Beinwil am See
Umbau Hotel «Löwen»: Gemeinderat will die ganze Übung abbrechen

Der Umbau des alt ehrwürdigen Hotel Löwen in Beinwil am See zur Gemeindeverwaltung macht laut dem Gemeinderat keinen Sinn. Er will das Projekt abbrechen und die Verwaltung in einem Neubau unterbringen.

Pascal Meier
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Der Gemeinderat schlägt für das alte Hotel Löwen einen anderen Verwendungszweck vor.

Der Gemeinderat schlägt für das alte Hotel Löwen einen anderen Verwendungszweck vor.

Es ist immer unwahrscheinlicher, dass das leerstehende Hotel/Restaurant Löwen im Herzen von Beinwil am See zum repräsentativen Sitz der Gemeindeverwaltung wird. Der Gemeinderat will das Projekt nach jahrelanger Planung abbrechen.

Zwar beantragt er an der nächsten Gemeindeversammlung einen Baukredit von 6,1 Millionen Franken für den Umbau, ruft aber gleichzeitig zur Ablehnung des Kredits auf.

Wie passt das zusammen? Seit Oktober 2012, als die Stimmbürger mit dem knappen Ja zum Planungskredit von 650 000 Franken den 4,9 Millionen teuren Umbau zur Verwaltung (mit Vereinszimmer) grundsätzlich genehmigten, ist viel passiert.

Der Architekturwettbewerb endete im Fiasko. Jury und Gemeinderat fanden keines der fünf eingereichten Projekte überzeugend. «Die Verwaltung im ‹Löwen› würde damit 7,7 bis 9 Millionen kosten und das Kostendach von 4,9 Millionen massiv überschreiten», sagte Gemeindeammann Peter Lenzin am Donnerstag an einer öffentlichen Orientierung, an der rund 100 Böjuer teilnahmen.

Zudem würden die Projekte die Abläufe der Gemeindeverwaltung, die derzeit im Alten Schulhaus zu wenig Platz hat, kaum verbessert. Der Gemeinderat brach deshalb den Architekturwettbewerb ohne Sieger ab.

Zwei Architekten sehen die Schuld jedoch bei Gemeinderat und Jury und fordern deshalb Schadenersatz. Der Fall kommt vor Gericht, wie jetzt bekannt wurde (siehe separater Artikel).

Neubau auf der grünen Wiese?

Für den Gemeinderat ist nach dem abgebrochenen Wettbewerb klar: Für 4,9 Millionen kann im «Löwen» keine effiziente Gemeindeverwaltung mit Vereinszimmer gebaut werden.

Weil die Bevölkerung jedoch 2012 genau das mit dem Ja zum Planungskredit beschlossen hatte, legt der Gemeinderat der Gemeindeversammlung vom 19. Juni trotzdem einen Kredit für den Umbau vor – jedoch ohne Vereinszimmer, was die Kosten senkt.

Der Gemeinderat rechnet dafür mit 5,5 Millionen, beantragt aber wegen unvorhersehbaren Zusatzkosten am alten Gebäude 6,1 Millionen. «Da ist immer noch zu viel für das, was wir bekommen», stellte Peter Lenzin an der Versammlung unmissverständlich klar – und hielt fest: «Die Gemeindeverwaltung im ‹Löwen› ist machbar, macht aber wenig Sinn.»

An der Versammlung präsentierte der Gemeinderat eine Alternative: Die Verwaltung könnte für maximal fünf Millionen als Neubau am heutigen Standort der Feuerwehr erstellt werden.

Das Problem: Der Umzug der Feuerwehr an den neuen Standort im Gewerbegebiet Widenmatt verzögert sich wegen Einwendungen. «Das ist für die Verwaltung dennoch die beste Lösung und die Kosten sind im Gegensatz zum ‹Löwen› kontrollierbar», so Lenzin.

Was passiert mit dem «Löwen»?

An der Gemeindeversammlung kann auch über diese Variante abgestimmt werden: Lehnen die Stimmbürger den «Löwen»-Umbau ab, wird der Gemeinderat einen Kredit von 120 000 Franken beantragen, um einen Ideenwettbewerb für den Neubau am heutigen Standort der Feuerwehr zu starten.

Damit wäre jedoch wieder offen, was mit dem «Löwen» passiert, der die Gemeinde jährlich 200 000 Franken an Unterhalt kostet. Zurück auf Feld 1 ist man aber nicht: «Wir wollen den ‹Löwen› für die Gemeinde beleben», sagte Lenzin.

Im Erdgeschoss soll ein Mehrzweck-/Vereinsraum, im Untergeschoss ein Vereinsarchiv entstehen. In den weiteren Räumen könnten Spitex und Bibliothek untergebracht werden. Dafür beantragt der Gemeinderat der Versammlung einen weiteren Kredit von 150 000 Franken für eine Zustandsanalyse und ein Nutzungskonzept. Der Löwen soll sanft saniert werden, im Finanzplan sind dafür zwei Millionen Franken vorgesehen.

An der Orientierung sorgten diese Pläne für unterschiedliche Reaktionen. Die einen gratulierten dem Gemeinderat für den Mut, den «Murks mit der Verwaltung im ‹Löwen›» endlich abzubrechen. Andere kritisierten, damit gehe die Planerei von vorne los, die Kosten seien langsam untragbar.

Peter Lenzin erwiderte: «Die neue Planung ist billiger, als eine Verwaltung, mit der wir jahrzehntelang unzufrieden sind.»

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