Bau- und Nutzungsordnung

Über dreissig Einwendungen: Die neue Lenzburger BNO ist umstritten

Lenzburg, im Vordergrund das Zeughaus-Areal.

Lenzburg, im Vordergrund das Zeughaus-Areal.

Es gingen 32 Einwendungen mit bis zu 30 Unterschriften ein. Unter den Einwendern ist auch der Aargauer Heimatschutz.

Die Auflage der gesamtrevidierten Lenzburger Bau- und Nutzungsordnung (BNO) ist am 7. Dezember abgelaufen. Zeit für eine erste Bilanz zu den Einsprachen: Gemäss Christoph Schnegg, Leiter Stadtplanung und Hochbau, sind insgesamt 32 Einwendungen eingegangen, darunter zwei Sammeleinwendungen. «Die eine mit rund 30 Unterzeichnenden, die zweite mit etwa fünf», so Schnegg. Unter den Einsprechern ist auch der Aargauer Heimatschutz.

Die Lenzburger Verwaltung und der Stadtrat haben sich zum Ziel gesetzt, die Einwendungen speditiv zu behandeln. Schon im Herbst soll dem Einwohnerrat eine BNO-Vorlage vorgelegt werden. Ob das Stadtparlament das Geschäft noch in dieser Legislatur (läuft Ende 2021 ab) wird behandeln können? Fest steht: Der Zeitplan ist sehr ehrgeizig. Im vergleichbaren Fall Aarau gab es zum Schluss Verzögerungen, weil die einwohnerrätliche Kommission mit der komplexen Materie sehr gefordert war.

Der einwohnerrätliche BNO-Entscheid untersteht dann dem fakultativen Referendum. Es ist also theoretisch eine Volksabstimmung möglich. Die BNO tritt in Kraft, wenn sie anschliessend vom Regierungsrat genehmigt worden ist.

Einwender fordern mehr Respekt vor dem ISOS

Die Stadt gibt nur summarisch Auskunft über die Einwendungen: So lehnen beispielsweise drei Einwendungen (darunter die mit 30 Unterschriften) Aufzonungen ab. Eine Aufzonung ist beispielsweise entlang der Aarauerstrasse geplant (neu dreigeschossige Wohn- und Mischzone). Sieben Einwendungen hätten es gerne grosszügiger (Einzonung, Aufzonung und Eignungsgebiet für höhere Häuser). Neun wehren sich gegen die Inventarisierung ihrer Gebäude und/oder Gärten, drei lehnen Vorschläge für Schutzzonen ab.

Das Ortsbild von Lenzburg ist gemäss dem Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) national bedeutend. Wegen ISOS mussten zuletzt Projekte am Stadtgässli (zwölf Wohnungen bei der Schreinerei Hächler) und in der Aavorstadt (31 Wohnungen) gestoppt und neu aufgesetzt werden. Noch offen ist, was mit dem Projekt Grabenweg (17 Wohnungen beim Metzgplatz) passieren wird. Sowohl bei der Aavorstadt als auch beim Grabenweg hat der Aargauer Heimatschutz im Baubewilligungsverfahren Einwendungen gemacht. Und er hat das jetzt auch im Rahmen der BNO-Revision getan. Private haben zudem zum Stadtgässli Einsprachen formuliert. Verlangt wird generell mehr Re­spekt vor dem ISOS. Neubauten müssten in der Höhe und der Struktur der Ringzone angepasst sein. Die nun aufgelegte BNO ermögliche zu grossvolumige Bauten. Bei der Aavorstadt stört den Heimatschutz, dass der Schutzbereich genau vor den Häusern aufhört, die er erhalten möchte.

Die Macht der Gutachter steigt

Der Heimatschutz freut sich, dass im Bauinventar neu auch schützenswerte Gärten aufgeführt sind. Ganz generell möchte er gewisse Fragen geklärt haben, die im Zusammenhang mit der Anwendung des neuen alternativen Modells (die Musterbauordnung des Kantons lässt das zu) bei den geschützten Bauten entstehen. Was wirklich geschützt wird, wird künftig erst entschieden, wenn etwas verändert (gebaut) wird. Damit steigt die Macht der Gutachter und des Stadtrates.

Ein Politikum ist in Lenzburg die Stadtbildkommission. Der Heimatschutz möchte die Kommission explizit in der BNO erwähnen und festschreiben, dass ihr unabhängige Fachleute angehören müssen.

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