Jugendfest Lenzburg

Über 400 Jahre Tradition: Das Jugendfest Lenzburg von damals bis heute

Aufgrund der Corona-Pandemie ist das diesjährige Jugendfest in Lenzburg abgesagt worden. Wir schwelgen deshalb in Erinnerungen und blicken auf vergangene Jahre und ihre Höhepunkte zurück.

Seit über 400 Jahren besteht das Lenzburger Jugendfest. Zunächst hiess das Fest noch «Schulknaben Königrych», wobei die besten Schüler jeweils eine Prämie erhielten. Dadurch wurde die Festfreude bei den schlechter abschneidenden Schülern getrübt. Ab dem Jahr 1838 wurde deshalb auf diese Schulprämie verzichtet.

Die Geschichte um das Freischarenmanöver

Alle zwei Jahre findet während des Jugendfests auch das Freischarenmanöver statt. Die Freischaren kämpfen als Piraten, Cowboys und Indianer gegen die Kadetten, bestehend aus der Schuljugend – mit echten Gewehren und Platzpatronen. Der bekannte «Honolulu»-Schlachtruf der Freischaren darf dabei nie fehlen. Das Freilichtspektakel lockt viele Zuschauer an.

Im Jahre 1852 kämpften die Freischaren erstmals gegen die Kadetten – und verloren. Die Zuschauer und die Kadetten fanden Gefallen an der freien Übertragung. Die ersten Bilder davon stammen aus dem Jahre 1906, die neuesten aus 2018. Aufgrund der Coronapandemie wurde das Jugendfest wie auch das Freischarenmanöver in diesem Jahr abgesagt. Das nächste Manöver findet deshalb am Freitag, 9. Juli 2021 statt. Aber warum fallen die Freischaren eigentlich alle zwei Jahre in Lenzburg ein? Zur Geschichte.

Freischarenmanöver 1906

Freischarenmanöver 1906

Das Protokoll zum «Betriebsunfall»

Ein Protokoll aus dem Jahr 1956 beschreibt das Freischarenmanöver wie folgt: «Ein harter Strauss wurde wiederum gefochten. [...] Leider ereignete sich [...] ein bedauerlicher Betriebsunfall. Ein Oragoner hatte mit einem Bein eine Telephonstange gestreift und war wüst gestürzt.»

Freischarenmanöver, Protokoll 1956

Freischarenmanöver, Protokoll 1956

1986: Besammlung der Zugführer vor dem Freischarenmanöver

1986: Besammlung der Zugführer vor dem Freischarenmanöver

Die vergangenen Feste:

Ab 2009 ist das Jugendfest Lenzburg auch bei der Aargauer Zeitung fotografisch online festgehalten. Dazu wurden immer wieder grössere und kleinere Geschichten über das traditionsreiche Fest verfasst.

Die Jugendfestsprüche gehören ebenfalls zur Tradition des Jugendfests in Lenzburg. Im Jahr 2010 hat die Aargauer Zeitung die Sprüche gesammelt. Bezug wurde nicht nur auf das Fest selbst, sondern auch auf die Fussball-WM und die damals bekannten Vuvuzelas genommen.

Dazu gibt es die besten Bilder des damaligen Festes in unserer Galerie.

Heftige Gewitter und «Blick über den Gewehrlauf»

Heftige Gewitter am Vorabend und hohe Temperaturen während des Umzugs. Das Wetter hielt Lenzburg im Jahr 2011 in Atem. Der Umzug verlief aber bei strahlendem Sonnenschein und lockte die Zuschauermassen an.

So verlief das Jugendfest in Lenzburg

Als «eine einzige grosse Festhütte» wird die Stadt Lenzburg im Jahr 2012 im Bericht dieser Zeitung bezeichnet. Die Bilder zeigen, warum diese Bezeichnung richtig ist:

Beim Freischarenmanöver selben Jahres filmte die Aargauer Zeitung quasi mit «Blick über den Gewehrlauf» mit. Herausgekommen ist ein eindrückliches Video mit spannenden Einblicken in die Schlacht. Aber sehen Sie selbst:

az-Fotograf Emanuel Freudiger filmt aus dem Lenzburger Freischarenmanöver heraus

Mütter in Nöten und Sprüche-Zensur

2014 herrschte kein Wetterglück in Lenzburg. Dicke Regenwolken zogen auf. Und dennoch: Die gute Laune liessen sich die Lenzburger nicht nehmen. Hätte es einen Award für den grössten Optimisten gegeben, Jugendfest-Präsident Martin Steinmann hätte ihn wohl gewonnen. Indem er am Schönwetterprogramm festhielt, brachte er manch eine Mutter in Nöte.

Im Jahr 2015 sorgten die Jugendfestsprüche für Aufsehen, auch wenn sie teilweise gar nicht veröffentlicht worden sind. Sittenwächter waren am Werk und ersetzten drei Sprüche, die die Stadt hätten zieren sollen. Unter anderem deshalb, weil ein Schulleiter hätte beleidigt sein können.

Besser wurde es ein Jahr später, 2016, als die Sonne wieder vom Himmel lachte und die Debatte um die zensierten Sprüche vergessen war. Die besten Bilder vom Jugendfest vor vier Jahren gibt es in unserer Bildergalerie:

Zeitraffer, letztes Freischarenmanöver und grosse Bildergalerie

Lenzburg zeigt sich zum Jugendfest in seinem schönsten Gewand. Zum ersten Mal präsentiert die Aargauer Zeitung dabei den Umzug des Fests in einem Zeitraffer. Schauen Sie rein:

Einmal anders: Der Lenzburger Jugendfestumzug im Zeitraffer

Wir springen ins Jahr 2018: Alle zwei Jahre fordern die Freischaren die Kadetten, 2018 angeführt von Frau Hauptmann, Anja Hofstetter, heraus und auch dieses mal waren sie ihres Sieges sicher. Doch es kam anders: Trotz grosser Überzahl und bunten Gewändern scheiterten die wilden Freischaren am  Jugendfest-Manöver einmal mehr am Widerstand der Kadetten – weil es der Brauch so will. Sehen Sie das bisher letzte Freischarenmanöver im Video:

Von der Kriegserklärung bis zum sicheren Sieg: das Lenzburger Freischarenmanöver 2018 im Video

 

Eine grosse Bildergalerie gibt es zum Schluss: Im vergangenen Jahr fliessen im Publikum Freudentränen. Taschentücher werden durch die Reihen gereicht. Die Kindergärtler und Primarschüler haben soeben an der Morgenfeier auf dem Freischarenplatz zum ersten Lied angestimmt. Nicht nur für die Kinder ist das Jugendfest der schönste Tag im Jahr, sondern für ganz Lenzburg. Warum das so ist, zeigt unsere Bildergalerie:

(cri/az)

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