liegt.

Herr Vogel, Ihr Vorgänger Kurt Eggimann war 23 Jahre lang Präsident. Werden Sie auch so lange im Amt bleiben?

Andreas Vogel: Ich glaube nicht, dass das in unserer schnelllebigen Zeit noch möglich ist. Aber darüber mache ich mir jetzt noch keine Gedanken.

Was hat Sie seinerzeit motiviert, im Verwaltungsrat der Landi Maiengrün tätig zu werden?

Ich wurde von der Landi Maiengrün angefragt und für mich war sofort klar, dass ich da gerne mitmache. Ich schätze das genossenschaftliche Denken, bei dem nicht kurzfristiger Gewinn, sondern der Mensch im Vordergrund steht. Ich kannte die Landi bereits als verlässliche Firma, deren Verantwortliche an die Landwirtschaft in der Schweiz glauben. Aber natürlich hat mich auch die Herausforderung gereizt.

Wie wurden Sie auf Ihr Amt als Verwaltungsratspräsident vorbereitet?

Nach meiner Wahl in den Verwaltungsrat im Jahr 2010 absolvierte ich diverse Landi-spezifische Verwaltungsrats-Seminare und später verschiedene Kurse zur Vorbereitung auf das Präsidentenamt.

Als Präsident werden Sie zusätzliche Aufgaben haben. Wie können Sie diese mit Ihrem eigenen Betrieb vereinbaren?

Vor allem muss man gut organisieren und Prioritäten richtig setzen. Ich habe den Vorteil, dass ich meine Zeit frei einteilen kann. Neben meinem eigenen Betrieb helfe ich bei anderen Bauern aus, mache Ferienablösungen, führe Lohnarbeiten aus und betätige mich auch als Schreiner und Gärtner.

Welche Herausforderungen werden Sie als erstes zu bewältigen haben, beziehungsweise welche dringend zu lösenden Probleme stehen in nächster Zukunft an?

Im Landi-Bereich geht es darum, den Markt-Anteil auszubauen. Im Agro-Bereich stehen keine grösseren Projekte an. Der Detailhandel hingegen ist permanent im Umbruch. Wir betreuen 16 Volg-Läden und 28 Wohnungen, also geht die Arbeit nie aus. Gegenwärtig sind wir daran, in Thalheim einen neuen Standort für eine neue Volg-Filiale zu suchen. Die Verhandlungen dazu laufen und wir hoffen, 2017 den neuen Laden beziehen zu können. Auch andere Neubauprojekte werden uns in den nächsten Jahren beschäftigen. Unser Ziel ist eine gesunde Landi, eine nachhaltige Weiterentwicklung, wobei wir nur kontrollierte Risiken eingehen.

Können Sie sich vorstellen, dass die Landi Maiengrün einmal mit einer anderen Genossenschaft fusioniert?

Eine Fusion ist nicht in Planung. Hingegen arbeiten wir schon jetzt in unkomplizierter Form zusammen, indem wir uns zum Beispiel einen Lastwagen mit anderen Genossenschaften teilen. Auch helfen wir uns gegenseitig mit Produkten aus. Es ist eine sehr lose Zusammenarbeit, ohne Verpflichtung, zugunsten der Kunden.

Ende Jahr wird auch Geschäftsführer Josef Bucher zurücktreten. Ist sein Nachfolger schon bekannt?

Ja, Roger Müller wird am 1. September 2015 in die Landi Maiengrün eintreten und ab 1. Januar 2016 die Verantwortung über den Detailhandel übernehmen. Müller war ursprünglich Schnitt- und Topfpflanzen-Gärtner, hat sich dann weitergebildet, war von 2000 bis 2008 Stellvertretender Ladenleiter in Lenzburg, wurde dann Ladenleiter bei der Landi Wasserschloss und war ab 2010 Geschäftsführer der Landi Wasserschloss. Jetzt kehrt er zur Landi Maiengrün, also zu seinem Ursprung, zurück.

Wenn man von Landi oder Volg spricht, denkt man unweigerlich auch an Rabattmärkli. Sind diese noch zeitgemäss?

Absolut. Man gibt den Kunden mit diesem Rabatt etwas zurück, ohne dass ihre Einkäufe irgendwo registriert werden. Sie gehören zum Erfolgsrezept der kleinen Volg-Läden und sind in den Dörfern fest verankert.

Freuen Sie sich auf die neuen Aufgaben?

Ja natürlich, sonst würde ich es gar nicht tun. Es ist eine schöne Aufgabe, in einem so motivierten Team mitzuarbeiten. Ich schätze besonders den respektvollen Umgang, der gepflegt wird. Ein solches Amt muss man mit Überzeugung ausüben. Schliesslich gilt es, mit der Entwicklung Schritt zu halten. Auch die Landi wird sich der Zukunft anpassen müssen.

Landi Maiengrün weist einen Gewinn aus

An seiner letzten Generalversammlung konnte der scheidende Verwaltungsratspräsident Kurt Eggimann ein erfreuliches Geschäftsergebnis bekannt geben: Gegenüber dem Vorjahr erhöhte sich der Unternehmensgewinn um 11 000 auf 190 000 Franken. Gestiegen ist auch der Umsatz um zwei Prozent auf 53,2 Mio. Franken.
Die Landi Maiengrün mit Sitz in Hendschiken betreibt die Landi Agro Hendschiken, den Landi-Laden Lenzburg sowie 16 Volg-Läden in der Region. Sie beschäftigt, zusammen mit der Tochtergesellschaft Rüebliland AG, über 200 Mitarbeitende und bildet über 10 Lehrlinge aus. Im vergangenen Jahr wurden die Filialen Möriken und Auenstein erneuert. In Hendschiken wurden neue Lokalitäten bezogen, die alte Verkaufsstelle zurückgebaut und ein neuer Dorfplatz erstellt. In Thalheim wurde die alte Liegenschaft samt Volg-Laden verkauft. Der daraus resultierende Buchgewinn wurde zugunsten einer neuen Volg-Filiale ertragsneutral zurückgestellt.
Als Nachfolger von Kurt Eggimann wurde Andreas Vogel aus Hägglingen zum neuen Verwaltungsratspräsidenten gewählt. Die entstandene Lücke im 12-köpfigen Verwaltungsrat schliesst Thomas Haller, Birrhard.
Kurt Eggimann stand 36 Jahre lang im Dienst der Genossenschaften, zuerst als Vizepräsident in Mülligen, dann im Verwaltungsrat der Landi Maiengrün und zuletzt während 23 Jahren als deren Präsident. Da Ende Jahr auch innerhalb der Geschäftsführung eine Ablösung stattfindet, hat Eggimann beschlossen, vor Ablauf seiner Amtszeit zurückzutreten und so eine reibungslose Nachfolge zu sichern. «Die Zusammenarbeit mit Kurt Eggimann war stets geprägt von Respekt und einer hohen gegenseitiger Wertschätzung», blickte Geschäftsführer Josef Bucher auf die 35 gemeinsamen Jahre zurück und lobte Eggimann als kompetenten und toleranten Präsidenten. Bucher selber wird Ende Jahr die Geschäftsleitung einem Nachfolger übergeben, bleibt aber dem Unternehmen eine zeitlang noch als Geschäftsführer der Rüebliland AG erhalten. (do)