Die Fotografin und Layouterin Katharina Good ist mitverantwortlich für das diesen Samstag beginnende Festivals «Guck mal Günther, Kunst» im Kulturhaus Tommasini in Lenzburg.  

Sie kuratieren ab Samstag ein Kunstfestival mit. Was hat es damit auf sich?

Katharina Good: Das Festival heisst «Guck mal Günther, Kunst». Ich bin dieses Jahr zum zweiten Mal dabei. Wir haben eine Ausstellung und einige Kulturveranstaltungen wie einen Literaturabend, Performances und Konzerte. In der Ausstellung zeigen 20 junge Kunstschaffende ihre Arbeit. Die Bandbreite reicht von Reproduktionen über rückwärtsgelesene lateinische Texte bis hin zu Experimentalfilmen. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, die Vielfalt junger Kunst abzubilden. 

Wieso gerade junge Kunst?

Weil wir selber noch am Anfang unserer Karriere sind. Wir möchten jungen Talenten die Möglichkeit bieten, sich auszudrücken. Schon das erste Festival war so ausgelegt und hat gut funktioniert.

Der Titel «Guck mal Günther, Kunst» macht neugierig. Woher kommt der Name?

Günther repräsentiert den Otto Normalbürger, der Kunst entdeckt. Viele Menschen finden Kunst spannend, sagen «Oh, ist das schön!». Sehen sie ein Werk aber eingerahmt an der Wand hängen, verstehen sie es nicht. Unser Festival soll den Menschen die Angst vor Kunst nehmen. Es geht nicht darum, Kunst zu verstehen oder Kunst zu definieren. Wie definiert man Kunst? Jeder hat das selber zu bestimmen. Hält jemand seine Fotografie für Kunst, so ist es auch Kunst. Ich persönlich halte meine schönen Fotos nicht für Kunst.

Ist die Arbeit mit jungen Menschen eine besondere Herausforderung?

Viele der Künstler, mit denen wir jetzt arbeiten, sind noch sehr unerfahren, genau wie wir selbst. Sie sind jedoch viel offener und bereit für Veränderungen. Wir versuchen, Vorschläge zur Präsentation zu geben. Junge Menschen sind eher bereit, diese anzunehmen, als professionelle Künstler.

Spielen neue Medien bei junger Kunst eine wichtige Rolle?

Wir haben sehr viele Videoarbeiten und eine Arbeit mit einem E-Reader: Der Künstler hat nackte Menschen fotografiert und lässt im E-Reader einen Text über die Bilder laufen, der von der Computerstimme gelesen wird. Da der Text Lateinisch ist und rückwärts abläuft, versteht man ihn nicht. Das ist der Moment, in dem man hinschaut, sich wundert. Ob das ein Spezifikum der Jugend ist, ist schwer zu sagen. Ich kenne durchaus auch ältere Netzkünstler.

Ihr bietet einen Brunch mit den Kreativen an. Dient dieser zur Vernetzung oder eher zur Vermarktung?

Beides. Der Brunch soll die Möglichkeit bieten, die Ausstellenden ganz ungezwungen kennen zu lernen. Gleichzeitig soll er für diese eine Chance zur Präsentation sein. Ich möchte aber nicht von einer klassischen PR-Veranstaltung sprechen, sondern eher von einem Kennenlernen.

In eurem Programm findet sich ein Abend zum experimentellen Filmschaffen. Ist das nicht zu provokant für ein eher konservatives Kleinstadtpublikum?

Ja klar, es werden sich viele an dem stossen, was wir da zeigen. Speziell der Filmabend soll bewusst Grenzen aufbrechen, das Publikum flashen. Das Ziel ist Wahrnehmungsverzerrung, die Sinneswahrnehmung herauszufordern. Wir haben sogar über die Idee, Filme an der Grenze zur Pornografie zu zeigen, nachgedacht. Barrieren aufbrechen ist die Devise.

Wieso habt ihr nicht Zürich, das über eine sehr etablierte Kunstszene verfügt, als Ausstellungsort gewählt?

In Zürich gibt es schon sehr viel. Natürlich ist es in Lenzburg schwieriger, ein breites Publikum zu erreichen, die Wahl des Ortes hat aber auch pragmatische Gründe: Wir bekommen Raum zur Verfügung gestellt und müssen keine Miete zahlen.

Was zeichnet ein gutes Kunstwerk für Sie aus?

Ich interessiere mich allgemein für Visuelles. Es ist spannend auf Werke zu stossen, die unterschiedlich sind, die es dem Betrachter erlauben, sich zu vertiefen. Kunstwerke können Kulturen abbilden und ich mag es, Kulturen aus Bildern ablesen zu können. Es packt mich, wenn ein Werk besondere Stimmung, oder eine Botschaft vermittelt.