Niederlenz
«Trutzburg» als Symbol für florierende Gemeinde

Am Wochenende wurde der ortsbürgerliche Kieswerk-Neubau mit einem Tag der offenen Tür eingeweiht.

Heiner Halder
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Was vor 105 Jahren mit manuellem Kiesabbau begann, ist zum Unternehmen herangewachsen. HH

Was vor 105 Jahren mit manuellem Kiesabbau begann, ist zum Unternehmen herangewachsen. HH

Hat Gemeindeammann Maurice Humard zu hoch gegriffen, als er den Kieswerk-Neubau an der Einweihungsfeier als «Jahrhundert-Bauwerk» bezeichnete? Gewiss, grosse Würfe kann sich die Einwohnergemeinde Niederlenz nicht leisten, die Ortsbürger aber schon. Und wenn man im Kiesgrubengelände an die mächtige Betonwand emporschaut und weit oben das Niederlenzer Wappen entdeckt, scheint dieses Gebäude tatsächlich für die Ewigkeit gebaut worden zu sein – so wie in früheren Zeiten die Schlösser und Burgen.

So darf man Maurice Humard schon recht geben, umso mehr als er das Kieswerk und den daraus entsprossenen zweiten Zweig, das Liegenschaftengeschäft, als «ortseigenen Finanz- und Lastenausgleich» darstellt. «Unsere Trutzburg sichert uns die Freiheit, unsere Eigenständigkeit zu leben, und lässt die Siedlung am Bach weiterhin florieren.» Niederlenz sei nicht zuletzt dank seiner «Goldgrube» ein sympathischer Wohnort für Alt und Jung, Familien und Rentner, eingebettet in einer intakten Landschaft und dem Wald als Naherholungsgebiet.

Gemeinnützige Goldgräber

Was vor 105 Jahren hier mit manuellem Kiesabbau klein begonnen hat, ist im Laufe der Zeit zu einem veritablen Unternehmen herangewachsen, welches hoch technisiert, betreut und betrieben von lediglich vier Mitarbeitern unter der Leitung von Beat Bläuer, jährlich namhafte Kies-Kubaturen aus dem Niederlenzer Untergrund hervorholt. Jenen Rohstoff, welcher der Grundstein vieler Bauten in der Region und vor allem «der Quell eines stetigen Geldstromes ist, der zugunsten der Ortsbürgergemeinde fliesst».

Gemeindeammann Humard versäumte natürlich nicht zu erwähnen, dass es gerade jene Ortsbürger sind, welche die ganze Gemeinde in Form von grosszügigen Investitions- und jährlichen Förderbeiträgen im Bereich Kultur, Sport, Soziales und Infrastruktur an ihrem Wohlstand teilhaben lassen. Das wussten die zahlreich zur Einweihung geladenen Gäste natürlich schon, aber am anschliessenden «Tag der offenen Tür» konnte auch die Öffentlichkeit wieder einmal zur Kenntnis nehmen, wo in Niederlenz die gemeinnützigen Goldgräber am Werk sind.

Anno 2008 wurde an der Ortsbürgergmeind der Baukredit (inkl. Nachtragskredit rund 6,8 Millionen) gesprochen, im November 2009 mit dem «Zangenbiss» der Um- und Ausbau der Anlage begonnen, im Herbst 2010 das alte Kieswerk abgestellt und am 14. Februar 2011 der erste Beton ab neuem Kieswerk geliefert. «Das Werk ist gelungen», stellte Kieswerk-Kommissionspräsident Fritz Wilk zufrieden fest. Verbaut wurden 1000 Kubikmeter Beton für den Neubau und 1400 Kubik für Stützmauer, Plätze und Zufahrten, insgesamt 6000 Tonnen aus eigener Produktion.

Pro Stunde 75 Tonnen Kies

Im Neubau sind zwei Silos für gewaschenen Sand und vier Silos für Rundkies diverser Kaliber platziert, zudem stehen zwei Silos für Brechsand und vier Silos für Splitt zur Verfügung. Die Anlieferung und Auslieferung erfolgt über eine neue Brückenwaage, der Kiesausstoss beträgt 75 Tonnen in der Stunde. Mit der sanierten Kläranlage braucht es für den Waschprozess des Kieses nur noch zusätzlich 15 Prozent Grundwasser, der anfallende Schlamm wird grossenteils als Dünger für die Landwirtschaft verwertet.

Um vom Kieswerkneubau nicht ganz in den Schatten gestellt zu werden, hat die Beton Niederlenz-Lenzburg AG ihrem benachbarten Betonwerk ein neues silbernes Kleid verpasst. Die beiden Institutionen, und dazu gehört auch der Lenzburger Betriebsteil im Lenzhard, arbeiten reibungslos zusammen. Das wurde mit Grussbotschaften und Geschenken ebenfalls öffentlich gemacht.