Möriken-Wildegg

Und sie drehen sich: Am Sonntag ist in der Hellmatt Rhönrad-Schweizer-Meisterschaft

Carina Marty und Deborah Fischer haben ein Hobby, das die meisten aus dem Zirkus kennen: Sie turnen Rhönrad.

Wenn die beiden jungen Frauen zusammen an einem Rad ihre Kür vorführen, wird die Dreifachturnhalle Hellmatt zur Manege. Scheinbar mühelos setzen sie den Doppelreifen in Bewegung. In geschmeidigen Bewegungen wechseln sie von einer Position in die nächste, wirbeln um Sprossen, hängen kopfüber oder sitzen plötzlich zuoberst auf dem Rad. Dieses fährt immer weiter, während die Turnerinnen bis in die Zehen- und Fingerspitzen gestreckt ihre Figuren ausführen. Doch nie können sie zulange in einer Position verharren, denn der Boden kommt schon wieder näher.

Als einer von wenigen Vereinen führt der Satus Möriken-Wildegg eine Rhönrad-Riege. Am Sonntag finden in der Dreifachturnhalle Hellmatt in Wildegg die Schweizer meisterschaften im Rhönradturnen statt. Carina Marty (20) und Deborah Fischer (23) kommen beide aus Niederlenz und haben in Wildegg die Bez besucht. Auf der Suche nach einem Hobby stiegen sie ins Rhönrad. Heute, zirka zehn Jahre später, turnen beide immer noch und sind auch Leiterinnen geworden.

Der Rhönradsport ist beliebt in Möriken-Wildegg, es gibt sogar eine Warteliste. Das liegt an der begrenzten Zahl der Räder, am Platz in der Halle und an den Sicherheitsvorschriften. «Nur geübte Turnerinnen dürfen alleine turnen», sagt Deborah Fischer. Verständlich, dieses Rhönradturnen wirkt schon ein wenig gefährlich. Aber nicht gefährlicher als andere Sportarten, betonen die Frauen. Carina Marty sucht ihre Arme nach blauen Flecken und Schürfungen ab, zufälligerweise sieht gerade alles ziemlich unversehrt aus. «Es kommt oft vor, dass man sich irgendwo stösst», sagt sie. «Aber schwere Verletzungen haben wir praktisch keine», sagt Deborah Fischer. Auch die typischen Gelenkverletzungen von Stop-and-Go-Sportarten wie Volleyball kennen die Rhönradturnerinnen nicht.

Während die Frauen turnen und der Fotograf dem Rad hinterherrennt, trippelt eine Gruppe Mädchen in die Turnhalle und schaut zu. Sie warten darauf, dass ihr Trampolintraining im anderen Teil der Halle beginnt. Und ein Mädchen wartet zusätzlich darauf, dass sie endlich 1.35 Meter gross ist. «Dann darf ich auch Rhönrad turnen», sagt es. Die Riege hat Rhönräder mit Durchmessern von 1,75 bis 2,25 Metern, für das kleinste braucht es diese Mindestkörpergrösse.

Auch Buben sind willkommen

Momentan ist die Riege rein weiblich. «Aber Buben dürfen auch kommen», sagt Deborah Fischer. Es habe gerade einfach keine. Die Riege bietet pro Woche zwei bis drei Trainings an. Marty und Fischer haben für die Schweizer Meisterschaften noch ein zusätzliches Training eingeschoben. Beide haben sich neben dem Paarturnen auch einzeln für den Wettkampf qualifiziert. Deborah Fischer wird sich auch zu Musik durchs Rhönrad schwingen und die vorgegeben Schwierigkeitsteile mit kreativen Elementen kombinieren. Carina Marty macht «Geradeturnen ohne Musik». Dabei werden ausschliesslich Schwierigkeitselemente vorgeführt.

Nach ihrer Kür atmen beide Frauen stark. Rhönradturnen ist anstrengend, es erfordert viel Muskelkraft und Körperspannung. Aber das könne man alles lernen, Anfängerinnen und Anfänger müssen keine speziellen Bedingungen erfüllen. Ausser die zirka 1,35 Meter Körpergrösse, auf die das Mädchen aus der Trampolin-Riege plangt.

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