Leutwil
Tüftler Beat Huber baut Alphörner: «Meine Swiss Lady ist blutt»

Beat Huber aus Leutwil ist erfinderisch, experimentierfreudig – und hat mit seinen selbst gebauten Instrumenten die Alphornszene in der Schweiz in Aufruhr gebracht.

Stefanie Garcia Lainez
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Tüftler Beat Huber aus Leutwil baut Alphörner, die mit einer alten Tradition brechen
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Über Beat Hubers Werkstatt befindet sich das Atelier, wo er alle seine Hörner ausstellt.
Beat Huber baut auch Miniatur-Feuerwehrautos.
Diese Mini-Alphörner können als Souvenirs gekauft werden.
Rechts sind drei normale, dreifach gefaltete Büchel. Der vierte von Rechts ist vierfach gefaltet - eine Erfindung von Beat Huber.
Verschiedene exotische Mundrohre, die auf das Alphorn aufgesetzt werden können.
Beat Hubers CNC-Maschine kann auch Gravuren ausfräsen.
Beat Huber zeigt das Mundrohr eines Alphorns, bei dem drei Personen gleichzeitig in dasselbe Alphorn blasen können. Doch leider funktioniert diese Erfindung nicht. Denn die drei Luftströme konkurrenzieren sich und verfälschen den Klang.
Beat Huber zeigt sein eigenes Alphorn mit Gravur.
Beat Huber hat ein Serpent nachgebaut. Die Pläne für das historische Instrument fand er im Internet.
Beat Huber hat das Susalphorn erfunden.
Beat Huber entwickelt oder zeichnet ein Horn am Computer. Seine CNC-Maschine erledigt den Rest.

Tüftler Beat Huber aus Leutwil baut Alphörner, die mit einer alten Tradition brechen

Stefanie Garcia Lainez

Doch der Reihe nach. Seit zwölf Jahren baut der gelernte Zimmermann Alphörner. Freunde hatten dem Vollblutmusiker einen Alphornblaskurs auf seinen 50. Geburtstag geschenkt. Beat Huber war begeistert und entschied sich kurzerhand, selber Alphörner in seiner Werkstatt herzustellen. Sein erstes Horn baute er von Hand. «Doch der Klang hat mich noch nicht so überzeugt», sagt er. Also probierte er weiter, entwickelte zuerst eine Kopierfräse und kaufte nach zwei Jahren eine grosse computergesteuerte Maschine, mit der er heute seine Alphörner herstellt. Dazu designt er sie zuerst am Computer, die Maschine erledigt den Rest.

Er musste viel Kritik einstecken

Doch der Tüftler stellt nicht die gleichen Instrumente her wie die anderen: «Meine Swiss Lady ist blutt», sagt Huber. Will heissen: Der 62-Jährige verzichtet darauf, das Rohr mit Holzstreifen (Rattan oder Peddigrohr) einzuwickeln. Damit bricht er mit einer jahrhundertalten Tradition, wie er sagt. Und erntete dafür viel Kritik aus der Branche. «Ich musste einiges einstecken», sagt Huber und erklärt: «Früher war der Leim, der die beiden Hälften des Horns zusammenhielt, zu wenig stark. Deshalb wickelte man Weidestreifen um das Rohr.» Doch ohne diese Streifen vibriere das Holz besser, was zu einem klareren Klang führe. «Und das Alphorn sieht ohne Peddigrohr besser aus», fügt Huber mit einem Schmunzeln an. Unterdessen ist der Aufschrei verstummt, und zahlreiche andere Alphornbauer würden ihre Instrumente heute ebenfalls nicht mehr einwickeln, sagt der Leutwiler.

Beim «nackten» Alphorn hat es Huber aber nicht bleiben lassen. Er kreierte ein völlig neues Instrument: Das Susalphorn, das Ähnlichkeiten mit einem Susaphon hat, das man von der Fasnacht her kennt. Kaufen kann man es aber nicht. «Ich baue das Susalphorn exklusiv für unsere Alphorngruppe Leutwil», sagt er. Wer also das spezielle Horn hören möchte, muss einen Auftritt der Alphorngruppe besuchen, die aus fünf Frauen und sieben Männern besteht, darunter auch Hubers 14-jähriges Enkelkind.

Beat Huber hat ein Serpent nachgebaut. Die Pläne für das historische Instrument fand er im Internet.

Beat Huber hat ein Serpent nachgebaut. Die Pläne für das historische Instrument fand er im Internet.

Stefanie Garcia Lainez

Huber baute Saxofon aus Holz

Ein weiteres Unikat ist Beat Hubers Saxalphorn, da man es sowohl in Ges als auch in F spielen kann. Dazu muss der Musiker nur ein Stück des Instrumentes auswechseln. Und für einen Musikstudenten entwickelte Beat Huber sogar ein Saxofon aus Holz. «Wenn ich mal pensioniert bin, baue ich nochmals eines für mich», sagt er. Daneben stellt er auch Alphorn-Mundstücke nach Mass her, baut klassische Büchel oder solche, deren Rohr nicht dreifach, sondern vierfach gefaltet ist.

Doch nicht alle seine Erfindungen sind auch wirklich spielbar. So versuchte Beat Huber, ein Mundrohr für das Alphorn zu entwickeln, bei dem drei Personen gleichzeitig in dasselbe Horn blasen können. Doch die drei verschiedenen Luftströme würden sich konkurrenzieren und den Ton verfälschen, sagt Huber.

Für meine Alphörner musste ich einiges an Kritik einstecken.

(Quelle: Beat Huber, Alphornbauer)

«Ich baue gerne Exoten»

Von den jährlich vier bis sechs verkauften Alphörnern und einigen weiteren Instrumenten kann Beat Huber nicht leben. «Ich mache aber auch keine Werbung», sagt er. «Denn sonst baue ich nur noch Alphörner – aber ich mache auch gerne Exoten.» Deshalb arbeitet Huber, der vor seiner Zimmermann-Lehre die Landwirtschaftsschule besuchte, jeweils am Morgen als Privatgärtner einer Villa. Den Nachmittag verbringt er in seiner Werkstatt, wo er neben den Instrumenten auch Möbel, Pergolen oder Spielzeuge für seine Kinder und Enkelkinder herstellt. Und gerne immer wieder mit Traditionen bricht.

16 Stunden Arbeit

2700 Franken kostet ein Alphorn aus der Werkstatt von Beat Huber – inklusive Mundstück und Tasche. Das Holz stammt entweder von Bergfichten aus dem Haslital oder von Arven aus dem Bündnerland. Knapp 16 Stunden braucht Huber, um ein Alphorn zu bauen. Seine Instrumente sind entweder bei Huber direkt oder bei Inderbinen Blasinstrumente in Buchs erhältlich.