Hallwil
Unheimliche Gestalten gingen mit Soiblotere auf Menschen los

Am Berchtoldstag trieben in Hallwil grosse und kleine Bärzeli durchs Dorf. Auch wenn die Larven Furcht einflössen und die Kostüme zwicken und stechen: Die Bärzeli bringen Glück.

Anna Wanner
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Die kleinen Bärzeli bekommen einen Batzen
13 Bilder
Impressionen vom Bärzelitag Hallwil
Der Schnäggehüslig bekommt auch einen Batzen
Gruppenbild der Bärzeli Hallwil
Der Stächpaumig «umarmt» einen Zuschauer
Der Kameltreiber fängt eine junge Frau
Der Kameltreiber in Aktion
Der Schnäggehüslig
Der Hobuspöönig
Der Hobuspöönig und sein Opfer
Der Lumpig
Der Spielchärtler und der Straumaa
Der Lumpig mit dem Kässeli

Die kleinen Bärzeli bekommen einen Batzen

Emanuel Freudiger

Unheimliche Gestalten stürmen zum Gemeindehaus. Auf ihrem Weg springen sie Passanten an oder schlagen mit gebündelten «Soiblotere» drauflos. Auf dem Gemeindeplatz hat sich das halbe Dorf versammelt. Die Hallwiler stehen dicht beisammen. Es gibt kein Entrinnen vor den Bärzeli. Denn die suchen hinter allen Ecken nach neuen Opfern. Sich zu wehren, ist ebenfalls zwecklos. Denn wer sich am Berchtoldstag auf den Hallwiler Strassen aufhält, setzt sich dem Treiben der Bärzeli aus.

Auch wenn die Larven Furcht einflössen und die Kostüme zwicken und stechen, die Bärzeli bringen Glück. Wer vom «Tannreesig» aus Tannästen, vom «Stächpaumig» aus Stechpalmen, vom «Hobuspöönig» aus Hobelspänen oder vom «Straumaa» aus Strohbündeln umarmt wird, dem ist ein gutes neues Jahr bestimmt. So sagt es zumindest der Brauch, den man in Hallwil seit mehr als 150 Jahren kennt.

Junge Männer nähen freiwillig

«Der Hobuspöönig wiegt 30 Kilo», sagt Thomas Bucher, Sprecher der Bärzeli. «Und wenn es regnet, saugen die Späne Wasser auf.» 1000 Späne hobelten die Männer, um sie an ein einziges Kostüm zu nähen. 200 Arbeitsstunden stecken darin. «Müsste man dafür bezahlen, könnten wir mit dem Brauch aufhören», sagt Bucher. Doch Hallwil befinde sich in einer Hochphase des Brauchtums. Die jungen Männer helfen freiwillig.

Kurz vor zwei sammeln sich die 13 Bärzeli zur Ankleide. Aus den Lautsprechern singt Blur «Woo Hoo» und die jungen Männer schreien mit. Bevor sie sich die Larve über den Kopf ziehen, qualmen sie noch die letzte Zigarette und nehmen einen Schluck aus der Bierflasche, die herumgereicht wird. Zuvor gab es einen Teller Spaghetti. Stärkung sei wichtig, sagt Thomas Bucher. Die Bärzeli sind den ganzen Nachmittag unterwegs. Aber zu viel trinken sei keine gute Idee. Vor allem weil man das Kostüm auf dem WC jedes Mal ausziehen müsse.