Lenzburg
Über 400 Jahre altes Haus wird komplett neu aufgebaut

Die ehemalige Büezer-Beiz ‹Törli› wird totalsaniert. Zu erhaltenswerter Bausubstanz will man Sorge tragen. Das Haus wird bis auf die Fassaden und die Brandmauern ausgeräumt und neu aufgebaut.

Heiner Halder
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zVg

Neuer Wohnraum wird nicht nur in den Aussenquartieren erstellt, auch in der Altstadt herrscht rege Bautätigkeit: An der Kirchgasse wird die Liegenschaft «Zum unteren Tor» von Grund auf saniert.

Das «Törli», die während Jahrzehnten beliebte «Büezer-Beiz», hat nach mehreren Handwechseln endlich neue Besitzer gefunden, die mit Sachverstand das zuletzt leerstehende Gebäude vor dem endgültigen Zerfall retten.

Mit dem 45 Meter hohen Baukran auf dem Freischarenplatz und hinter der «Verpackung» mit Holzwänden und Gerüsten wird das 1589, wohl nach dem Stadtbrand erstellte historische Haus bis auf die Fassaden und die Brandmauern ausgeräumt und neu aufgebaut. «Auf möglichst substanzschonende Bauweise», verspricht Paul Markwalder von der Firma Markwalder Hochbau GmbH.

Kein hochprofitables Projekt

Der dipl. Baupolier hat eine Zeit lang an der Isegass in Lenzburg gewohnt und bildet zusammen mit Till Rageth, Zimmermann und Holzbauer, Inhaber der Firma AussenHolzbau, und Peter Bienz die Bauherrschaft. Zusammen mit der Renova Real Estate GmbH ist die Firmengruppe «spezialisiert auf Gebäudesanierung, wo sich andere nicht heranwagen», motiviert Markwalder sein Engagement in Lenzburg. Das zum Verkauf stehende «Törli» habe er bei einem Rundgang «zufällig entdeckt» und Handlungsbedarf erkannt, «obwohl das Projekt nicht hochprofitabel wird». Ältere Häuser gefielen ihm extrem gut, sagt Markwalder und ergänzt: «Schon von Kindsbeinen an faszinierten mich historische Bauten. Ich finde, das ‹Törli› passt zu uns.»

Keine schützenswerte Substanz

Abklärungen der Kantonsarchäologie haben im Innenausbau keine besonders erhaltenswerten Bestandteile gefunden, der Dachstock ist verfault, Wasser war eingedrungen. Es war kein herrschaftliches Haus, eher ein «extremes Flickwerk».

Trotzdem wollen die Bauherren in den Wohnungen die noch vorhandenen historischen Spuren zeigen, das Bruchsteinmauerwerk wird, wo möglich, saniert und offengelegt. Die Fassade wird «mit Respekt zum benachbarten Spittel (Stadtbibliothek)» renoviert, die Naturstein-Gesimse werden sorgfältig saniert, das Dach mit Biberschwanz-Ziegeln gedeckt.

Gewerberaum nachgefragt

Im achtstöckigen Gebäude mit drei Dachgeschossen, drei Obergeschossen, Parterre und Gewölbekeller werden fünf Zweieinhalbzimmerwohnungen erstellt und mit einem Lift erschlossen. Im Erdgeschoss entsteht ein Gewerberaum, wofür laut Markwalder bereits eine extreme Nachfrage besteht. Ende Herbst bereits soll das neue «Törli» seine Tore für die neuen Mieter öffnen.

Das Beispiel dieses Bauprojektes und weitere aktuelle Wohnungssanierungen und Fassadenrenovationen beweisen, dass dank der Kerntangente in der autobefreiten beruhigten Altstadt durchaus urbane Wohnqualität herrscht.

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