Seengen/Egliswil

Trotz Widerstand: Kanton will eine Million in breiteren Radweg investieren

Der Radweg soll breiter und der Abstand zur Strasse grösser werden.ARCHIV/Alex Spichale

Der Radweg soll breiter und der Abstand zur Strasse grösser werden.ARCHIV/Alex Spichale

Der Kanton will den Radweg zwischen Seengen und Egliswil für eine Million Franken verbreitern. Ein teures Projekt, das niemand gefordert hat, kritisiert ein Bürger und reichte eine Petition gegen das Vorhaben ein. Das Baudepartement lehnt diese nun ab.

Der Seenger Oberstufenlehrer Theo Wyss versteht die Welt nicht mehr. Das kantonale Baudepartement will den 1,3 Kilometer langen Radweg zwischen Seengen und Egliswil um knapp einen Meter auf 2,5 Meter verbreitern. Zudem soll der Grünstreifen zwischen Radweg und Kantonsstrasse auf 1,5 Meter ausgebaut werden. Heute ist dieser etwa einen Meter breit. Der Kanton als Bauherr will dafür rund eine Million Franken investieren.

Theo Wyss kann darüber nur den Kopf schütteln: «Es ist unverständlich, dass der Sparkanton Aargau einfach eine Million locker machen kann für ein Projekt, das von niemandem gefordert wird.» Der Radweg gelte nicht als gefährlich. «Ressourcenverschleiss von Geld und Kulturland stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen.» Das Projekt müsse gestoppt werden, so Wyss, der im vergangenen November mit tausenden Lehrern in Aarau gegen die geplanten Sparmassnahmen im Bildungsbereich demonstriert hatte. «Der Kanton soll endlich beweisen, dass gespart werden kann, ohne dass es jemandem weh tut.»

Theo Wyss hat deshalb Ende 2016 auf der Plattform petitio.ch der Aargauer Zeitung eine Petition gegen das Projekt lanciert. Damals lag das Baugesuch auf. 195 Personen unterzeichneten sein Anliegen.

Ist der Radweg gefährlich?

Jetzt ist klar: Der Kanton hält an seinen Plänen fest – und argumentiert wie bereits im Baugesuch mit der Sicherheit: «Die ungenügende Ausbaubreite des Radwegs stellt ein Sicherheitsrisiko dar; dies hat in der Vergangenheit zu Unfällen zwischen Radfahrern geführt», schreibt der Projektleiter in seiner Antwort zur Online-Petition. Nur: Auf der Online-Unfallkarte des Bundesamtes für Strassen (Astra) ist im Zeitraum 2011–2015 nur ein einziger «Unfall mit Personenschäden» vermerkt. Auch bei Einheimischen hat der Radweg nicht den Ruf, gefährlich zu sein.

Es bleibt der Eindruck: Das Baudepartement erfüllt mit dem Bauprojekt vor allem gesetzliche Vorgaben. Denn der Radweg zwischen Seengen und Egliswil ist Teil des kantonalen Radrouten-Netzes (Radroute R 551). Dieses war 2001 vom Grossen Rat beschlossen und im Richtplan festgeschrieben worden. Der geplante Ausbau des Radweges zwischen Seengen und Egliswil basiert auf dieser Grundlage. Diese schreibt für Radwege mit Gegenverkehr sowie wenig Fussgängern vor: Die Fahrbahn muss 2,5 Meter breit sein, der Grünstreifen zwischen Radweg und Strasse
1,5 Meter.

Der Kanton hält deshalb am Ausbau des Radwegs fest – genauso die Gemeinden Seengen und Egliswil, wie das Baudepartement in seinem Schreiben explizit festhält. Was der Kanton in seiner Stellungnahme auch schreibt: Der Belag des Radwegs ist in schlechtem Zustand und muss in den nächsten Jahren ersetzt werden. Man habe den Landerwerb für das Projekt zudem auf das Notwendigste reduziert.

Einwendung gegen Baugesuch

Wann die Bagger zwischen Seengen und Egliswil auffahren, ist derzeit unklar. Unabhängig von der Petition ist laut Baudepartement eine Einwendung gegen das Baugesuch eingegangen. Diese muss behandelt werden, bevor das Baudepartement beim Regierungsrat die definitive Genehmigung einholen und mit den Landerwerbsverhandlungen beginnen kann. Die Bauarbeiten sollen im Jahr 2019 beginnen und abgeschlossen werden, heisst es beim Kanton.

Die Einwendung gegen das Baugesuch stammt von Theo Wyss, wie dieser auf Anfrage der az erklärt. Der Oberstufenlehrer ist nicht überrascht, dass der Kanton seine Petition abgelehnt hat. Er bleibt bei seiner Meinung: «Es liegt offensichtlich zu viel Geld in der Strassenkasse für unnötige Projekte, während der Kanton in anderen Bereichen wie der Bildung spart.»

Ironie der Geschichte: Der Radweg zwischen den beiden Seetaler Gemeinden hätte Ende der 1970er-Jahre eigentlich breiter gebaut werden sollen. Die Seenger Gemeindeversammlung wies das Projekt jedoch zurück. Der Landverschleiss sei zu gross, hiess es. Zudem habe man vorgängig nicht mit den Landeigentümern verhandelt. Fünfeinhalb Jahre später wurde der Radweg dann genehmigt. In jener Breite, die heute zu wenig breit ist.

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