Hendschiken

Uhr-Turm beendet eine Odyssee – ein Stück Geschichte kehrt heim

Gemeindeammann Daniel Lüem mit dem Dach und dem Turmaufbau des ersten Hendschiker Schulhauses auf dem Areal der Familie an der Brunnmattenstrasse.

Gemeindeammann Daniel Lüem mit dem Dach und dem Turmaufbau des ersten Hendschiker Schulhauses auf dem Areal der Familie an der Brunnmattenstrasse.

Der Aufbau des ersten Schulhauses kehrt aufs Schulgelände zurück. Nachdem er vor einem Brand gerettet werden konnte, lag sie lange Zeit auf einem Grundstück, welches nun bebaut werden soll.

Der Kreis schliesst sich: Der Dachaufbau mit dem markanten Uhr-Turm des allerersten Schulhauses von Hendschiken kehrt nach einer längeren Odyssee von einem Privatgrundstück bald aufs Schulareal zurück.

Dreimal war die Gefahr gross, dass der rundum mit Kupferblech ausgekleidete Uhr-Turm, mit dem viele Hendschiker auch heute noch zahlreiche Erinnerungen verbinden, für das Bünztaldorf verloren gegangen wäre.

Mitte des letzten Jahrhunderts waren Aufbau und Gebäude bei einem Brand massiv gefährdet, doch der Turm konnte von der Feuerwehr – wenn auch mit ein paar Brandspuren – gerettet werden.

Vater des Ammanns als Retter

Im Jahr 1981, als das am Anfang des 19. Jahrhundert erstellte Schulhaus abgerissen wurde, fand Heinz Lüem, der Vater des aktuellen Gemeindeammanns Daniel Lüem, dass man zumindest das Dachstück mit dem Turm der Nachwelt erhalten sollte. «Ich war damals im Ausland und hörte bei einem Heimatabstecher im ‹Horner› von den Abrissplänen.

Weil die Gemeinde kein Geld hatte, um den Turm zu erhalten, wollte ich ihn kaufen.» Erst ein Beschluss der Gemeindeversammlung ermöglichte damals den Verkauf an eine Privatperson. Das Uhrwerk übrigens wurde restauriert und ist im Kirchgemeindehaus ausgestellt.

Nach dem Ja der Gmeind fand der Uhr-Turm für Jahre seinen Platz auf einem Grundstück der Familie Lüem an der Brunnmattenstrasse. Ein Fundament wurde dafür errichtet und einige Fenster mit zugekauften Butzenscheiben verziert. «Die ganze Sache hat mich rund 40 000 bis 50 000 Franken gekostet», bilanziert Heinz Lüem heute die ganze Aktion.

Rückkehr als Schattenspender

Doch die Reise des Erinnerungsstücks ans erste Hendschiker Schulhaus endet nicht hier, denn das Areal wird jetzt gebraucht. Hier ist der Bau eines Einfamilienhauses vorgesehen. Zum dritten und vorerst letzten Mal drohte der Uhr-Turm dem Dorf verlustig zu gehen: Interessenten aus dem Kanton Luzern meldeten sich.

Doch die ebenfalls kontaktierte Gemeinde schaltete sich ein und zeigte Interesse. Im Rahmen des Baus des neuen Schulhauses soll der Uhr-Turm auf dem ebenfalls neu gestalteten Schulareal einen vielleicht nun definitiven Platz neben der Turnhalle finden. Die neue Funktion: Schattenspender für einen darunter vorgesehenen Sitzplatz.

Hier kann man dann seine Gedanken in die Vergangenheit schweifen lassen: Unter dem Dach befand sich nicht nur die normale Schule, sondern auch die Sonntagsschule und hier ging man früher zum Gottesdienst.

Die drei Glocken im Turm wurden nicht nur vom Abwart, sondern hin und wieder auch von Schülern geläutet. Doch wer nicht recht tat, wurde hier ins sogenannte «Gefängnis» gesteckt.

Ammann im Ausstand

Die Einwohnergemeinde erhält das Erinnerungsstück an ein früheres Dorf-Wahrzeichen gratis, muss jedoch die Kosten für den Transport und die Montage übernehmen. «Während den ganzen Beratungen zu diesem Geschäft begab ich mich immer in den Ausstand», sagt Gemeindeammann Daniel Lüem, der aber froh ist, dass das Dachstück innerhalb der Gemarkungen der Gemeinde Hendschiken bleibt: «Der Turm ist immerhin Teil der Gemeindegeschichte; es wäre schade gewesen, wenn er weggekommen wäre.»

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