Landwirt Robert Meyer aus Dintikon reichte ein Baugesuch für eine Regen- und Hagelüberdachung für seine Himbeerkultur in Ammerswiler Rohracker ein. Die Anlage befindet sich in der Landschaftsschutzzone, deshalb wies der Gemeinderat die Bedachung ab. Der Kanton hingegen bewilligte das Gesuch mit einer zeitlichen Befristung von fünf Jahren.

Ein Interessenskonflikt also, auch wenn der Gemeinderat Entscheidungsträger ist: Während der Kanton die landwirtschaftlichen Interessen berücksichtigte, stellte die Gemeinde Ammerswil das Landschaftsschutzbild in den Vordergrund. «Die Bedachung ist auffällig und wirkt störend auf das schützenswerte Landschaftsbild», sagt Gemeindeammann Hanspeter Gehrig. Das geplante Witterungsschutzsystem könne nicht mit einem gewöhnlichen Hagelschutznetz verglichen werden. «Solche Folientunnels wirken während der Sommersaison, in der sie aufgespannt sind, wie Glashäuser.»

Für ein solches landwirtschaftliches Bauvorhaben ist in der benachbarten Landwirtschaftszone Platz reserviert, findet die Gemeinde. Die Überdachungen seien im Dorf ein grosses Thema gewesen, sagt Hanspeter Gehrig. Mehrere Einsprachen gingen ein.

Verständlich. Mit Kulturüberdachungen machten die Ammerswiler bereits vor Jahren schlechte Erfahrungen. Damals stellten Bauern immer mehr Foliengewächshäuser auf ihrem Land auf. Die Angst bei der Bevölkerung vor einem «Folien-Dorf» wuchs. Die Gemeinde gebot dem ganzen Einhalt und überlagerte einen grossen Teil des Landwirtschaftslandes mit einer Landschaftsschutzzone. Dies geschah während der letzten Zonenplanrevision 2003.

Kantone auch ohne Bewilligung

Der Kanton siehts anders: Für ihn kommen Absatz und Qualität der Früchte vor einem harmonischen Landschaftsbild. «Kulturanlagen müssen professionell geführt werden», sagt Matthias Müller, Leiter der Abteilung Landwirtschaft. Himbeeren seien verderbliche Früchte, der Markt jedoch verlange einwandfreie Qualität. «Dieser Anspruch kann nur mit einem Witterungsschutz über die Kulturen erfüllt werden. Zudem schützt die Überdachung vor Pilzbefall.»

Es sei ökologischer, Früchte in der Region anzupflanzen, als sie vom Ausland zu beziehen. «Wir können im Aargau nicht nur von innovativen Landwirten reden, wir müssen sie auch unterstützen.» In gewissen Kantonen sind Regen- und Hagelüberdachungen nicht auflagepflichtig. Im Aargau schon, es braucht eine Baubewilligung dafür.

Für den betroffenen Landwirt Robert Meyer ist der Entscheid des Gemeinderates Ammerswil unverständlich. Der Hang, an dem die Himbeeren gedeihen, sei von der Topografie und Thermik ideal. «Der Witterungsschutz hätte bloss während der Sommermonate über der Kultur gestanden. In unmittelbarer Nähe gibts ausserdem schon Treibhäuser.»

Natürlich wusste Robert Meyer, dass seine Kultur in der Landschaftsschutzzone steht und Überbauungen hier gar nicht erlaubt sind. Doch sind ihm im Aargau andere Gemeinden bekannt, die in gleichen Fällen eine Ausnahme machten. Deshalb reichte er auch ein Baugesuch ein.

Himbeeren pflanzt er in diesem Jahr im Rohracker trotzdem an . «Der Druck, schöne Früchte ohne Schutz zu ziehen, jedoch wächst», sagt Landwirt Meyer.